VGH 2015/030
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10.06.2015
VGH
Urteil
Sprüche: stattgegeben / zurückverwiesen / materiell
VGH 2015/030
Der Verwaltungsgerichtshof des Fürstentums Liechtenstein, Vaduz, hat durch die
Rekursrichterlic.iur. Andreas Batliner, Vorsitzender
Mag.iur. Raphael Näscher, LL.M.
lic.iur. Adrian Rufener
Dr.iur. Esther Schneider
lic.iur. Claudio Frick, LL.M.
in der Beschwerdesache der
Beschwerdeführer:
1.A
xxxxxx
2.B Stiftung


vertreten durch:

C
Rechtsanwalt
xxx
wegenAkteneinsicht bei FIU, Auskunft von FIU
gegenEntscheidung der Regierung des Fürstentums Liechtenstein vom 10. März 2015
in der nicht-öffentlichen Sitzung vom 10. Juni 2015
entschieden:
1.Der Beschwerde vom 26. März 2015 gegen die Entscheidung der Regierung des Fürstentums Liechtenstein vom 10. März 2015 wird insoweit stattgegeben, als die angefochtene Entscheidung aufgehoben und die Stabstelle Financial Intelligence Unit angewiesen wird, binnen vier Wochen über den Akteneinsichtsantrag der Beschwerdeführerin zu 2. vom 22. April 2014 und den Akteneinsichtsantrag der beiden Beschwerdeführer vom 25. September 2014 zu entscheiden.
2.Die Kosten des Verfahrens verbleiben beim Land.
TATBESTAND
1.
Am 22. April 2014 stellte der Beschwerdevertreter in Vertretung der Beschwerdeführerin zu 2. bei der Stabstelle Financial Intelligence Unit (FIU) den Antrag, ihm vollumfänglich Akteneinsicht zu gewähren und ihn insbesondere zu informieren, welche Taten über seine Klientin bei der FIU vorhanden sind.
2.
Mit Verfügung vom 07. Mai 2014 wies die FIU den Antrag "von A" vom 22. April 2014 ab.
3.
Dagegen erhoben sowohl A als auch die B Stiftung am 22. Mai 2014 Beschwerde an die Regierung.
4.
Mit Entscheidung vom 12. August 2014 gab die Regierung der Beschwerde gegen die Verfügung der FIU vom 07. Mai 2014 insoweit statt, als die angefochtene Verfügung aufgehoben und die Rechtssache an die FIU zur neuerlichen Entscheidung zurückgeleitet wurde. Die Regierung führte aus, die FIU habe mit ihrer Verfügung vom 07. Mai 2014 nicht über den Antrag der B Stiftung vom 22. April 2014 abgesprochen. Hingegen habe die FIU einen Antrag des A abgewiesen, welcher jedoch gar keinen Antrag auf Akteneinsicht gestellt habe. Deshalb sei dem Beschwerdevorbringen zu folgen, dass die angefochtene Verfügung der FIU an einem schweren Formmangel, welcher zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung führe, leide. Auf die weiteren Beschwerdevorbringen sei nicht näher einzugehen. Im fortgesetzten Verfahren habe die FIU zu prüfen, ob und allenfalls auf welcher Rechtsgrundlage der Antragstellerin (B Stiftung) die beantragte Akteneinsicht zu gewähren sei.
5.
Mit Schreiben vom 25. September 2014 ersuchte die FIU den Beschwerdevertreter um Terminvorschläge zur Durchführung der beantragten Akteneinsichtnahme.
6.
Mit Email vom 25. September 2014 und unter Bezugnahme auf das Schreiben der FIU vom gleichen Tag machte der Beschwerdevertreter Terminvorschläge für die Akteneinsicht. Gleichzeitig teilte er mit, dass seine Mandantschaft (A und B Stiftung) bei der Akteneinsicht besonderen Wert darauf legten, dass vollständige Akteneinsicht gewährt werde, dass also alle E-Mails, Aufzeichnungen, Infos und Schreiben betreffend die Mandantschaft des Beschwerdevertreters, die der FIU vorlägen und die allenfalls an Dritte im In- oder auch Ausland übermittelt worden seien, für die Akteneinsicht bereit stünden.
7.
Am 03. Oktober nahm der Beschwerdevertreter bei der FIU Akteneinsicht in folgende Dossiers (Akten) der FIU: (...). Der Beschwerdevertreter erhielt die von ihm bei der Akteneinsichtnahme begehrten Fotokopien.
8.
Am 19. November 2014 erhoben die beiden (heutigen) Beschwerdeführer bei der Regierung eine Säumnisbeschwerde. Sie beantragten, die Regierung wolle über den Antrag auf Akteneinsicht in die bezüglich der Beschwerdeführer bei der FIU geführten Akten entscheiden und der FIU auftragen, dass diese den Antragstellern vollständige Akteneinsicht in die sie betreffenden Verfahren vor der FIU gebe.
Sie führten zur Zulässigkeit der Säumnisbeschwerde aus, dass die Regierung mit Entscheidung vom 12. August 2014 die Rechtssache an die FIU zur neuerlichen Entscheidung zurückgeleitet habe. Die FIU habe es jedoch unterlassen, innerhalb von drei Monaten seit der neuerlichen Zuständigkeit eine neue Entscheidung zu treffen. Somit sei die FIU säumig und es könne Säumnisbeschwerde an die Regierung erhoben werden (Art. 90 Abs. 6a LVG).
Weiters führten die Beschwerdeführer aus, sie zweifelten stark daran, dass ihrem Rechtsvertreter am 03. Oktober 2014 von der FIU vollumfänglich Akteneinsicht gewährt worden sei. Deshalb habe der Beschwerdevertreter um eine schriftliche, rechtsmittelfähig Bestätigung, dass die Akteneinsicht vollumfänglich gewesen sei, ersucht. Bis dato sei jedoch eine solche Bestätigung der FIU nicht ergangen. Es sei für die Beschwerdeführer nicht ersichtlich, ob die Akteneinsicht, wie begehrt, vollumfänglich gewesen sei und, falls nicht, auf welchen rechtlichen Grundlagen ein solches Vorenthalten von Akten und Informationen basiere. Aus Gründen der Rechtssicherheit hätten die Beschwerdeführer daher ein rechtliches Interesse an der formellen Erledigung ihres Antrages.
9.
Zu dieser Säumnisbeschwerde vom 19. November 2014 nahm die FIU mit Schreiben vom 23. Januar 2015 gegenüber der Regierung Stellung.
10.
Hierzu äusserten sich die Beschwerdeführer mit Schriftsatz vom 11. Februar 2015.
11.
Mit Entscheidung vom 10. März 2015 entschied die Regierung wie folgt:
1.
Der Säumnisbeschwerde von Herrn A und der B Stiftung Vaduz, beide vertreten durch die Rechtsanwaltskanzlei C, wegen Akteneinsicht und Nichterledigung der Regierungsentscheidung vom 12. August 2014 wird stattgegeben.
2.
Der Antrag von Herrn A und der B Stiftung Vaduz, beide vertreten durch die Rechtsanwaltskanzlei C, auf vollumfängliche Akteneinsicht wird abgewiesen.
3.
Die Entscheidungsgebühr in Höhe von CHF 300.00 ist an die Landeskasse zu entrichten.
12.
Gegen diese Regierungsentscheidung, zugestellt am 12. März 2015, erhoben die Beschwerdeführer am 26. März 2015 rechtzeitig Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof. Sie fochten die Regierungsentscheidung vollumfänglich an und beantragten, der Verwaltungsgerichtshof möge die angefochtene Regierungsentscheidung aufheben und den Beschwerdeführern vollständige Akteneinsicht in die bei der FIU geführten Akten Herrn A und die B Stiftung betreffend gewähren.
13.
Der Verwaltungsgerichtshof zog folgende Akten bei:
-
Dossiers Nr. (...) der FIU
-
Regierungsakt LNR (...)
12.
In seiner nicht-öffentlichen Sitzung vom 10. Juni 2015 erörterte der Verwaltungsgerichtshof die Sach- und Rechtslage und entschied, wie aus dem Spruch ersichtlich.
ENTSCHEIDUNGSGRÜNDE
1.
Der Akteneinsichtsantrag vom 22. April 2014 wurde (nur) von der Beschwerdeführerin zu 2., nicht aber vom Beschwerdeführer zu 1. gestellt. Dies erkannte die Regierung richtig in ihrer Entscheidung vom 12. August 2014 (siehe oben Tatbestand Ziff. 4.). Aus den Akten der FIU ergibt sich nicht, dass der Beschwerdeführer zu 1. ebenfalls einen Akteneinsichtsantrag stellte. Dennoch geht die Regierung in ihrer angefochtenen Entscheidung vom 10. März 2015 - implizit - davon aus, dass auch der Beschwerdeführer zu 1. einen solchen Antrag stellte. Es ist anzunehmen, dass sich die Regierung dabei auf das Email des Beschwerdevertreters an die FIU vom 25. September 2014 (siehe oben Tatbestand Ziff. 6.), das die Beschwerdeführer mit dem Schriftsatz vom 11. Februar 2015 vorlegten, stützt. Jedenfalls liess die Regierung mit ihrer Entscheidung vom 10. März 2015 die Säumnisbeschwerde des Beschwerdeführers zu 1. vom 19. November 2014 zu, sodass auch im gegenständlichen Beschwerdeverfahren und im fortgesetzten Verfahren von der Parteistellung des Beschwerdeführers zu 1. in Folge seiner Antragstellung vom 25. September 2014 auszugehen ist.
Der Antrag der beiden Beschwerdeführer und weiterer drei Gesellschaften vom 20. November 2014 wurde nach der Erhebung der Säumnisbeschwerde vom 19. November 2014 gestellt und ist deshalb nicht Gegenstand der Regierungsentscheidung vom 10. März 2015 und des gegenständlichen Beschwerdeverfahrens. Es steht der FIU jedoch frei, den Antrag vom 20. November 2014 in das gegenständlich fortzusetzende Verfahren einzubeziehen.
2.
Die Akten, Unterlagen und Daten der FIU, in die die Beschwerdeführer Einsicht nehmen und zu denen die Beschwerdeführer Auskunft wollen, können in drei Bereiche eingeteilt werden, nämlich in Akten, Unterlagen und Daten (1.) nach dem Gesetz vom 10. Dezember 2008 über die Durchsetzung internationaler Sanktionen (ISG), LGBl. 2009 Nr. 41 (in der gültigen Fassung) ("ISG-Akten"), (2.) nach dem Gesetz vom 11. Dezember 2008 über berufliche Sorgfaltspflichten zur Bekämpfung von Geldwäscherei, organisierter Kriminalität und Terrorismusfinanzierung (Sorgfaltspflichtgesetz; SPG), LGBl. 2009 Nr. 27 (in der gültigen Fassung) ("SPG-Akten"), und (3.) sonstige Akten, Urkunden und Daten ("sonstige Akten").
3.
Zu den „ISG-Akten“:
Am 28. Februar 2014 publizierte die Regierung die Verordnung über Massnahmen gegenüber bestimmten Personen aus der Ukraine, LGBl. 2014 Nr. 58 („Ukraine-Verordnung“). Mit dieser Verordnung wurde bestimmt, dass Gelder und wirtschaftliche Ressourcen, die sich im Eigentum oder unter der direkten oder indirekten Kontrolle der natürlichen Personen, Unternehmen und Organisationen nach dem Anhang zur Ukraine-Verordnung befinden, gesperrt sind (Art. 1 Abs. 1). Zudem wurde (jedermann) verboten, den von der Sperrung betroffenen natürlichen Personen, Unternehmen und Organisationen Gelder zu überweisen oder Gelder und wirtschaftliche Ressourcen sonstwie direkt oder indirekt zur Verfügung zu stellen (Art. 1 Abs. 2). Personen und Institutionen, die Gelder halten oder verwalten oder von wirtschaftlichen Ressourcen wissen, von denen anzunehmen ist, dass sie unter die Sperrung nach Art. 1 Abs. 1 fallen, müssen dies der Stabstelle FIU unverzüglich melden (Art. 4 Abs. 1). Im Anhang nach Art. 1 Abs. 1 der Ukraine-Verordnung (Liste der natürlichen Personen, Unternehmen und Organisationen, gegen die sich die Massnahmen nach Art. 1 richten) ist unter Ziff. 7. (... Herr NN) aufgeführt.
In diesem Zusammenhang wurden folgende Meldungen von liechtensteinischen Finanzintermediären an die FIU erstattet:
  • (...)
In diese Dossiers haben die Beschwerdevertreter am 03. Oktober 2014 Einsicht genommen. Ihnen wurden die gewünschten Fotokopien aus diesen Dossiers am 07. Oktober 2014 übergeben (siehe entsprechende Aktennotizen im Dossier Nr. x der FIU). Auf weitere Ansprüche der Beschwerdeführer in Bezug auf die "ISG-Akten" wird weiter unten (Erw. 10.) eingegangen.
4.
Zu den „SPG-Akten“ der FIU:
Sorgfaltspflichtige (vgl. Art. 3 SPG) haben u.a. die Pflicht, besondere Abklärungen zu tätigen, wenn im Rahmen ihrer Geschäftsbeziehungen Sachverhalte oder Transaktionen auftreten, die Verdachtsmomente begründen, dass Vermögenswerte im Zusammenhang mit Geldwäscherei, Vortaten der Geldwäscherei, organisierter Kriminalität oder Terrorismusfinanzierung stehen (Art. 9 Abs. 4 SPG). Besteht hernach der Verdacht auf Geldwäscherei, eine Vortat der Geldwäscherei, organisierte Kriminalität oder Terrorismusfinanzierung, müssen die Sorgfaltspflichtigen der FIU umgehend schriftlich Mitteilung machen (Art. 17 Abs. 1 SPG). Die Sorgfaltspflichtigen dürfen den Vertragspartner, die wirtschaftlich berechtigte Person oder Dritte nicht davon in Kenntnis setzen, dass sie eine Mitteilung an die FIU erstattet haben (Art. 18 Abs. 3 SPG). All dies dient der Bekämpfung von Geldwäscherei, organisierter Kriminalität und Terrorismusfinanzierung im Sinne des Strafgesetzbuches (§§ 165, 278 bis 278d StGB) (Art. 1 Abs. 1 SPG).
Aus all dem ist zu schliessen, dass die Verdachtsmitteilung eines Sorgfaltspflichtigen an die FIU gemäss Art. 17 Abs. 1 SPG der Einleitung eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens dient. Erste mit dem Ermittlungsverfahren befasste Behörde ist die FIU. Sie nimmt die Mitteilungen gemäss Art. 17 Abs. 1 SPG entgegen (Art. 4 Abs. 1 und Art. 5 Abs. 1 Bst. a FIUG), beschafft Informationen aus öffentlich zugänglichen und nicht öffentlich zugänglichen Quellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c FIUG) und analysiert, ob tatsächlich ein Verdacht auf Geldwäscherei, Vortaten der Geldwäscherei, organisierte Kriminalität oder Terrorismusfinanzierung besteht (Art. 3, Art. 4 Abs. 2 und 3, Art. 5 Abs. 1 Bst. a bis c FIUG). Erhärtet sich der Verdacht nicht, ist damit das Verfahren abgeschlossen. Erhärtet sich jedoch der Verdacht, leitet die FIU die Verdachtsmitteilung gemäss Art. 17 Abs. 1 SPG an die Staatsanwaltschaft weiter (Art. 5 Abs. 1 Bst. b FIUG). Auch die weiteren Informationen, die sich die FIU aus öffentlich und nicht-öffentlich zugänglichen Quellen beschaffte und die der FIU zur Analyse der Verdachsmitteilung dienten, werden an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet (Art. 6 FIUG).
Die Staatsanwaltschaft hat dann die Sache von Amts wegen mit Unterstützung der Landespolizei aufzuklären und die Verdächtigen zu verfolgen (§ 21 Abs. 1 StPO). Sie kann durch die Landespolizei oder den Untersuchungsrichter Vorerhebungen führen lassen (§ 21a Abs. 1 StPO) und beim Untersuchungsrichter die Einleitung einer förmlichen Strafuntersuchung beantragen (§ 41 StPO). Sobald der Untersuchungsrichter die Untersuchung abgeschlossen hat, hat der Staatsanwalt seine Anträge zu stellen (§§ 157, 158 StPO), also, bei erhärtetem Verdacht, Anklage zu erheben (§ 161 StPO).
Die Entgegennahme einer Verdachtsmitteilung gemäss Art. 17 Abs. 1 SPG, deren Analyse unter Einbezug von Informationen, die sich die FIU aus öffentlich und nicht öffentlich zugänglichen Quellen beschafft und die Weiterleitung an die Staatsanwaltschaft sind also Teil des strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens. Dementsprechend ist den betroffenen Personen von der FIU nach den Prinzipien der Strafprozessordnung und unter Vorbehalt der Sonderbestimmungen des FIUG Einsicht in die entsprechenden Akten zu gewähren. Zu diesen Akten gehören die von den Sorgfaltspflichtigen erstatteten Verdachsmitteilungen, die von der FIU zu diesen Verdachtsmitteilungen beschafften Informationen und das Weiterleitungsschreiben an die Staatsanwaltschaft.
Vom Einsichtsrecht können einzelne Aktenstücke, allenfalls sogar der gesamte Akt ausgenommen werden, wenn die Befürchtung gerechtfertigt ist, dass durch eine sofortige Kenntnisnahme von diesen Aktenstücken oder Akten die Untersuchung erschwert werden könnte (§ 30 Abs. 2 StPO). Dies gilt insbesondere während den ersten fünf Werktagen ab Eingang einer Verdachtsmitteilung bei der FIU (vgl. Art. 18 Abs. 2 SPG). Das Akteneinsichtsrecht bei der FIU ist weiters durch die Bestimmungen von Art. 10 und 11 FIUG beschränkt.
Die FIU hat bisher den Beschwerdeführern die Einsicht in ihre "SPG-Akten" verwehrt, dies mit der Begründung, die Beschwerdeführer könnten die Akten beim Untersuchungsrichter einsehen. Dem könnte jedoch nur zugestimmt werden, wenn die FIU ihre Akten im Original der Staatsanwaltschaft oder dem Untersuchungsrichter übermittelt hätte. Dass dem der Fall ist, ergibt sich aus nichts. Deshalb ist davon auszugehen, dass die FIU der Staatsanwaltschaft und dem Untersuchungsrichter "nur" Kopien ihrer Akten übermittelte und dass sich die Originalakten immer noch bei der FIU befinden. Den Beschwerdeführern kann also die Einsichtnahme in diese Akten bei der FIU nicht mit der Begründung verwehrt werden, die FIU führe kein Verfahren oder Kopien dieser Akten könnten von den Beschwerdeführern auch beim Untersuchungsrichter eingesehen werden.
5.
Zu den „sonstigen Akten“ der FIU:
Die FIU beschafft ganz generell Informationen, welche für das Erkennen von Geldwäscherei, Vortaten der Geldwäscherei, organisierter Kriminalität und Terrorismusfinanzierung notwendig sind (Art. 4 Abs. 3, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und d FIUG). Sofern es sich dabei um personenbezogene Daten (Informationen und Unterlagen) handelt, haben die Betroffenen, hier die Beschwerdeführer, schon aus dem Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung (Art. 32 LV; Art. 8 EMRK; StGH 2011/11, StGH 2013/36) Anspruch auf Einsicht. Ausnahmen bestehen dann, wenn es eine entsprechende gesetzliche Grundlage gibt, die Ausnahme verhältnismässig ist und nicht den Kerngehalt des Grundrechts tangiert.
Das FIUG schränkt das Auskunftsrecht ein, soweit überwiegende öffentliche oder private Interessen der Auskunft entgegenstehen, insbesondere wenn die Auskunfterteilung die Aufgabenerfüllung der FIU gefährdet oder wenn durch die Auskunftserteilung Informationsquellen gefährdet würden (Art. 10 Abs. 1, Art. 11 Bst. a und b FIUG). Die Auskunftsverpflichtung erstreckt sich nicht auf die Herkunft der Daten und die Empfänger von Übermittlungen (Art. 10 Abs. 2 FIUG). Die Bestimmung von Art. 10 Abs. 2 FIUG ist jedoch im Sinne des grundrechtlichen Verhältnismässigkeitsprinzips einschränkend zu interpretieren: Wenn es kein öffentliches oder privates Interesse an der Geheimhaltung der Herkunft von Daten oder des Empfängers von Übermittlungen gibt, ist von der FIU Auskunft zu erteilen. So ist in der Regel die Herkunft von Daten offenzulegen, wenn die Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen stammen. Wenn jedoch ein überwiegendes öffentliches Interesse daran besteht, dass die Herkunft von Daten geheim gehalten wird, ist keine Auskunft zu erteilen.
Die FIU beschafft sich Informationen auch aus nicht öffentlich zugänglichen Quellen (Art. 5 Abs. 1 Bst. c FIUG), so u.a. von ausländischen FIUs (Art. 7 Abs. 1 FIUG).
Die FIUs sind international in der sogenannten Egmont Group of Financial Intelligence Units organisiert. Zweck der Egmont-Gruppe ist es, die internationale Kooperation im Kampf gegen die Geldwäscherei und die Terrorismusfinanzierung zu verbessern. Hierzu dient u.a. der gegenseitige Informationsaustausch (vgl. www.fiu.li, www.egmontgroup.org). Die Egmont-Gruppe hat sich ein Regelwerk gegeben, so auch die Principles for Information Exchange between Financial Intelligence Units vom Juli 2013 (abrufbar unter www.egmontgroup.org). Danach gilt der Grundsatz, dass ausgetauschte Informationen vertraulich sind und nicht an andere Behörden oder an Drittpersonen weitergeleitet werden dürfen (Ziff. 28 bis 33, insbesondere 32). Deshalb darf die (liechtensteinische) FIU die Herkunft von Daten, die sie von ausländischen FIUs erhalten hat, nicht ohne Zustimmung der ausländischen FIUs offenlegen.
Das Informationsgesetz (Gesetz vom 19. Mai 1999 über die Information der Bevölkerung, LGBl. 1999 Nr. 159 in der gültigen Fassung), auf welches das FIUG verweist (Art. 10 Abs. 1 FIUG), gewährt kein weitergehendes Akteneinsichtsrecht als das FIUG. Auch nach dem Informationsgesetz besteht ein Einsichtsrecht nur insoweit, als nicht überwiegende öffentliche oder private Interessen entgegenstehen (Art. 3 Abs. 3, Art. 14 Abs. 1, Art. 29 Abs. 1).
Das Datenschutzgesetz (vom 14. März 2002, LGBl. 2002 Nr. 55 in der gültigen Fassung, DSG) regelt eine Querschnittsmaterie. Abweichende Bestimmungen in anderen Gesetzen gehen dem DSG vor (Art. 2 Abs. 4 DSG; LES 2003, 91 [98 f.]; Philipp Mittelberger, Das Verhältnis der Geltung des Datenschutzgesetzes im Vergleich zu Spezialgesetzen am Beispiel des SPG-Bereichs, in: LJZ 2013, 117). Diesen Grundsatz wiederholt das DSG in Art. 12 Abs. 1 Bst. a, indem es bestimmt, dass die Auskunft verweigert, eingeschränkt oder aufgeschoben werden kann, wenn ein Gesetz dies vorsieht. Darüberhinaus kann eine Behörde die Auskunft verweigern, einschränken oder aufschieben, wenn dies wegen überwiegender öffentlicher Interessen erforderlich ist (Art. 12 Abs. 2 Bst. a DSG). Somit geht die Bestimmung von Art. 10 Abs. 2 FIUG, wonach die Herkunft von Daten nicht offengelegt wird, dem Datenschutzgesetz vor. Allerdings muss der Inhaber der Daten, hier die FIU, angeben, aus welchem Grund er die Auskunft verweigert, einschränkt oder aufschiebt (Art. 12 Abs. 4 DSG).
Es liegt im Interesse des Landes Liechtenstein, Geldwäscherei, Vortaten der Geldwäscherei, organisierte Kriminalität und Terrorismusfinanzierung zu bekämpfen. Zu einer effizienten Bekämpfung ist es notwendig, international zusammenzuarbeiten und sich in entsprechenden Organisationen, wie hier der Egmont-Gruppe, zusammenzuschliessen. Die internationale Zusammenarbeit funktioniert nur, wenn sich die Behörden darauf verlassen können, dass sich alle beteiligten Behörden an die gemeinsamen Regeln halten. Die in der Egmont-Gruppe zusammengeschlossenen FIUs haben eine weitgehende Vertraulichkeit der ausgetauschten Informationen und Quellen vereinbart, denn nur so ist ein rascher Informationsaustausch und damit eine effiziente Bekämpfung von Geldwäscherei, organisierter Kriminalität und Terrorismusfinanzierung möglich.
Aus diesen Ausführungen ergibt sich, dass die FIU den Beschwerdeführern bekannt zu geben hat, ob sie überhaupt personenbezogene Daten über die Beschwerdeführer bearbeitet, die nicht schon Teil der "ISG-Akten" und "SPG-Akten" der FIU sind. Wenn die FIU solche Daten bearbeitet, hat sie möglichst genau anzugeben, um welche Art von Daten es sich handelt, welchen Inhalt die Daten haben und wo diese Daten herkommen. Diese Angaben haben jedoch nur soweit zu erfolgen, als dies unter Wahrung der öffentlichen Interessen, insbesondere an der Geheimhaltung der Herkunft der Daten, möglich ist. Dabei ist möglichst genau anzugeben, was der Grund der Geheimhaltung ist. Aber auch durch eine solche Angabe darf das öffentliche Geheimhaltungsinteresse nicht verletzt werden.
All dies kann unter Umständen dazu führen, dass die FIU nicht genau angeben darf, welche Art von Daten sie bearbeitet und was der Inhalt dieser Daten ist. Aus der Sicht des Betroffenen mag dies unbefriedigend, aus der Sicht der öffentlichen Interessen jedoch notwendig sein. Dieses Manko soll, soweit wie möglich, im Rahmen der anstehenden Revision des FIUG entschärft werden (Art. 11a Regierunsvorlage gemäss Vernehmlassungsbericht vom 09. Dezember 2014, BNR 2014/1646, in Analogie zu Art. 34g ff. PolG).
6.
Die Beschwerdeführer bringen vor (Rz 1 bis 5 der Beschwerde), der in Art. 10 Abs. 2 FIUG normierte Quellen- und Adressatenschutz könne dem generellen Recht auf Auskunft nicht entgegengestellt werden. Hinzu komme, dass im konkreten Fall den Beschwerdeführern aufgrund der Akteneinsicht beim Landgericht die Quellen ja bereits bekannt seien und die FIU diese in ihrer Stellungnahme vom 23. Januar 2015 selbst umschrieben habe. Wenn die FIU schon die "relevanten" Unterlagen an das Landgericht übermittelt habe, könne es keinen Grund geben, den Beschwerdeführern die Akteneinsicht in "irrelevante" Unterlagen zu verwehren.
Diesem Vorbringen ist entgegen zu halten, dass aus Art. 10 Abs. 2 FIUG nicht abgeleitet werden kann, dass die FIU in jedem Fall den Inhalt der über die zu einer Person gespeicherten Daten bekannt geben muss. Vielmehr darf auch ein solcher Inhalt geheim gehalten werden, wenn dies eine entsprechende Interessenabwägung erfordert (Art. 10 Abs. 1 FIUG).
Wenn die FIU die Herkunft von bestimmten Daten in dem Sinne bekannt gibt, dass sie eine Umschreibung vornimmt, kann daraus nicht abgeleitet werden, dass sie die Herkunft auch namentlich bestätigen muss. Trotz einer Umschreibung kann es ein überwiegendes öffentliches Interesse daran geben, die genauere Bezeichnung und Benennung der Herkunft geheim zu halten.
Wenn die FIU Daten und ihre Herkunft zu Recht geheim hält, können diese Informationen in einem allfälligen gerichtlichen Verfahren, insbesondere in einem Strafverfahren, nicht verwendet werden. Nur in diesem Sinne kann man solche Informationen als "irrelevant" verstehen.
7.
Die Beschwerdeführer bringen vor (Rz 6 bis 11 der Beschwerde), es sei nicht ersichtlich, weshalb eine Auskunftsgewährung die Gefahr der Ausforschung der Arbeitsweise der FIU begründe oder die öffentliche Sicherheit oder die öffentlichen Interessen gefährde.
Diesem Vorbringen kommt insoweit Berechtigung zu, als die blosse Wiedergabe des Gesetzestextes durch die Behörde, hier die Regierung, nicht genügt. Vielmehr muss das Gesetz auf den konkreten Fall angewandt werden.
Im Übrigen kann auf die obigen Ausführungen verwiesen werden. Dies gilt auch für das weitere Vorbringen der Beschwerdeführer in Rz 12 bis 15 ihrer Beschwerde.

8.
Die Beschwerdeführer bringen vor (Rz 16 bis 19 der Beschwerde), sie müssten anhand der Originalakten überprüfen können, ob die FIU sämtliche Unterlagen an das Landgericht weitergeleitet habe. Das Gericht und die Staatsanwaltschaft müssten zu Ermittlungszwecken und zur Wahrheitsfindung über sämtliche Unterlagen verfügen, egal, ob diese aus dem In- oder Ausland stammten.
In dieser umfassenden Form ist dem Vorbringen nicht zuzustimmen. Wie bereits dargelegt, kommen der FIU verschiedene Aufgaben zu. Die Prüfung von Verdachtsmitteilungen gemäss SPG ist nur eine dieser Aufgaben. Diejenigen Daten, die die FIU im Rahmen der Prüfung einer Verdachtsmitteilung gemäss SPG bearbeitet, sind von der FIU - im Falle der Weiterleitung der Verdachtsmitteilung an die Staatsanwaltschaft - der Staatsanwaltschaft ebenfalls zu übermitteln, es sei denn, es läge eine Ausnahme gemäss FIUG vor. Darüberhinaus muss die FIU nicht automatisch jene Daten, die sie bei der Erfüllung anderer Aufgaben bearbeitet, an die Staatsanwaltschaft weiterleiten. Die Beschwerdeführer haben jedoch das Recht, durch Einsichtnahme in das Original der "SPG-Akten" der FIU zu prüfen, ob die FIU tatsächlich den gesamten Akteninhalt - sofern er nicht einer Geheimhaltung gemäss FIUG unterliegt - an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet hat. Weiters haben die Beschwerdeführer das Recht, in Bezug auf die "ISG-Akten" und "sonstigen Akten" der FIU Einsicht oder Auskunft im Umfang, wie bereits dargelegt, zu erhalten. 
9.
Die Beschwerdeführer begehren Einsicht in die "SPG-Akten", die die Beschwerdeführer betreffen und von der FIU geführt werden. Den Beschwerden kommt insoweit Berechtigung zu, als grundsätzlich eine solche Einsicht zu gewähren ist und die FIU diesbezüglich die Beschwerdeführer nicht auf die Akten der Staatsanwaltschaft oder des Landgerichts verweisen kann. Allerdings kann die FIU die Einsicht gestützt auf Art. 10 und 11 FIUG einschränken. Hierüber hat nicht der Verwaltungsgerichtshof, sondern die FIU erstinstanzlich zu entscheiden.
10.
Die Beschwerdeführer begehren Auskunft darüber, ob die FIU "sonstige Akten" betreffend die Beschwerdeführer führt, also ob die FIU ausserhalb ihrer "ISG-Akten" und "SPG-Akten" Personendaten betreffend die Beschwerdeführer bearbeitet. Der Verwaltungsgerichtshof hat keine Kenntnis darüber, ob die FIU solche anderen Daten bearbeitet, sodass er der FIU auch nicht den Auftrag erteilen kann, solche Daten gegenüber den Beschwerdeführern offenzulegen. Darüberhinaus hat nicht der Verwaltungsgerichtshof, sondern die FIU erstinstanzlich darüber zu entscheiden, ob die Auskunft gemäss Art. 10 und 11 FIUG einzuschränken ist, wenn es denn solche Daten gibt. Die FIU hat also den Beschwerdeführern darüber Auskunft zu geben, ob sie ausserhalb ihrer "ISG-Akten" und "SPG-Akten" andere personenbezogene Daten betreffend die Beschwerdeführer bearbeitet. Wenn sie solche Daten bearbeitet, hat sie im Sinne von Art. 11 Abs. 1, 2 und 5 DSG Auskunft zu erteilen, es sei denn, sie müsste gemäss Art. 10 und 11 FIUG die Auskunft einschränken. Der Grund für diese Einschränkung ist möglichst genau anzugeben (Art. 12 Abs. 4 DSG).
11.
Der bisherige Verlauf der beiden urteilsgegenständlichen Verfahren stellt faktisch eine Rechtsverzögerung durch die FIU dar, weshalb die FIU anzuweisen ist, die beantragte Akteneinsicht zu gewähren, die notwendigen Erklärungen (insbesondere Vollständigkeitserklärungen) abzugeben, die beantragte Auskunft zu erteilen und über die Einschränkung der Akteneinsicht und Auskunft eine rechtsmittelfähige Entscheidung zu erlassen.
12.
Da die Beschwerdeführer mit wesentlichen Anliegen ihrer Beschwerden durchgedrungen sind, verbleiben die Verfahrenskosten beim Land.