VGH 2022/037
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12.07.2022
VGH
Beschluss
Sprüche: zurückgewiesen
VGH 2022/037
BESCHLUSS
Der Präsident des Verwaltungsgerichtshofes des Fürstentums Liechtenstein, Vaduz, lic.iur. Andreas Batliner, hat
in der Sache des
Antragstellers:
A

wegenAsyl (Unzulässigkeit)
gegenUnzulässigkeitsentscheid des für das Ministerium für Inneres zuständigen Regierungsmitglieds vom 27. April 2022 zu UE: 2680481
am 12. Juli 2022
entschieden:
1.Der Antrag des Antragstellers vom 24. Mai 2022 auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wird abgewiesen.
2.Die Beschwerde vom 24. Mai 2022 gegen den Unzulässigkeitsentscheid des für das Ministerium für Inneres zuständigen Regierungsmitglieds vom 27. April 2022 zu UE: 2680481 wird zurückgewiesen.
3.Der Antrag des Antragstellers vom 24. Mai 2022 auf Gewährung der Verfahrenshilfe in vollem Umfang wird zurückgewiesen.
4.Die Kosten des Verfahrens verbleiben beim Land.
TATBESTAND
1.
Der Antragsteller, ein Staatsangehöriger Marokkos und am***1995 geboren, reiste am 23.03.2022 in Liechtenstein ein und stellte beim Ausländer- und Passamt (APA) ein Asylgesuch. 
2.
Die Prüfung in der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac) fand nach Ablauf der Quarantänefrist am 31.03.2022 statt. Diese ergab, dass der Antragsteller bereits am 01.12.2020 in der Schweiz, am 11.12.2020 in Österreich, am 04.03.2021 in Deutschland und am 10.07.2021 in den Niederlanden je ein Asylgesuch gestellt hatte.
Im europäischen Visa-Informationssystem (VIS) war der Antragsteller nicht verzeichnet.
Aus dem Zentralen Migrationsinformationssystem der Schweiz (ZEMIS, Auszug der Landespolizei vom 07.04.2022) ist ersichtlich, dass der Antragsteller in der Schweiz unter diversen Nebenidentitäten in Bezug auf seinen Namen, sein Geburtsdatum und auch die von ihm angegebene Staatsbürgerschaft (Marokko und Algerien) geführt wird sowie seine Identität mangels Identitätspapieren nicht belegt ist.
3.
In seiner Befragung durch das APA am 31.03.2022 führte der Antragsteller aus, dass er sein Heimatland Marokko im August 2017 mit dem Schiff nach Spanien verlassen habe, wo er acht Monate geblieben sei, bevor er nach Frankreich weitergereist sei. Dort sei er bis November 2020 geblieben und dann bis März 2021 in der Schweiz, bis Juli 2021 in Deutschland und bis Februar 2022 in den Niederlanden gewesen. Bevor er nach Liechtenstein gereist sei, habe er sich für eine kurze Zeit in Belgien und Deutschland aufgehalten. Nach Liechtenstein sei er mit der Hoffnung auf Sicherheit gekommen, weil er viele Probleme habe. Es gebe eine Gruppe, die ihn töten wolle. Diese sei in den Niederlanden, in der Schweiz und in Deutschland tätig, wo er auch mit dem Messer verletzt worden sei. Ausweispapiere führe er keine mit, er warte, dass seine Familie ihm die Papiere aus Marokko zusende, was er bereits veranlasst habe. Auch besitze er keinen gültigen Aufenthaltstitel im Schengen-Raum. Er habe nur Dokumente und Arztunterlagen aus der Schweiz. Bislang habe er in keinem Land ein Asylgesuch gestellt, jedoch seien seine Fingerabdrücke genommen worden.  
Auf Vorhalt des Ergebnisses der Eurodac-Abfrage, dass darin seine Asylgesuche festgehalten worden seien und die Schweiz im Februar 2022 auch sein Verfahren wiederaufgenommen habe, führte der Antragsteller an, dass er nirgendwo gewartet habe, bis über sein Asylgesuch entschieden worden sei. In den Niederlanden sei er illegal aufhältig gewesen und erwischt worden. Man habe ihn ins Gefängnis gebracht und dann in die Schweiz zurückgeschickt. Deshalb kenne er auch das Ergebnis seines Verfahrens in Deutschland nicht.
Zu seinem Gesundheitszustand führte der Antragsteller aus, dass seine Schulter und sein Fuss gebrochen seien. Er sei zudem mit einem Messer am Hals und am Kopf sowie im Magen erwischt worden und nehme Medikamente ein. Sein gebrochener Fuss sei wieder verheilt. 
Als Gründe, die dagegen sprechen, dass sein Antrag nicht in Liechtenstein, sondern in einem anderen Dublin-Staat geprüft werde, führte der Antragsteller an, dass er Probleme mit dieser Gruppe habe. In der Schweiz und in Deutschland habe er auch Anzeigen gemacht, die Gruppe sei jedoch nicht verhaftet worden, weshalb er Angst habe. Er wolle deshalb auch nicht in diese Länder zurückgehen. Er bestätigte das Ergebnis der Eurodac-Abfrage. Er wünsche, dass seine Fingerabdrücke in den anderen Staaten gelöscht würden und sein Asylgesuch in Liechtenstein bearbeitet werde. 
In Marokko lebten sein Bruder und seine Schwester. Sein Heimatland habe er wegen der Armut seiner Familie und weil er eine neue Zukunft wollte, verlassen. Er sei der älteste Sohn und müsse die Familie ernähren. 
4.
Gestützt auf das Ergebnis der Eurodac-Abfrage, die Aktenlage und die Angaben des Antragstellers ersuchte das APA die schweizerischen Behörden am 01.04.2022 um Wiederaufnahme des Antragstellers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-Verordnung.
Die schweizerischen Behörden teilten mit Schriftsatz vom 04.04.2022 mit, der Wiederaufnahme des Antragstellers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-Verordnung zuzustimmen. Eine Überstellung solle nach Möglichkeit über die Polizeistation Buchs oder den Polizeistützpunkt Mels stattfinden und spätestens drei Arbeitstage vor Überstellung mitgeteilt werden. Lägen physische oder psychische Einschränkungen vor oder seien besondere Vorkehrungen bei bzw. nach der Überstellung notwendig, werde um Mitteilung der Einzelheiten zur Überstellung mindestens fünf Arbeitstage vor dem geplanten Termin gebeten.
5.
Am 27.04.2022 entschied das für das Ministerium für Inneres zuständige Regierungsmitglied nach Art. 5 Abs. 2 AsylG, dass das Asylgesuch des Antragstellers wegen Unzulässigkeit zurückgewiesen (Ziff. 1) und der Antragsteller in die Schweiz weggewiesen werde (Ziff. 2). Der Antragsteller habe Liechtenstein binnen sieben Tagen ab Rechtskraft dieses Entscheids zu verlassen (Ziff. 3). Die Anwendung angemessener Zwangsmassnahmen bleibe vorbehalten (Ziff. 4).
6.
Dieser Unzulässigkeitsentscheid wurde dem Antragsteller am 02.05.2022 durch das APA mittels Dolmetscher eröffnet. Der Antragsteller gab an, er habe den Unzulässigkeitsentscheid und die Wegweisung in die Schweiz verstanden.
Dem Antragsteller wurden die Rechtsmittel und die Beschwerdefrist erklärt sowie die Bestandteile einer Beschwerde explizit aufgezählt. Er wurde auf die Möglichkeit einer Rechtsvertretung durch einen Rechtsanwalt und die Einreichung eines Antrags auf Verfahrenshilfe sowie die Möglichkeit, die Beschwerde in seiner Muttersprache einzureichen, hingewiesen. Der Antragsteller gab an, er habe die Rechtsmittel verstanden.
Dem Antragsteller wurde auch die kostenlose Rechtsberatung erläutert, wonach der Rechtsberater über eine juristische Qualifikation verfüge und die Beratung die Chancen und den Ablauf des Beschwerdeverfahrens sowie die Beratung und Unterstützung im Beschwerdeverfahren, jedoch nicht die Vertretung vor Gericht umfasse. Zur Unterstützung im Beschwerdeverfahren zähle insbesondere die Stellung eines Verfahrenshilfeantrages, der zusammen mit der Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof einzureichen sei. Der Antragsteller wünschte eine kostenlose Rechtsberatung. 
Zu seinem Gesundheitszustand führte er aus, dass er Schmerzmittel erhalte. 
7.
Das APA übermittelte dem Rechtsberater die Unterlagen zum Antragsteller am 18.05.2022.
8.
Mit im Zuge der kostenlosen Rechtsberatung verfasstem Schriftsatz des Antragstellers vom 24.05.2022 (Datum der Postaufgabe am 25.05.2022) stellte der Antragsteller einen Wiedereinsetzungsantrag und brachte gleichzeitig seine Beschwerde gegen den Unzulässigkeitsentscheid vom 27.04.2022 an den Verwaltungsgerichtshof ein. Darin focht er den Unzulässigkeitsentscheid zur Gänze an und machte als Beschwerdegründe insbesondere diejenigen des Art. 90 Abs. 6 LVG geltend. Inhaltlich führte der Antragsteller aus, dass er durch ein unvorhergesehenes oder unabwendbares Ereignis an der rechtzeitigen Vornahme einer befristeten Prozesshandlung verhindert gewesen sei, weshalb er seinen Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand stelle. Seine Beschwerde begründete er damit, dass der Vollzug der Wegweisung in die Schweiz nicht zumutbar und nicht zulässig sei. Die dortige Polizei könne ihm keinen Schutz vor jener Gruppe gewähren, die mit Drogen handle und die der Antragsteller bereits angezeigt habe. 
Der Antragsteller stellte die Anträge, der Verwaltungsgerichtshof möge dem Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand und der gegenständlichen Beschwerde Folge geben sowie die angefochtene Entscheidung dahingehend abändern, dass der Unzulässigkeitsentscheid der Regierung ersatzlos aufgehoben und dem Antragsteller Asyl gewährt werde; in eventu möge der Verwaltungsgerichtshof die angefochtene Entscheidung aufheben und die Rechtssache zur neuerlichen Entscheidung unter Bindung an die Rechtsansicht des Verwaltungsgerichtshofes an die Regierung zurückverweisen. 
Mit demselben Schriftsatz stellte der Antragsteller auch einen Antrag auf Gewährung der Verfahrenshilfe in vollem Umfang unter Beigabe eines Rechtsanwaltes zum Verfahrenshelfer. 
9.
Der Präsident des Verwaltungsgerichtshofes zog die den Antragsteller betreffenden Akten der Regierung und des APA bei und entschied am 12.07.2022 wie aus dem Spruch ersichtlich.
ENTSCHEIDUNGSGRÜNDE
1.
Der Antragsteller stellte am 23.03.2022 in Liechtenstein ein Asylgesuch. Somit ist das Asylgesetz (AsylG) vom 14.12.2011, LGBl. 2012 Nr. 29 idF LGBl. 2021 Nr. 315, grundsätzlich anwendbar.
Gemäss Art. 77 Abs. 2 Bst. a AsylG entscheidet ein Einzelrichter des Verwaltungsgerichtshofes endgültig über Beschwerden gegen Entscheidungen betreffend die Unzulässigkeit eines Asylgesuchs und die damit verbundene Wegweisung sowie gemäss Art. 77 Abs. 2 Bst. c AsylG über Anträge. Zuständig ist gemäss Geschäftsordnung vom 15.02.2019, LGBl. 2019 Nr. 42, iVm Ziff. 6 der Geschäftsverteilung vom 31.01.2020 der Präsident des Verwaltungsgerichtshofes (Art. 77 Abs. 4 AsylG; abrufbar unter: www.vgh.li).
Im vorliegenden Verfahren kommt überdies die Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26.06.2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-Verordnung), direkt zur Anwendung.
2.
Gemäss Art. 4 AsylG richtet sich das Verfahren nach dem Gesetz über die allgemeine Landesverwaltungspflege (LVG), LGBl. 1922 Nr. 24 idgF, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt.
Art. 76 AsylG besagt, dass gegen Entscheidungen der Regierung binnen 14 Tagen ab Zustellung Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof eingereicht werden kann. Aufgrund der Eröffnung der Regierungsentscheidung vom 27.04.2022 am 02.05.2022 endete die Beschwerdefrist deshalb mit Ablauf des 16.05.2022. Die Beschwerde vom 24.05.2022 wurde am 25.05.2022 zur Post gebracht und erweist sich somit als nicht rechtzeitig.
Einleitend ist deshalb über den Antrag des Antragstellers vom 24.05.2022 auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand abzusprechen, um die Zulässigkeit seiner Beschwerde beurteilen zu können. 
Hierzu bringt der Antragsteller in Ziff. I seines Schriftsatzes vom 24.05.2022 vor, dass nach § 146 Abs. 1 ZPO die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand dann zu bewilligen sei, wenn eine Partei durch ein unvorhergesehenes oder unabwendbares Ereignis an der rechtzeitigen Vornahme einer befristeten Prozesshandlung verhindert worden sei und die dadurch verursachte Versäumung für die Partei den Rechtsnachteil des Ausschlusses von der vorzunehmenden Prozesshandlung zur Folge habe (mit Verweis auf StGH 2003/23, Erw. 2, und StGH 2003/87, Erw. 2; StGH 2010/136, Erw. 2.2.2). Gemäss Art. 148 Abs. 1 und 2 ZPO sei der Wiedereinsetzungsantrag innerhalb der unerstreckbaren Frist von 14 Tagen ab Wegfall des Hindernisses, das die Versäumung verursachte, bei dem Gericht einzureichen, bei dem die versäumte Prozesshandlung vorzunehmen gewesen wäre. Dem Antragsteller sei am 02.05.2022 der Unzulässigkeitsentscheid vom 27.04.2022 eröffnet und diesem seitens des APA mitgeteilt worden, dass der Rechtsberater für Asylsuchende umgehend über den Wunsch nach einer Rechtsberatung informiert werde. Diese Information sei seitens des APA jedoch erst am 18.05.2022, damit nach Ablauf der 14-tägigen Rechtsmittelfrist, erfolgt. Da der Antragsteller somit durch ein unvorhergesehenes oder unabwendbares Ereignis an der rechtzeitigen Vornahme einer befristeten Prozesshandlung verhindert gewesen sei, werde der gegenständliche Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gestellt.   
3.
Über Anträge der Parteien auf Wiedereinsetzung wegen Versäumung einer Prozesshandlung (Art. 46 LVG) ist unter sinngemässer Anwendung der einschlägigen Vorschriften der Zivilprozessordnung betreffend die Gründe der Bewilligung zu entscheiden (Art. 104 Abs. 1 LVG, vgl. auch Beschluss des StGH vom 26.03.2019 zu StGH 2018/081; StGH 2015/114, Erw. 1.1, abrufbar unter: www.gerichtsentscheide.li). Die §144 ff. ZPO (1. Teil, 2. Abschnitt, 4. Titel ZPO) bestimmen die Folgen einer Versäumung und legen fest, wann eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu erfolgen hat.
Vorliegend stellt sich die Frage, ob der Antragsteller, wie von ihm vorgebracht wird, durch ein unvorhergesehenes oder unabwendbares Ereignis an der rechtzeitigen Einbringung seiner Beschwerde verhindert war. Diese Frage ist jedoch aus den folgenden Gründen zu verneinen.
Mit Eröffnung des Unzulässigkeitsentscheids durch das APA wurden dem Antragsteller die Rechtsmittel und Fristen sowie die Art der Einbringung und die einzelnen Bestandteile einer solchen Beschwerde erläutert. Er hat hierzu angeführt, die Rechtsmittelbelehrung verstanden zu haben. Es liegt bei ihm auch kein Fall vor wie in StGH 2017/045 vom 18.12.2017 (abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li), wonach den Verwaltungsgerichtshof eine besondere Aufklärungspflicht treffen könnte. Vielmehr zeigte sich der Antragsteller bereits durchaus verständig und mit Daten vertraut, wenn er in seiner Einreisebefragung angeben konnte, wo er sich seit seiner Ausreise aus dem Heimatland wie lange aufgehalten hat. Der Antragsteller stellte mit seinem nunmehrigen Asylgesuch in Liechtenstein in weniger als eineinhalb Jahren zudem sein fünftes Asylgesuch im Dublin-Raum. Daraus ergibt sich, dass er auch mit solchen Dublin- bzw. Unzulässigkeitsverfahren bereits hinlänglich vertraut ist.
Dies zeigt sich nicht zuletzt darin, dass der Antragsteller anfänglich im Verfahren versuchte, falsche Angaben zu tätigen und seine früheren Asylgesuche sowie deren Ausgang zu verschleiern. Dabei wird durch den erkennenden Richter nicht verkannt, dass der Antragsteller in seiner Befragung vor dem APA anfänglich angab, gar nie ein Asylgesuch gestellt zu haben bzw. jeweils bereits kurz nach seiner Asylgesuchstellung weitergereist zu sein und seine Entscheidungen nicht abgewartet zu haben. Er wisse deshalb nicht, wie in diesen Ländern entschieden worden sei. Auf Vorhalt der laut Eurodac-Abfrage nachweislich erfolgten Asylgesuche und der erfolgten Wiederaufnahme des Verfahrens in der Schweiz im Februar 2022 nach Rücküberstellung aus den Niederlanden, musste er jedoch selbst einräumen, dass er in den Niederlanden in Haft genommen worden war, um ein weiteres Untertauchen zu verhindern und seine Überstellung in die Schweiz zu gewährleisten. Jedenfalls in diesem Unzulässigkeitsverfahren hat der Antragsteller eine Entscheidung erhalten und konnte ein effektives Rechtsmittel im Sinne der Dublin-Verordnung erheben. Dem Antragsteller ist deshalb vorzuwerfen, dass er hier über seine Asylgesuche und die jeweiligen an ihn ergangenen Entscheidungen bewusst falsche Angaben machte. Deshalb ist davon auszugehen, dass der Antragsteller sehr wohl jeweils zwar vielleicht nicht sein Rechtsmittelverfahren, aber zumindest die erstinstanzliche Entscheidung mitsamt einer Rechtsmittelbelehrung abgewartet hat. Darauf deutet auch die von ihm angegebene Aufenthaltsdauer in den Dublin-Staaten hin. Auch im Eurodac-Auszug zeigt sich, dass zwischen den Asylgesuchen jeweils einige Monate liegen.
In den anderen Dublin-Staaten wie auch in Liechtenstein wurde der Antragsteller neben seinen Mitwirkungspflichten jedenfalls wiederholt über seine Rechte belehrt. Aus diesen Verfahren muss ihm aus den oben dargelegten Gründen auch die Bedeutung eines Rechtsmittels bereits ausreichend bekannt sein (siehe hierzu auch StGH 2017/142 vom 29.06.2018, Erw. 2; gleichlautend auch StGH 2017/167 vom 27.03.2018, beide nicht öffentlich abrufbar). Dem Antragsteller, dem durch das APA mit Dolmetscher der Unzulässigkeitsentscheid übersetzt wurde und der auch in Liechtenstein (neuerlich) eigens auf die Möglichkeit der Einbringung eines Rechtsmittels und die Fristenwahrung aufmerksam gemacht wurde, ist deshalb vorzuwerfen, dass er sich trotz Kenntnis über die Bedeutung derartiger Fristen nicht um einen früheren Termin beim Rechtsberater bemüht oder seine Beschwerde (allenfalls in seiner Muttersprache) fristenwahrend aus Eigenem beim Verwaltungsgerichtshof eingebracht hat.
Dabei wird nicht verkannt, dass das APA dem Antragsteller die Kontaktaufnahme mit dem Rechtsberater zugesichert hatte, diese jedoch verspätet erfolgte. Im Fall des Antragstellers, der mit derartigen Verfahren bereits vertraut ist und nachweislich die Bedeutung von Rechtsmittelfristen kennt, handelt es sich dabei jedoch weder um ein nicht abwendbares noch um ein nicht vorhersehbares Ereignis, das ihn an der rechtzeitigen Einbringung einer Beschwerde hätte hindern können. Vielmehr ist ihm vorzuwerfen, sich nicht fristgerecht um die Erhebung eines Rechtsmittels gekümmert und dieses rechtzeitig beim Verwaltungsgerichtshof eingebracht zu haben. Im Falle des Antragstellers, der bereits sein fünftes Asylgesuch im Dublin-Raum stellte, handelt es sich dabei auch nicht um einen minderen Grad des Versehens. 
Bei diesem Ergebnis ist letztlich nicht relevant, wann der Rechtsberater informiert wurde und dass die vierzehntägige Frist ab Wegfall des Hindernisses eingehalten worden sei. Aufgrund der eindeutigen Aktenlage, wobei der Verwaltungsgerichtshof auch das Vorbringen nicht in Frage stellt, sondern lediglich zu einer anderen rechtlichen Beurteilung kommt, konnte zudem auf die mündliche Verhandlung (§ 149 Abs. 2 ZPO) verzichtet werden.
Folglich war dem Antrag auf Wiedereinsetzung mangels des Vorliegens der gesetzlich festgelegten Voraussetzungen nicht Folge zu geben. Der Unzulässigkeitsentscheid ist vielmehr aufgrund des Versäumens der Rechtsmittelfrist in Rechtskraft erwachsen, weshalb sich die Beschwerde wie auch der zeitgleich mit dieser im Sinne des Art. 83 Abs. 1a AsylG gestellte Antrag auf Verfahrenshilfe als nicht zulässig erweisen und zurückzuweisen waren.
4.
Aber selbst bei Stattgabe des Wiedereinsetzungsantrages wäre für den Antragsteller nichts zu gewinnen. So steht aufgrund des mit der Schweiz geführten Konsultationsverfahrens fest, dass die Schweiz für das Asyl- und Wegweisungsverfahren des Antragstellers zuständig ist. Dieses Ergebnis hat sich bereits in anderen Dublin-Staaten, in denen der Antragsteller frühere Asylgesuche stellte, ergeben und ist dem Antragsteller, der bereits aus den Niederlanden in die Schweiz überstellt wurde, auch bekannt. In seinen Beschwerdeausführungen bekämpft er die Zuständigkeit der Schweiz deshalb nicht.
Die Schweiz hat denn auch ausdrücklich erklärt, den Antragsteller nach Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-Verordnung wieder aufzunehmen. Demgemäss hat der Antragsteller seinen Antrag während der Antragsprüfung in der Schweiz zurückgezogen, bevor er in Liechtenstein sein Asylgesuch gestellt hat. Sollte die Schweiz die Prüfung seines Asylgesuches nicht fortgeführt haben, nachdem der Antragsteller den Antrag dort zurückzog, noch bevor eine Entscheidung in der Sache in erster Instanz ergangen ist, so stellt die Schweiz nun bei seiner Rückkehr sicher, dass der Antragsteller berechtigt ist, entweder zu beantragen, dass die Prüfung seines Antrags abgeschlossen wird, oder einen neuen Antrag auf internationalen Schutz zu stellen, der nicht als Folgeantrag im Sinne der Richtlinie 2013/32/EU behandelt wird. In diesen Fällen gewährleisten die Mitgliedstaaten, dass die Prüfung des Antrags abgeschlossen wird. Gegen eine negative Entscheidung über sein Asylgesuch wird der Antragsteller in weiterer Folge einen wirksamen Rechtsbehelf gemäss Art. 46 der Richtlinie 2013/32/EU einlegen können.
Damit muss auch das Beschwerdevorbringen (Ziff. III.1.3 und III.2 der Beschwerde), dass der Antragsteller bei einer Rückkehr in die Schweiz sogleich nach Marokko überstellt werden würde, wo ihm eine Verfolgung drohe, ins Leere gehen. Vielmehr hat das zuständige Regierungsmitglied zu Recht hervorgehoben, dass es sich bei der Schweiz um einen sicheren Staat für den Antragsteller handelt, der sich an seine Verpflichtungen hält und nicht gegen das Non-Refoulement-Gebot verstossen wird. Nur am Rande sei deshalb erwähnt, dass der Antragsteller für seine Ausreise aus Marokko auch lediglich wirtschaftliche Gründe und keine asylrelevante Verfolgung vorbrachte. Für die Schweiz sind keine systemischen Mängel im Asyl- und Betreuungssystem bekannt, die eine Zuständigkeit Liechtensteins mit sich bringen könnten. Solche bringt der Antragsteller im Übrigen auch selbst nicht vor. 
Damit ist das Asylgesuch des Antragstellers gemäss Art. 20 Abs. 1 Bst. b AsylG aber durch das zuständige Regierungsmitglied zu Recht als unzulässig beurteilt worden, weil der Asylsuchende in einen anderen Dublin-Staat, der zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens völkerrechtlich zuständig ist, ausreisen kann. Selbst bei Eintritt in das Beschwerdeverfahren wäre also die Zurückweisung des Asylgesuches des Antragstellers im Unzulässigkeitsentscheid durch den Verwaltungsgerichtshof nicht zu beanstanden und seine Beschwerde abzuweisen.
5.
Gleiches gilt für die ausgesprochene Wegweisungsverfügung. Die Schweiz als Rechtsstaat erweist sich als schutzfähig und schutzwillig, weshalb der Antragsteller mit seiner Befürchtung vor Übergriffen durch eine Gruppe, die aus überwiegend arabischen Staatsangehörigen bestehen und in Drogengeschäfte verwickelt sein soll, an die schweizerischen Sicherheitsbehörden zu verweisen ist. Dass der Antragsteller hierzu in der Lage ist, zeigt sich schon dadurch, dass er selbst anführt, er habe sich bereits an die Polizei in der Schweiz und in Deutschland gewandt und diese Gruppe angezeigt. Bereits das zuständige Regierungsmitglied erachtete das diesbezügliche Vorbringen als zu unsubstantiiert. Auch mit seiner Beschwerde (Ziff. III.1) bringt der Antragsteller nichts vor, das diesen Feststellungen entgegentreten und mehr Substanz aufweisen würde.
Es entspricht zudem der ständigen Rechtsprechung der liechtensteinischen Höchstgerichte, dass Liechtenstein im Sinne des im Dublin-Verfahren vorherrschenden Prinzips des Vertrauens unter den Mitgliedstaaten darauf vertrauen darf, dass die Schweiz ihre völkerrechtlichen und europarechtlichen Verpflichtungen einhalten wird. Es ergeben sich keine Hinweise, dass die Schweiz sich nicht daran halten und für den Antragsteller kein sicherer Staat sein könnte. 
Zusammengefasst besteht für den Antragsteller kein konkretes Risiko, dass er gezwungen wäre, in ein Land auszureisen, in welchem er verfolgt oder unmenschlicher Behandlung ausgesetzt wäre, wie zu Recht das zuständige Regierungsmitglied festhielt. Dem mit dem Asyl- und Dublinverfahren bereits durchaus vertrauten Antragsteller ist zuzumuten, dass er sich in der Schweiz an die entsprechenden Behörden wendet und notfalls auch Rechtsmittel und -behelfe zur Durchsetzung der ihm zustehenden Rechte ergreift.
Das Vorbringen des Antragstellers wäre folglich auch bei Rechtzeitigkeit der Beschwerde nicht geeignet, den Unzulässigkeitsentscheid und seine Wegweisung in die Schweiz zu bekämpfen. Vielmehr trat er den diesbezüglichen Erwägungen des zuständigen Regierungsmitglieds nicht entgegen und erfüllte damit auch seine Substantiierungspflicht nicht, wonach er sich mit den Erwägungen der angefochtenen Entscheidung argumentativ auseinandersetzen muss (StGH 2021/018 vom 22.03.2021, Erw. 8.3, nicht öffentlich abrufbar; mit Verweis auf StGH 2017/066, Erw. 2.4.1; StGH 2016/105, Erw. 2.3; StGH 2015/008, Erw. 1.3; alle öffentlich abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li).
6.
Da der Antragsteller die Zuständigkeit der Schweiz nicht bekämpft und auch der Wegweisungsverfügung und den wesentlichen Feststellungen, wonach die Schweiz für ihn sicher, schutzfähig und schutzwillig ist, nicht annähernd substantiiert entgegentritt, wäre selbst bei Rechtzeitigkeit der Beschwerde sein gleichzeitig gestellter Antrag auf Verfahrenshilfe (Art. 83 Abs. 1 Bst. a AsylG) abzuweisen, weil die Beschwerde sich als offensichtlich aussichtslos erweist. Nicht zuletzt wäre diese im Sinne der ständigen Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes auch als mutwillig zu beurteilen, weil der Antragsteller, der für sein Heimatland keine Asylgründe vorbringt, sondern lediglich wirtschaftliche Schwierigkeiten behauptet, binnen weniger Monate bereits sein fünftes Asylgesuch in einem Dublin-Staat stellte. Dies, obwohl ihm der Ausgang des Verfahrens bereits bekannt war, wurde er ja auch bereits durch die Niederlande in die Schweiz rücküberstellt.
7.
Auf die Auferlegung von Gebühren für das gegenständliche Verfahren konnte verzichtet werden (Art. 8 Abs. 4 GGG).