StGH 2014/039
StGH 2014/39
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01.07.2014
StGH
Urteil
Sprüche: - nicht vergeben -
Leitsatz 1
Art. 16, Art. 37 LV
Art. 9 EMRK
Art. 8 SchulG
Art. 21 Abs. 1, Art. 21 Abs. 7 SchulOV
An der Durchsetzung des obligatorischen Sexualkundeunterrichts wie auch an der Sozial- und Integrationsfunktion der Schule besteht ein gewichtiges öffentliches Interesse. Der obligatorische Sexualkundeunterricht trägt dazu bei, dass sich Kinder und Jugendliche körperlich und psychisch vor bestimmten Krankheiten oder Ausbeutung schützen können. Weiter wird damit die Sozialisierungs- und Integrationsfunktion der Schule gefördert. Angesichts des öffentlichen Interesses an der Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht kommt dem unter den staatlichen Bildungsauftrag fallenden obligatorischen Sexualkundeunterricht grundsätzlich der Vorrang vor der Einhaltung religiöser Vorschriften zu. Eine Abweichung von diesem Grundsatz ist nicht gerechtfertigt. Im Unterschied zum Schwimmunterricht, der eine Form der sportlichen Erziehung und Betätigung betrifft, erfasst die Sexualkunde breite Bereiche des menschlichen Lebens und damit der Persönlichkeitsentwicklung. Ein Dispens vom Sexualkundeunterricht würde im Gegensatz zur Dispens vom Schwimmunterricht auch zu schulorganisatorischen Unzulänglichkeiten führen. Beim Sexualkundeunterricht ist ungeachtet eines allfälligen Loyalitätskonfliktes das öffentliche Interesse am staatlichen Bildungsauftrag schwerer zu gewichten als das elterliche Recht auf religiöse Erziehung ihrer Kinder, das aus der Religionsfreiheit der Eltern fliesst. Der Glaubens- und Gewissensfreiheit kann man dadurch gerecht werden, dass im schulischen Sexualkundeunterricht gewisse Vorgaben und Grenzen beachtet werden.
Beschwerdeführer:
1. A
2. B
3. mj. C
alle:

...

alle vertreten durch:

Lampert & Schächle Rechtsanwälte AG
9490 Vaduz
Belangte Behörde:Verwaltungsgerichtshof des Fürstentums Liechtenstein, Vaduz
gegen:Urteil des Verwaltungsgerichtshofes vom 21. Februar 2013 (richtig: 2014), VGH2013/105
wegen:Verletzung verfassungsmässig und durch die EMRK gewährleisteter Rechte (Streitwert: CHF 50'000.00)
1.Der Individualbeschwerde wird keine Folge gegeben. Die Beschwerdeführer sind durch das angefochtene Urteil des Verwaltungsgerichtshofes des Fürstentums Liechtenstein vom 21. Februar 2013 (richtig: 2014), VGH 2013/105, in ihren verfassungsmässig und durch die EMRK gewährleisteten Rechten nicht verletzt.
2.Die Beschwerdeführer sind zur ungeteilten Hand schuldig, die Gerichtskosten im Gesamtbetrag von CHF 1'020.00 binnen vier Wochen bei sonstiger Exekution an die Landeskasse zu bezahlen.
Sachverhalt
1.
Am 30. April 2013 stellten die Beschwerdeführer beim Schulamt den Antrag auf Dispensierung der Beschwerdeführerin zu 3. vom Sexualkundeunterricht. Die Beschwerdeführerin zu 3., geboren am XX. November 2001, befand sich zu diesem Zeitpunkt in der 5. Klasse (5. Schulstufe). Zwischenzeitlich befindet sich die Beschwerdeführerin zu 3. in der 1. Klasse der Oberschule X (6. Schulstufe). Die Beschwerdeführer zu 1. und 2. sind die Eltern der Beschwerdeführerin zu 3.
Die Beschwerdeführer brachten vor, dass die Ankündigung der Primarschule X, die Beschwerdeführerin zu 3. habe nun den Sexualkundeunterricht zu besuchen, Anlass für das neuerliche Einschreiten der Beschwerdeführer sei. Die Vorgehensweise der Schule widerspreche der bisherigen langjährigen Praxis und der Vereinbarung gemäss Besprechung vom 25. September 2009. Die Beschwerdeführer hätten aufgrund ihrer religiösen Ausrichtung strikte Gebote einzuhalten, welchen insbesondere ein ausgeprägter und strikter Begriff der Sittlichkeit zu Grunde liege. Unnötige Entblössungen des Körpers seien verboten. Eine klare Abgrenzung gegenüber anderen Religionsgemeinschaften sei geboten. Die Teilnahme an jeder Form von Sexualkundeunterricht sei verboten. Bei einem Verstoss gegen dieses Gebot drohe die Exkommunikation. Auswirkungen auf den Schulalltag hätten die den Beschwerdeführern aufgrund ihrer religiösen Ausrichtung auferlegten Gebote insbesondere dahingehend, dass der Sexualkundeunterricht primär im Elternhaus erfolge und die Kinder während des Sexualkundeunterrichts den Unterricht in einer anderen Klasse besuchten. Andere Auswirkungen auf den Schulalltag habe das Gebot nicht. Andererseits drohe den Beschwerdeführern bei Verstoss gegen dieses Verbot die Exkommunikation und sei die Beschwerdeführerin zu 3. auch diesbezüglich einer extremen psychischen Belastung und einem glaubensrechtlichen Dilemma ausgesetzt, welche eine akute Gefahr für die psychische Gesundheit der Beschwerdeführerin zu 3. darstellten.
2.
Am 23. Mai 2013 entschied das Schulamt wie folgt:
"1.
Der Antrag der Beschwerdeführer vom 30. April 2013, C sei einstweilen vom Sexualkundeunterricht zu befreien, wird gutgeheissen. Bis zum Eintritt der Rechtskraft dieser Entscheidung wird C vom Sexualkundeunterricht befreit.
2.
Der Antrag auf definitive Befreiung von C vom Sexualkundeunterricht wird abgewiesen. C ist, vorbehaltlich Ziff. 1., verpflichtet, am Sexualkundeunterricht gemäss Lehrplan teilzunehmen.
3.
Es wird keine Entscheidungsgebühr erhoben."
3.
Gegen diese Entscheidung des Schulamtes erhoben die Beschwerdeführer am 7. Juni 2013 Beschwerde an die Regierung, welche mit Entscheidung vom 27./29. August 2013 (LNR 2013-754 BNR 2013/1352 REG 4225) die Beschwerde abwies.
4.
Die gegen diese Entscheidung der Regierung von den Beschwerdeführern am 13. September 2013 an den Verwaltungsgerichtshof erhobene Beschwerde, wies der Verwaltungsgerichtshof mit Urteil vom 21. Februar 2013 (richtig: 2014), VGH 2013/105, kostenpflichtig ab. Sein Urteil begründete der Verwaltungsgerichtshof im Wesentlichen wie folgt:
4.1
Gemäss dem derzeit in Liechtenstein gültigen Lehrplan (Lehrplan für das Fürstentum Liechtenstein, herausgegeben vom Schulamt, Amtlicher Lehrmittelverlag des Fürstentums Liechtenstein, Vaduz, 2. Auflage, 2005) gebe es nicht ausdrücklich einen "Sexualkundeunterricht". Über den Menschen und seinen Körper werde im Wesentlichen im Fachbereich "Mensch und Umwelt" gelehrt. Dem Lehrplan seien die Leitideen vorangestellt. Sie umschrieben die Aufgaben und Ziele der Schule. Nach diesen Leitideen sei die Schule für die Kinder und Jugendlichen ein wesentlicher Lebensbereich und ein wichtiges soziales Erfahrungsfeld. Die Schule stehe allen Kindern und Jugendlichen ohne Unterschied der Herkunft, der Religion und des Geschlechts offen und fördere deren Zusammenleben. Sie achte auf die Gleichstellung von Mädchen und Knaben. Die Schule vermittle eine grundlegende Allgemeinbildung und fördere die Bereitschaft zu lebensbegleitendem Lernen. Sie habe sowohl die Aufgabe, die Heranwachsenden in ihren individuellen Eigenheiten zu stärken, als auch ihnen zu helfen, fähige Mitglieder der Gesellschaft zu werden. Diese Aufgabe teile sich die Schule mit der Familie und mit anderen Institutionen. Die Hauptverantwortung für die Erziehung der Kinder liege bei den Eltern. Der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule bedinge eine enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus. Die Lehrer bemühten sich um eine sachliche und offene Haltung in politischen, religiösen und weltanschaulichen Belangen. Die Schüler lernten am Modell der Schulgemeinschaft die Bedingungen eines gedeihlichen Zusammenlebens. Die Schule gehe von christlich-humanistischen Wertvorstellungen aus. Sie helfe den Heranwachsenden beim Aufbau eines persönlichen Wertesystems und ermögliche ihnen die Wahrung ihrer kulturellen Identität. Gleichzeitig befähige sie die Kinder und Jugendlichen, die menschliche Gesellschaft in ihrer Vielfältigkeit wahrzunehmen, sich als Teil dieser Gesellschaft zu verstehen und entsprechend zu handeln. Als Ort sozialen Lernens schaffe die Schule eine Atmosphäre des Wohlwollens, in der die Kinder und Jugendlichen in ihren Überlegungen, Gefühlen und Handlungsweisen ernst genommen würden. Kinder und Jugendliche lernten, Informationen zu beschaffen und zu verarbeiten. Indem sie Zustände und Ereignisse von verschiedenen Standpunkten aus betrachteten, übten sie das Bewerten und Beurteilen.
Der Fachbereich "Mensch und Umwelt" teile sich in mehrere Teilbereiche, nämlich, soweit es vorliegendenfalls relevant sei, in "Lebenskunde" und "Realien". Die hier relevanten Richtziele seien Folgende: Die Schülerinnen und Schüler würden ihre körperlichen und geistigen Veränderungen positiv erfahren und ihre eigene Identität entwickeln. Sie würden den Körper als eine Grundlage des Daseins erkennen und respektierten die körperliche Integrität von sich selbst und von den anderen. Die Schülerinnen und Schüler lernten den menschlichen Körper kennen und verantwortungsbewusst mit ihm umzugehen.
Der Lehrplan enthalte zum Teilbereich "Lebenskunde" den Hinweis betreffend Sexualerziehung, dass bei der Bearbeitung der Ziele des Lernbereichs Körperlichkeit die Eltern über den geplanten Unterricht informiert werden müssten und dass sich der Einbezug von Fachpersonen anbiete.
In den ersten drei Schulstufen setzten sich die Schüler mit dem Werden des menschlichen Lebens auseinander, entdeckten die biologischen, geografischen und kulturellen Wurzeln der eigenen Herkunft und festigten damit die eigene Identität (Lehrinhalt: Schwangerschaft, Geburt, Säugling, Kleinkind, Schulkind, Verwandtschaft, Stammbaum). Sie würden Geschlechtlichkeit erkennen und bejahen (Lehrinhalt: Unterschiede von Mädchen und Knaben, Mann und Frau, der menschliche Körper). Sie gewännen einen Einblick in das Wachsen und Entwickeln im Mutterleib (Lehrinhalt: Schwangerschaft, Geburt). Sie würden Freundschaft und Liebe als Teil der eigenen Persönlichkeit erkennen und könnten darüber sprechen (Lehrinhalt: Zuneigung, Liebe, Verliebtheit, Schamgefühle, Liebeskummer, Tabus, Bedürfnisse). Sie respektierten die Integrität des eigenen Körpers und die der anderen, würden Situationen von sexuellen Übergriffen erkennen und könnten dies mitteilen (Lehrinhalt: Nein-sagen-Können, gute und schlechte Geheimnisse). Sie würden den Aufbau des menschlichen Körpers, die wichtigsten Organe und deren Aufgaben kennen (Lehrinhalt: Stütz- und Bewegungsapparat, Verdauungsorgane, Geschlechtsorgane). Sie übernähmen durch gesundheitsbewusstes Verhalten Verantwortung für den eigenen Körper (Lehrinhalt: Alkohol, Nikotin, Drogen, Ernährung, Körperpflege). Sie entwickelten Verständnis für den eigenen Körper und für den Körper anderer (Lehrinhalt: körperliche und seelische Zusammenhänge, Pubertät, Wachstum, Geschlechtsreife, Menstruation, Schwangerschaft, Geburt).
In der 6. und 7. Schulstufe stärkten die Schüler in gemeinsamen Aktivitäten das Verantwortungsgefühl für sich und andere (Lehrinhalt: Freundschaft, Sexualität, Suchtmittel, partnerschaftlicher Umgang). Sie würden die entwicklungsbedingten körperlichen und psychischen Veränderungen bei Knaben und Mädchen wahrnehmen und darüber sprechen (Lehrinhalt: Wachstum, Geschlechtsreife, Pubertät, Werte, Normen, Selbstwertgefühl). Sie würden Freundschaft, Liebe und Sexualität als Teil der eigenen Persönlichkeit erkennen, dabei über körperliche und psychische Veränderungen nachdenken und darüber sprechen (Lehrinhalt: Gefühle, Liebe, Verliebtheit, Zärtlichkeit, Liebeskummer, Schamgefühle, Eifersucht, Neid, Angst, Bedürfnisse, Schülerfreundschaften, Tabus). Sie würden die eigene Entwicklung als Übergang vom Kind zum Erwachsenen als Reifeprozess erkennen und dabei Verantwortung für das eigene und das Leben anderer übernehmen (Lehrinhalt: menschliches Verhalten, Pubertät, Entwicklung, Bau und Funktion der Geschlechtsorgane, Schwangerschaft, Geburt, Empfängnisverhütung, Geschlechtskrankheiten, Alkohol, Nikotin, Drogen).
In der 8. und 9. Schulstufe würden die Schüler den Körper als Grundlage des Lebens begreifen, ihn als schützenswert erachten und Risikoverhalten vermeiden (Lehrinhalt: gesunde Lebensweise, illegale und legale Drogen, geschützter Geschlechtsverkehr). Sie würden mit gestärktem Selbstbewusstsein die Verantwortung für sich und andere übernehmen (das erste Mal, Liebe, ungeschützter Geschlechtsverkehr, Aidsvorbeugung). Sie vertieften gesundheitsfördernde Verhaltensweisen und Einstellungen (Lehrinhalt: Infektionskrankheiten, Aids). Sie setzten sich mit den Möglichkeiten und persönlichen Grenzen im Umgang mit dem Körper auseinander (Lehrinhalt: Hormonsteuerung, Verhütungsmittel, Abtreibung, künstliche Befruchtung).
4.2
Die Beschwerdeführer seien Mitglieder der Christlich Palmarianischen Kirche der Karmeliter vom Heiligen Antlitz. Ihnen sei es verboten, am Religionsunterricht der von ihnen besuchten Schulen teilzunehmen und Orientierungen über die verschiedenen Religionen in anderen Unterrichtsstunden zu erhalten. Es sei ihnen auch nicht erlaubt, beim Singen von religiösen Liedern der verschiedenen Religionen teilzunehmen oder anwesend zu sein. Ausserdem sei ihnen die Teilnahme an jeder Form von Sexualkundeunterricht verboten. Es sei ihnen auch strengstens verboten, am Schwimmunterricht teilzunehmen oder anwesend zu sein. Es sei ihnen weiters strengstens verboten, öffentliche oder private Schwimmbäder, Strände oder ähnliche Orte aufzusuchen und zu betreten (Verweis auf Erklärung und Bestätigung des Generalsekretärs der Kirche vom 7. November 2013).
Aufgrund ihres religiösen Glaubens seien die Beschwerdeführer von Folgendem überzeugt: Sie hätten in ihrer Religion strenge sittliche und moralische Grundlagen, die ihnen das Schwimmen verbieten würden. Sie dürften sich nicht so kleiden, dass sie schwimmen gehen könnten. Sie dürften auch keine anderen Personen beim Schwimmen sehen. Dies gelte selbst dann, wenn sich nur zwei Glaubensangehörige in einem, wenn auch privaten, Schwimmbad befänden. Es gelte auch, wenn beim Schwimmen lange Schwimmkleidung getragen würde. Eltern dürften ihren Kindern das Schwimmen nicht beibringen, ebenso wenig andere Mitglieder der Glaubensgemeinschaft, auch nicht der Missionsbischof. Es sei den Beschwerdeführern nicht erlaubt, dass sie andere Personen in Badekleidern sehen würden oder selbst in Badekleidern gesehen würden. Gemäss dem 6. Gebot Gottes dürfe man sich nicht unbekleidet oder halb unbekleidet zeigen. Würde die Beschwerdeführerin zu 3. am schulischen Schwimmunterricht teilnehmen oder würden die Beschwerdeführer zu 1. und 2. ihre Kinder in den Schwimmunterricht schicken, würden sie exkommuniziert. Sobald die Beschwerdeführer ein Schwimmbad beträten, würden sie exkommuniziert. Die Beschwerdeführer zu 1. und 2. könnten ihren Kindern somit das Schwimmen nicht lehren, selbst wenn die Kinder noch sehr jung seien. Die Beschwerdeführer zu 1. und 2. sähen keine Möglichkeit, ihren Kindern in irgendeiner Form das Schwimmen zu lehren.
Im schulischen Unterricht müssten die Mädchen, die der Glaubensgemeinschaft der Beschwerdeführer angehörten, Röcke tragen. Sie dürften keine Sportübungen machen, bei denen die Röcke die Beine nicht mehr bedeckten. Im Übrigen gebe es keine Probleme im Sportunterricht. Die Kinder dürften in der Schule etwas über andere Religionen lernen, solange dies nicht zu tief in die jeweilige Religion hineingehe. Die Kinder wüssten dann selbst, wie weit sie bei einem solchen Unterricht gehen könnten. Sie würden selbst entscheiden, wann sie nicht mehr zuhören wollten. Es könne sein, dass sich ein Kind entscheide, einen Film über Martin Luther nicht anzuschauen. Die Kinder dürften im Biologieunterricht lernen, wie sich Tiere und Pflanzen fortpflanzen. Die Beschwerdeführer zu 1. und 2. wollten jedoch ihren Kindern selbst beibringen, wie sich Menschen fortpflanzen. Die Kinder dürften auch die Evolutionstheorie in der Schule kennenlernen. Sie dürften erste Hilfe lernen und praktizieren. Etwas über Religionsgeschichte zu lernen, sei für die Beschwerdeführer kein Problem, solange es nicht zu tief in die jeweilige Religion hineingehe. Ein Film über Martin Luther könnte schon zu tief in die Religion nach Luther hineingehen. Die Kinder könnten in der Schule etwas über den Götterglauben der Griechen, der Römer, der Alemannen, der Kelten und Räter lernen, ebenso über die Hexenverfolgung. Wenn im Schulunterricht Literatur gelesen werde, könne dies Probleme geben, z. B. wenn die Literatur sexistische Aussagen enthalte. Die Kinder dürften Sagen und Märchen lesen, auch wenn die Sagen von Teufeln, Göttern und Geistern handelten. Die Kinder dürften in der Schule keine Lieder, die zu sehr mit Religion zu tun hätten, singen. Es sei allerdings für die Beschwerdeführer schwierig zu definieren, wo die Grenze zwischen erlaubten und nicht erlaubten Liedern zu ziehen sei. Die Kinder dürften auch etwas über andere, auch heidnische Kulturen lernen. Wenn sie jedoch eine andere Kultur selbst lernen müssten, werde dies für die Beschwerdeführer zum Problem. Die Kinder dürften philosophische Werke lesen und politische Systeme kennenlernen. Ob sie im Rahmen des Ethikunterrichts auch etwas über Euthanasie lernen dürften, könnten die Beschwerdeführer zu 1. und 2. derzeit nicht sagen. In der Verwendung des Internets gebe es für die Beschwerdeführer Grenzen: Das Internet dürfe in der Schule für den schulischen Unterricht verwendet werden. Die Kinder dürften mit auf Schulausflüge, doch dürften sie dort nicht alles machen. Zum Beispiel dürften sie nicht an einen See gehen, in welchem (andere) Kinder badeten. Religiöse Stätten, wie Kirchen und Klöster, dürften sie nicht betreten. Sie dürften aber ein naturhistorisches Museum besuchen. Die Kinder der Beschwerdeführer zu 1. und 2. würden nicht auswärts übernachten, auch nicht im Rahmen eines Schullagers. Die Kinder dürften in der Schule Theater spielen und sich entsprechend verkleiden, doch sollten (oder dürften) sie keine Hexe und nicht den Teufel spielen. Die Beschwerdeführer zu 1. und 2. wollten, bevor sich ihre Kinder in der Schule verkleideten, wissen, um was es im Theater, bei welchem die Kinder mitspielten, gehe und als was sich die Kinder verkleiden sollten. Die Kinder dürften in der Schule mit den anderen Schulkindern kein Gebet sprechen und nicht an Feiern, die einen religiösen Hintergrund hätten, wie eine Advents-, Weihnachts-, St. Martins-, Laternen- oder Nikolausfeier, teilnehmen. Sie dürfen mit der Schule nicht am "Funkensonntag" oder am Fasching (Fasnacht) teilnehmen oder einer Guggenmusik zuhören. Die Kinder dürften nicht an Halloween oder an einem Erntedankfest teilnehmen, wohl aber an Geburtstagsfeiern. Die Beschwerdeführer zu 1. und 2. wollten ihre Kinder selbst über die Entwicklung von Kindern zu Erwachsenen, so über Pubertät, Menstruation und Geschlechtsreife, aufklären. Am schulischen Unterricht über solche Themen sollten die Kinder nicht teilnehmen. Demgegenüber sei es kein Problem, wenn die Kinder in der Schule über Alkohol und Drogen aufgeklärt würden, ebenso wenig über die menschliche Anatomie. Die Beschwerdeführer wollten nicht, dass in der Schule über Schwangerschaft, Geburt und Tod geredet werde; dies solle zu Hause in der Familie erfolgen. In der Schule sollten die Kinder nicht über Empfängnisverhütung aufgeklärt werden. Soweit es den Beschwerdeführern zu 1. und 2. nicht möglich sei, ihre Kinder gänzlich über Empfängnisverhütung aufzuklären, habe dies ein Arzt zu tun. Ähnliches gelte hinsichtlich von Geschlechtskrankheiten, künstliche Befruchtung und Abtreibung. Soweit eine Aufklärung der Kinder in der Schule nicht erfolgen solle, könne sie durch einen Kinderarzt vorgenommen werden. Wenn die Beschwerdeführer ein Gebot oder Verbot ihrer Religion freiwillig brächen, drohe ihnen die Exkommunikation. Die Kinder der Beschwerdeführer zu 1. und 2. würden sich im schulischen Sportunterricht separat von den andern Schülern umziehen. Es sei für die Beschwerdeführer kein Problem, wenn die andern Schüler in der Schule leicht bekleidet seien, so im Sommer oder im Sportunterricht ("sofern sich dies in einem normalen Rahmen bewegt"). Die Beschwerdeführer zu 1. und 2. versuchten, mit den Lehrern ihrer Kinder im Vorhinein darüber zu sprechen, was die Kinder in der Schule tun dürften und was sie nicht tun dürften. Die Beschwerdeführer zu 1. und 2. würden entscheiden, welcher Schulstoff für ihre Kinder zulässig sei und welcher nicht. Wenn die Beschwerdeführer zu 1. und 2. diesbezüglich unsicher seien, würden sie bei ihrem Missionsbischof nachfragen. Die Beschwerdeführer zu 1. und 2. akzeptierten nicht, dass sie ihre Kinder in den Schwimmunterricht oder den Sexualkundeunterricht schicken müssten. Würden sie hierzu gezwungen, würde die Beschwerdeführerin zu 2. mit ihren schulpflichtigen Kindern in ein Land ziehen, in welchem sie dies nicht tun müsste.
Diese Sachverhaltsfeststellungen ergäben sich aus den Parteiaussagen der Beschwerdeführer zu 1. und 2. und den schriftlichen Präzisierungen der Beschwerdeführer vom 31. Januar 2014.
4.3
Die Beschwerdeführer brächten vor, das Schulamt habe eine 30-jährige Praxis nunmehr plötzlich geändert und insbesondere die Vereinbarung vom 25. September 2009, wonach die Beschwerdeführer zu 1. und 2. ihre Kinder selbst in der Sexualkunde unterrichten dürfen, widerrufen.
Soweit tatsächlich eine Praxisänderung erfolgt sei, stütze sich das Schulamt, wie die Unterinstanzen ausführten, zu Recht auf die neue, mit LGBl. 2010 Nr. 281 eingeführte Bestimmung von Art. 21 Abs. 7 Schulorganisationsverordnung. Danach seien Dispensationen zum Zweck der Befreiung von lehrplanmässigen Lernzielen unzulässig. Somit habe das Schulamt nicht gegen den Grundsatz von Treu und Glauben verstossen.
Die Beschwerdeführer brächten vor, eine erzwungene Teilnahme am Sexualkundeunterricht stelle einen schweren Eingriff in die Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit dar und bedürfe deshalb einer gesetzlichen Grundlage in einem formellen Gesetz (LES 2001, 69; LES 2006/65).
Dem sei unter Verweis auf StGH 2012/130 Erw. 3.2.2. entgegen zu halten, dass der Lehrplan für das Fürstentum Liechtenstein eine genügende gesetzliche Grundlage für das Obligatorium, den Schulunterricht und damit auch den Sexualkundeunterricht zu besuchen, darstelle. Dieser Lehrplan stütze sich auf Art. 8 des Schulgesetzes. Die allgemeine Schulpflicht habe im Übrigen ihre gesetzliche Grundlage in Art. 16 LV.
Die Beschwerdeführer brächten vor, dass die Nichtgewährung der beantragten Dispensation der Beschwerdeführerin zu 3. vom Sexualkundeunterricht unverhältnismässig sei. Das Erziehungsrecht der Beschwerdeführer zu 1. und 2., das Recht auf freie Religionsausübung und die Glaubens-, Gewissens- und Kultusfreiheit der Beschwerdeführer müsse dem Bildungs- und Erziehungsauftrag des Staates vorgehen. Die im vorliegenden Fall auftretenden Spannungen müssten bei einer richtigen Güterabwägung zu Gunsten der Beschwerdeführer gelöst werden, zumal die Beschwerdeführer zu 1. und 2. zusammen mit dem Kinderarzt Dr. med. D der Beschwerdeführerin zu 3. einen mindestens gleichwertigen aber religionskonformen Sexualkundeunterricht erteilen könnten. Der von den Unterinstanzen angesprochene integrative und soziale Rahmen der Wissensvermittlung werde durch die Dispensation vom Sexualkundeunterricht nicht beeinträchtigt, nur weil die Beschwerdeführerin zu 3. am Sexualkundeunterricht in der Schule nicht teilnehme. Es sei unverhältnismässig und unzumutbar, die Beschwerdeführerin zu 3. aufgrund des Sexualkundeunterrichts einem solchen psychischen Zwang und Dilemma auszusetzen, dass sie in ihrer geistigen und seelischen Gesundheit beeinträchtigt und verletzt werde. Das Kindeswohl (StGH 2012/130) verlange eine Dispensation. Andernfalls drohe den Beschwerdeführern die Exkommunikation. Wenn der Staatsgerichtshof in StGH 2012/130 für den Schwimmunterricht eine Grundrechtsverletzung bzw. Unverhältnismässigkeit bejahe, müsse dies umso mehr für den Sexualkundeunterricht gelten, welcher einen weitaus gravierenderen Eingriff in die Religionsfreiheit als der zwingende Schwimmunterricht darstelle.
Dieses Vorbringen sei insoweit richtig, als eine Güterabwägung und Verhältnismässigkeitsprüfung vorzunehmen sei.
Hinsichtlich der Dispensation der Beschwerdeführerin zu 3. und weiterer Kinder der Beschwerdeführer zu 1. und 2. vom Schwimmunterricht habe der Staatsgerichtshof zu StGH 2012/130 entschieden, dass eine solche Dispensation erfolgen müsse.
Der Verwaltungsgerichtshof verstehe dieses Urteil dahingehend, dass der Staatsgerichtshof zwar nicht in Abweichung zu BGE 135 I 79, wohl aber in Differenzierung dazu und aufgrund des konkreten Sachverhalts die aufgezwungene psychische Belastung und das seelische Dilemma der Kinder im Falle des Zwangs zur Teilnahme am Schwimmunterricht besonders gewichtet habe. Der Staatsgerichtshof habe auch betont, dass im Fall der Beschwerdeführer bei einer Dispensation vom Schwimmunterricht keine ernsthafte Beeinträchtigung des ordentlichen und effizienten Schulbetriebes zu befürchten sei. Er habe auch angedeutet, dass der Schwimmunterricht nicht ein so grosses Gewicht wie anderer Schulunterricht habe.
Wie sich in weiteren Verfahren betreffend die Dispensation vom Schwimmunterricht, insbesondere durch die Einvernahme der Beschwerdeführer zu 1. und 2. herausgestellt habe (VGH 2013/134), sei es nach der Überzeugung der Beschwerdeführer völlig unmöglich, dass die Beschwerdeführer im Einklang mit ihrem Glauben das Schwimmen erlernen könnten. Ebenso wenig möglich sei es, dass sich die schulpflichtigen Kinder der Beschwerdeführer zu 1. und 2. prüfen liessen, ob sie schwimmen könnten. Es sei den Beschwerdeführern von ihrem Glauben her nicht erlaubt, ins Wasser zu steigen, um sich das Schwimmen beibringen und prüfen zu lassen. Wenn sie dies dennoch täten, drohe ihnen fast zwangsläufig die Exkommunikation. Unter diesen Umständen und im Lichte der Rechtsmeinung des Staatsgerichtshofes in StGH 2012/130 sei es, wie der Verwaltungsgerichtshof mit Urteil vom heutigen Tage zu VGH 2013/134 erkannt habe, nicht zuzumuten, dass sie eine Schwimmprüfung ablegen müssten, wie dies das Schulamt im zweiten Rechtsgang verlangt habe. Angesichts der Absolutheit des Glaubens der Beschwerdeführer, dass sie sich vor niemandem anderen als sich selbst im Wasser zeigen dürften, sei, wie der Verwaltungsgerichtshof ebenfalls erkannt habe, heute nicht davon auszugehen, dass sich an dieser Situation in absehbarer Zeit etwas ändern werde. Deshalb sei es unverhältnismässig, von den Beschwerdeführern zu verlangen, wie es das Schulamt im zweiten Rechtsgang getan habe, dass sie in jedem Schuljahr ein neues Dispensationsgesuch stellten.
Rechtsvergleichend sei, soweit ersichtlich, in der höchstgerichtlichen Rechtsprechung in den deutschsprachigen Staaten noch nie die Dispensation vom Sexualkundeunterricht bewilligt worden.
Das Schweizerische Bundesgericht habe mit Urteil vom 29. Februar 2012 (2C_105/2012, 2C_106/2012, 2C_207/2012) eine Beschwerde abgewiesen, die das Ziel gehabt habe, Kinder einstweilig vom Sexualunterricht im Kindergarten und der Primarschule zu dispensieren. Im Hauptverfahren sei der Dispensationsantrag von den zuständigen Behörden im Kanton Basel-Stadt ebenfalls abgewiesen worden (vgl. NZZ vom 6. Juli 2012). Dasselbe gelte für Yoga- und Singunterricht (BGer 2C_897/2012; ZBJV 2013, 796; ZBl. 2012, 675 mit Anm. Andreas Kley; vgl. auch BGE 138 I 331 E. 8.3.2.2: obligatorischer Sexualkundeunterricht ist nicht als Eingriff in das Familienleben zu qualifizieren).
Das Deutsche Bundesverwaltungsgericht habe mit Beschluss vom 8. Mai 2008 (BVerwG 6 B 64.07; mit Berufung auf die bisherige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts BVerfGE 47, 46, 77 f.) erkannt, dass die den Schulen auf dem Gebiet der Sexualerziehung auferlegten Gebote der Zurückhaltung und Toleranz regelmässig sicherstellten, dass unzumutbare Glaubens- und Gewissenskonflikte bei Eltern und Schülern nicht entständen. Somit seien Schüler vom Sexualkundeunterricht nicht freizustellen (zuletzt allgemein zur Freistellung vom Schulunterricht: BVerwG 6 C 25.12 vom 11. September 2013).
Grundsätzlich gleich habe der österreichische Verfassungsgerichtshof, so konkret zu Kreuzen im Kindergarten geurteilt (G287/09 vom 9. März 2011).
Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte habe erkannt, dass der verpflichtende Besuch von Sexualkundeunterricht weder die Gedanken- Gewissens- und Religionsfreiheit noch das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens (Art. 9 und 8 EMRK) verletze (EGMR 319/08 u. a. Dojan und andere gegen Deutschland vom 13. September 2011).
Die neueste Literatur sei gegenüber einer Befreiung von ganzen Unterrichtsfächern kritisch-zurückhaltend (B. Ehrenzeller, Das Elternrecht auf religiöse Erziehung der Kinder im Spannungsfeld von staatlichem Bildungsauftrag und Kindeswohl am Beispiel des Sexualkundeunterrichts, in: Festschrift Herbert Wille, Schaan 2014, 201; Andreas Kley, Anm. zu StGH 2012/130, in: ZBl. 2013, 448).
Vorliegendenfalls sei der Verwaltungsgerichtshof durchaus der Ansicht, dass die Beschwerdeführer zu 1. und 2. als Eltern der Beschwerdeführerin zu 3. in Zusammenarbeit mit dem Kinderarzt Dr. D der Beschwerdeführerin zu 3. beibringen könnten, welches die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane seien, was ihre Funktion sei, wie Kinder gezeugt würden, was eine Schwangerschaft und Geburt sei, wie sich der männliche und weibliche Körper auch in geschlechtlicher Hinsicht bis zur Geschlechtsreife entwickeln würde (Pubertät) und welche Veränderungen sich damit im Körper einstellen würden (z. B. Menstruation). Schwieriger würde es schon sein, zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin zu 3. tatsächlich auf dem Niveau des Sexualkundeunterrichts der Schule unterrichtet und damit "aufgeklärt" werde. Wesentlich sei jedoch für den Verwaltungsgerichtshof, dass ein Unterricht durch die Beschwerdeführer zu 1. und 2. und Dr. D immer unvollständig bleiben müsse. Gewisse Lernziele könnten nur in einer sozialen Gemeinschaft von Gleichaltrigen, so in einer Schulklasse, vermittelt und erreicht werden. So könne der in der 6. und 7. Schulstufe gültige Lehrinhalt Freundschaft, Sexualität, Suchtmittel und partnerschaftlicher Umgang umfassend nur in gemeinsamen Aktivitäten so vermittelt werden, dass die Schüler Verantwortungsgefühl sowohl für sich als auch für andere entwickeln würden. Wenn Schüler über Geschlechtsreife und Pubertät, was ebenfalls zum Lehrinhalt der 6. und 7. Schulstufe gehöre, sprechen sollten, so müsse dies, damit die Schüler die entwicklungsbedingten körperlichen und psychischen Veränderungen sowohl bei sich als auch bei anderen Mädchen und Knaben erfahren würden, mit Gleichaltrigen erfolgen. Würden also die Beschwerdeführer zu 1. und 2. den Unterricht über die Sexualkunde im weitesten Sinne übernehmen, könnten wesentliche Teile der schulischen Ziele nicht erreicht werden.
Darüber hinaus würde es - dies im Gegensatz zur Situation bei der Dispensation vom Schwimmunterricht - zu schulorganisatorischen Unzulänglichkeiten kommen. Immer dann, wenn in der Schule über ein Thema, in welchem es auch um das Geschlechtliche von Mann und Frau ginge (in der 6. und 7. Schulstufe insbesondere bei den Themen Sexualität, Geschlechtsreife, Pubertät, Bau und Funktion der Geschlechtsorgane, Schwangerschaft, Geburt, Empfängnisverhütung, Geschlechtskrankheiten), würde und müsste sich die Beschwerdeführerin zu 3. aus dem Unterricht - vorübergehend - entfernen. Dieses Verlassen des Unterrichtes würde sich nicht auf einzelne im Vorhinein bestimmbare Unterrichtsstunden beziehen, sondern sich immer wieder in verschiedensten Unterrichtsstunden ergeben.
Im Unterschied zum Schwimmunterricht sei es sehr wohl zulässig, dass Mitglieder der Glaubensgemeinschaft, der die Beschwerdeführer angehören, in Sexualkunde unterrichtet würden. Sexualkunde sei also zulässig, weshalb die Vorschrift des Staates, dass Sexualkunde nicht nur innerhalb der Familie, sondern auch in der Schule erteilt werde, nicht so ein schwerwiegender Eingriff in die Glaubens- und Gewissensfreiheit der Beschwerdeführer wie der obligatorische Schwimmunterricht darstelle. Für die Beschwerdeführer sei der schulische Schwimmunterricht ein viel wichtigeres Tabuthema als der schulische Sexualkundeunterricht. Schwimmunterricht sei für die Beschwerdeführer völlig unzulässig, währenddem Sexualkundeunterricht nicht nur möglich, sondern normal sei, wenn auch nicht in der Schule, sondern in der Familie.
Der schulische Unterricht und damit auch der schulische Sexualkundeunterricht im weitesten Sinne diene nicht nur der reinen Wissensvermittlung über Fakten, sondern auch der Persönlichkeitsentwicklung der Schüler. Hierzu gehöre, dass die Schüler mit allen Strömungen in der Gesellschaft, in der sie leben, konfrontiert würden. Sie von bestimmtem Gedanken fernzuhalten, würde eine Ausgrenzung bedeuten. Jede solche Ausgrenzung würde jedoch den Zielen einer obligatorischen Schulung und letztlich auch dem Kindeswohl widersprechen.
4.4
Aus all diesen Gründen erachte der Verwaltungsgerichtshof die öffentlichen Interessen und die Interessen der Beschwerdeführerin zu 3. an der obligatorischen Teilnahme am Sexualkundeunterricht und überhaupt am Unterricht im Teilbereich "Lebenskunde" in der Schule, vorliegendenfalls in der Oberschule X, als höher gewichtig als das Interesse der drei Beschwerdeführer an der Durchsetzung ihrer religiösen Überzeugung, Sexualkunde nur innerhalb der Familie, allenfalls unter Beizug eines Arztes, zu unterrichten.
5.
Mit Schriftsatz vom 26. März 2014 haben die Beschwerdeführer gegen dieses Urteil des Verwaltungsgerichtshofes vom 21. Februar 2013 (richtig: 2014), VGH 2013/105, Individualbeschwerde an den Staatsgerichtshof wegen Verletzung verfassungsmässig und durch die EMRK gewährleisteter Rechte, konkret die Verletzung der Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit gemäss Art. 37 LV und Art. 9 EMRK, des Anspruchs auf rechtsgleiche Behandlung gemäss Art. 31 Abs. 1 LV, des Anspruchs auf Begründung gemäss Art. 43 LV, des Anspruchs auf Treu und Glauben sowie auf willkürfreie Behandlung, erhoben. Beantragt wird, der Staatsgerichtshof möge feststellen, dass das angefochtene Urteil des Verwaltungsgerichtshofes gegen die verfassungsmässig gewährleisteten Rechte der Beschwerdeführer verstosse, dieses Urteil deshalb aufheben und die Rechtssache zur Neuverhandlung und Entscheidung an den Verwaltungsgerichtshof zurückverweisen, sowie das Land Liechtenstein zum Ersatz der Verfahrenskosten verpflichten. Mit ihrer Individualbeschwerde haben die Beschwerdeführer auch einen Antrag auf Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung bzw. auf Erlass einer vorsorglichen Massnahme verbunden.
Begründet wird dies im Wesentlichen wie folgt:
5.1
Die Beschwerdeführer seien Mitglieder der Christlich Palmarianischen Kirche. Sie hätten aufgrund ihrer religiösen Ausrichtung strikte Gebote einzuhalten, welchen insbesondere ein ausgeprägter und strikter Begriff der Sittlichkeit zugrunde liege. Aufgrund dieser religiösen Vorgaben sei ihnen unter anderem die Teilnahme am Sexualkundeunterricht nicht erlaubt bzw. "strengstens verboten". Bei Nichtbefolgung dieser Vorschrift drohe ihnen die Exkommunikation. Die Beschwerdeführer zu 1. und 2. wollten bzw. müssten ihre Tochter, die Beschwerdeführerin zu 3., selbst bzw. zusammen mit dem Kinderarzt aufklären, insbesondere über die Fortpflanzung der Menschen, die Pubertät, Menstruation, Geschlechtsreife, Schwangerschaft, Geburt, Tod, Empfängnisverhütung, Geschlechtskrankheiten, künstliche Befruchtung, Abtreibung usw.
Nachdem die Beschwerdeführer zu 1. und 2. von den zuständigen Schulbehörden im September 2009 zu einer Besprechung in die Räumlichkeiten des Schulhauses X vorgeladen worden seien, sei ihnen dort sinngemäss eröffnet worden, dass hinkünftig auf entsprechende religiöse Gebote nicht mehr Rücksicht genommen werden könne, wobei aber hinsichtlich der Sexualkunde eine Ausnahme gemacht und im Gesprächsprotokoll vom 25. September 2009 explizit festgehalten worden sei:
"Die Lehrmittel der Schule und Lerninhalte des Lehrplans werden nicht verändert oder ausgelassen. Die Kinder befassen sich mit allen Themen die enthalten sind (inkl. Sagen, Märchen, anderen Religionen und Kulturen etc.).
Ausnahme Sexualkunde: Die Eltern werden generell vorher von der Lehrperson informiert, dass dieses Thema behandelt wird und sind befugt, ihre Kinder in dieser Sache selbst zu unterrichten bzw. die Kinder müssen nicht am Sexualkundeunterricht teilnehmen."
In der Folge sei bezüglich die Beschwerdeführerin zu 3. die Vereinbarung vom 25. September 2009 widerrufen und der formelle Antrag auf Freistellung vom Sexualkundeunterricht vom 30. April 2013 mit Entscheidung des Schulamtes vom 23. Mai 2013 abgewiesen worden. Diese Entscheidung des Schulamtes sei sowohl von der Regierung wie auch vom Verwaltungsgerichtshof mit nunmehr angefochtener Entscheidung zu VGH 2013/105 bestätigt worden.
Den Beschwerden der Beschwerdeführer betreffend die Dispensation vom Schwimmunterricht aus religiösen Gründen sei demgegenüber mit Urteil des Verwaltungsgerichtshofes vom 21. Februar 2014, VGH 2013/134, VGH 2013/131, VGH 2013/133 und VGH 2013/135, letztlich Folge gegeben worden.
5.2
Zur Verletzung der Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit gemäss Art. 37 LV und Art. 9 EMRK führen die Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes aus:
Als Mitglieder der Christlich Palmarianischen Kirche müssten sie vom Sexualkundeunterricht dispensiert werden, was ihnen jedoch verweigert werde. Damit würden sie den Vorgaben ihrer Religion nicht vollumfänglich nachleben und/oder ihre Kinder nicht nach ihren religiösen Vorgaben erziehen können. Somit sei die Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit gemäss Art. 37 LV und Art. 9 EMRK gegenständlich tangiert.
Gegenständlich gebe es keine genügende gesetzliche Grundlage für einen Eingriff in die Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Der Verwaltungsgerichtshof führe unrichtigerweise aus, dass insbesondere der Lehrplan eine genügende gesetzliche Grundlage für einen Eingriff in die Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit darstelle. Die Beschwerdeführer würden nicht verkennen, dass der Staatsgerichtshof in seiner Entscheidung zu StGH 2012/130 erwogen habe, dass der Lehrplan aufgrund des Sonderstatusverhältnisses eine genügende gesetzliche Grundlage darstelle. Der Staatsgerichtshof sei in jener Entscheidung aber nicht explizit auf die dortige Rüge eingegangen, wonach der Lehrplan eben nicht gesetzeskonform (d. h. gemäss Kundmachungsgesetz, LGBl. 1985 Nr. 41) kundgemacht worden sei, rechtssetzende Erlasse aber kundgemacht werden müssten, ansonsten sie nicht rechtsgültig sein würden. Auch habe sich der Staatsgerichtshof in jener Entscheidung nicht mit der zitierten Rechtsprechung auseinandergesetzt, wonach ein schwerer Eingriff in die Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit einer klaren gesetzlichen Grundlage in einem Gesetz im formellen Sinne bedürfe. Aufgrund der festgestellten drohenden Exkommunikation liege gegenständlich offensichtlich ein schwerer Eingriff in die Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit vor, sodass trotz Vorliegen eines Sonderstatusverhältnisses die Pflicht zur Teilnahme am Sexualkundeunterricht in einem formellen Gesetz verankert sein müsse.
Entgegen den Erwägungen des Verwaltungsgerichtshofes sei der Eingriff in die Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit zudem unverhältnismässig und damit unzulässig: Gegenständlich liege eine Kollision zwischen dem Erziehungsrecht und dem Recht auf freie Religionsausübung seitens der Beschwerdeführer einerseits und dem staatlichen Schulerziehungsrecht andererseits vor, was letztlich nur im Wege einer Güterabwägung gelöst werden könne. Zu berücksichtigen sei dabei, dass der Sexualkundeunterricht offenbar zwar Pflichtfach sei, für einen erfolgreichen Schulabschluss aber wohl kaum erforderlich sein dürfte. Bei einer Freistellung der betroffenen Kinder vom Sexualkundeunterricht werde der Bildungsauftrag des Staates zwar berührt, er werde aber jedenfalls nicht wesentlich beeinträchtigt. Organisatorisch sei die Befreiung schon aufgrund der Jahrzehnte langen Praxis offensichtlich auch ohne weiteres möglich. Bei Vorliegen wichtiger Gründe sei die Möglichkeit zur Befreiung vom Unterrichtsbesuch im Einzelfall zu eröffnen. Ein begründeter Fall liege gegenständlich vor: es gehe nicht an, die Betroffenen einem verfassungsrechtlich unzumutbaren Glaubens- und Gewissenskonflikt auszusetzen. Der Bildungs- und Erziehungsauftrag des Staates sei dem Erziehungsrecht der Eltern gleich geordnet: weder dem Elternrecht noch dem staatlichen Erziehungsauftrag komme ein absoluter Vorrang zu. Die in Fällen wie dem gegenständlichen auftretenden Spannungen seien unter Berücksichtigung des verfassungsrechtlichen Gebots der Toleranz nach dem Prinzip der Konkordanz zu einem möglichst schonenden Ausgleich zu bringen. Jedermann sei die ungestörte Entfaltung seiner Persönlichkeit gemäss seinen subjektiven Glaubensüberzeugungen gestattet, solange diese nicht in Widerspruch zu anderen Wertentscheidungen der Verfassung gerieten und aus seinem Verhalten deshalb fühlbare Beeinträchtigungen für das Gemeinwesen oder die Grundrechte anderer erwachsen würden. Dies sei hier nicht der Fall.
Der staatliche Bildungsauftrag werde durch eine Befreiung vom Sexualkundeunterricht im Einzelfall nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Der Sexualkundeunterricht als solcher bleibe unberührt, besondere organisatorische Schwierigkeiten seien nicht zu erwarten. Einer Durchsetzung der Verpflichtung zur Teilnahme am Sexualkundeunterricht in jedem Einzelfall bedürfe es zur Aufrechterhaltung des staatlichen Bildungsanspruchs nicht. Auch die Funktionsfähigkeit der Schule als umfassende Bildungseinrichtung werde durch eine Befreiung vom Sexualkundeunterricht im Einzelfall nicht beeinträchtigt. Insbesondere werde dadurch die Möglichkeit eines vollwertigen und vergleichbaren, am Leistungsprinzip orientierten Schulabschlusses, nicht entscheidend berührt. Das Gewicht des staatlichen Bildungsauftrags müsse je nach dem Bereich, der zur Diskussion stehe, differenziert beurteilt werden.
Für die Beschwerdeführer sei die Teilnahme der Beschwerdeführerin zu 3. am Sexualkundeunterricht unzumutbar. Unterrichtsgestaltungen, die den Glaubenskonflikt vermeiden liessen, sähen die Beschwerdeführer nicht. Auch wenn an der Besprechung vom 25. September 2009 vereinbart und protokolliert worden sei, dass die Beschwerdeführer zu 1. und zu 2. hinsichtlich des Sexualkundeunterrichts ihre Kinder (so auch die Beschwerdeführerin zu 3.) zu Hause unterrichten könnten/dürften, hätten Sie dennoch in Herrn Dr. med. D, Kinderarzt, Schaan, eine medizinische Fachperson gefunden, welche sich bereit erklärt habe, der Beschwerdeführerin zu 3. einen mindestens gleichwertigen, aber religionskonformen Sexualkundeunterricht zu erteilen. Es komme somit nur eine Befreiung vom schulischen Sexualkundeunterricht (allenfalls in Verbindung mit einer Verpflichtung, den Sexualkundeunterricht durch den Hausarzt durchführen zu lassen) in Betracht.
Unbestritten sei ein gewisses öffentliches Interesse am Sexualkundeunterricht, namentlich dass die Kinder lernten, den menschlichen Körper kennenzulernen und verantwortungsbewusst mir ihrem Körper umzugehen, Wissen über Sexualität, Pubertät, Schwangerschaft zu erlangen, usw. Bestritten werde jedoch die Sozial- und Integrationsfunktion des Sexualkundeunterrichtes im Besonderen sowie, dass die Lernziele teilweise nur in der Gruppe mit Gleichaltrigen vermittelt und erreicht werden könnten. Unabhängig davon handle es sich bei den Beschwerdeführern - wie auch der Staatsgerichtshof zu StGH 2012/130 ausgeführt habe - um eine inländische Familie, welche bereits vollumfänglich integriert sei, sodass eine Integration und/oder soziale Einbindung nicht notwendig sei. Zudem könnte eine Integration und/oder soziale Einbindung - falls diese denn gegenständlich notwendig wäre - auch im Falle einer Dispensation von einzelnen Fächern wie beispielsweise dem Sexualkundeunterricht erfolgen.
Der absolute Zwang zur Teilnahme am schulischen Sexualkundeunterricht sei nicht zwingend erforderlich, um das öffentliche Interesse (z. B. Wissen über Sexualität, Pubertät, Schwangerschaft zu erlangen) zu erreichen. Dies könne z. B. auch dadurch erreicht werden, dass ein Dispens vom Besuch und Nachweis eines ausserschulischen Sexualkundeunterrichtes (welcher insbesondere nicht in einer grossen Gruppe bzw. "öffentlich" stattfinde und somit den religiösen Vorgaben entsprechen könnte) abhängig gemacht werde, was ein milderes Mittel darstellen würde, um das öffentliche Interesse zu erreichen. Dementsprechend hätten die Beschwerdeführer, wie bereits erwähnt, in Kinderarzt Dr. med. D eine medizinische Fachperson gefunden, welche sich bereit erklärt habe, der Beschwerdeführerin zu 3. einen mindestens gleichwertigen, aber religionskonformen Sexualkundeunterricht zu erteilen, falls der Privatunterricht durch die Kindseltern zu Hause nicht ausreichend sein sollte. Festgestelltermassen wollten und würden die Beschwerdeführer zu 1. und zu 2. die Beschwerdeführerin zu 3. aufklären.
Bestritten werde, dass es auch im Sexualkundeunterricht neben der reinen Wissensvermittlung auch um einen integrativen und sozialen Rahmen der Wissensvermittlung gehe und dass gewisse Lernziele nur in einer sozialen Gemeinschaft von Gleichaltrigen, so in einer Schulklasse, vermittelt und erreicht werden könnten.
Somit stelle die gegenständliche Massnahme nicht das mildeste Mittel dar, um das öffentliche Interesse des Sexualkundeunterrichtes zu erreichen.
Schliesslich sei es auch unverhältnismässig und unzumutbar, die Beschwerdeführerin zu 3. aufgrund des Sexualkundeunterrichts einem solchen psychischen Zwang und Dilemma auszusetzen, dass sie in ihrer geistigen bzw. seelischen Gesundheit beeinträchtigt und/oder verletzt werde. Auch das Schulamt gehe von einer grossen geistigen bzw. seelischen Belastung für die Beschwerdeführerin zu 3. aus. Die Erwägungen des Staatsgerichtshofes im Fall des Schwimmunterrichtes (StGH 2012/130, Erw. 3.2.4) müssten auch auf den gegenständlichen Fall anwendbar sein. Insbesondere handle es sich gegenständlich um die gleichen Beschwerdeführer, drohe den Beschwerdeführern auch betreffend den Sexualkundeunterricht die Exkommunikation bei einem Verstoss gegen dieses religiöse Gebot bzw. Verbot, handle es sich um eine inländische und integrierte Familie und würden die Beschwerdeführer, insbesondere die Beschwerdeführerin zu 3., durch diese Massnahme in ihrer geistigen bzw. seelischen Gesundheit beeinträchtigt und/oder verletzt.
Demgegenüber sei auch betreffend Sexualkundeunterricht (welcher in der Regel blockweise stattfinde) keine ernsthafte Beeinträchtigung des ordentlichen und effizienten Schulbetriebes zu befürchten. Zudem sei der "integrative und soziale Rahmen der Wissensvermittlung" bzw. die Integration und Sozialisierung durch eine Dispensation vom Sexualkundeunterricht nicht oder nur marginal beeinträchtigt. Schliesslich könne der Lerninhalt jedenfalls auch ausserhalb einer Gruppe vermittelt werden.
Wenn nun für den Schwimmunterricht eine Grundrechtsverletzung bzw. Unverhältnismässigkeit bejaht worden sei, müsse dies umso mehr für den Sexualkundeunterricht gelten, welcher einen weitaus gravierenden Eingriff in die Religionsfreiheit darstelle.
Der Staatsgerichtshof habe auch nicht angedeutet, dass der Schwimmunterricht nicht so ein grosses Gewicht habe wie anderer Schulunterricht. Der Staatsgerichtshof habe in seiner Entscheidung ausschliesslich und isoliert eine Entscheidung betreffend den Schwimmunterricht getroffen und die anderen Fächer explizit und ohne Wertung offen gelassen. Unabhängig hiervon erscheine das Gewicht des Schwimmunterrichts angesichts des Risikos des Ertrinkens bei fehlender Fähigkeit des Schwimmens mindestens gleichwertig wie der Sexualkundeunterricht. Hinzu komme, dass die Dispensation vom Schwimmunterricht auch ohne gleichwertige Alternative (wie insbesondere privaten Schwimmunterricht) gewährt worden sei. Somit müsse eine Dispensation vom Sexualkundeunterricht bei Vorliegen einer gleichwertigen oder annähernd gleichwertigen Alternative (wie insbesondere "Aufklärung" durch die Eltern und/oder den Kinderarzt) umso mehr gewährt werden. Von zentraler Bedeutung sei jedenfalls, dass sowohl beim Schwimmunterricht wie auch beim Sexualkundeunterricht im Falle des Verstosses die Exkommunikation drohe, sodass insofern beide Fälle gleich zu beurteilen seien.
5.3
Zur Verletzung des Anspruchs auf rechtsgleiche Behandlung gemäss Art. 31 Abs. 1 LV führen die Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes aus:
Nach der Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes sei eine Praxisänderung mit dem Gleichheitsgebot vereinbar, wenn sie sich auf triftige Gründe stütze und auch keine Anzeichen dafür beständen, dass die Behörde die neue Praxis nicht konsequent anwende bzw. anzuwenden beabsichtige. Die neue Praxis müsse dabei überzeugender sein als die alte, ansonsten überwiege das Interesse an einer konstanten Rechtsprechung. Gegenständlich sei die neue Praxis, wonach aus religiösen Gründen keine Dispensation vom Sexualkundeunterricht mehr gewährt werde, nicht überzeugender als die alte. Insbesondere wenn wie gegenständlich die Exkommunikation drohe, müsse eine Dispensation vom Sexualkundeunterricht (entsprechend dem Schwimmunterricht) aus religiösen Gründen möglich sein. Die neue apodiktische Praxis könne sich unter Umständen - wie insbesondere gegenständlich - als unverhältnismässig erweisen. Es lägen keine triftigen Gründe für die Praxisänderung vor. Während die zuständigen Behörden die religiösen Gebote und Verpflichtungen der Beschwerdeführer im Verlaufe der letzten Jahre/Jahrzehnte respektiert hätten, solle nunmehr plötzlich mit dieser langjährigen Praxis gegen angeblich normierte Schulbesuchspflichten verstossen werden. Die Vorinstanzen begründeten nun diese Praxisänderung sowie den Widerruf der Vereinbarung vom 25. September 2009 insbesondere mit der Schulbesuchspflicht, den gesetzlichen Rechtfertigungsgründen, mit Art. 21 Abs. 7 SchulOV, dem Lehrplan und den lehrplanmässigen Lernzielen.
All diese Gründe hätten bereits vor der Praxisänderung und dem Widerruf der Vereinbarung vom 25. September 2009 bestanden, womit nicht ersichtlich sei, weshalb diese Gründe eine Praxisänderung rechtfertigen könnten. Schliesslich hätten die Vorinstanzen die Praxisänderung auch mit dem neuen Art. 21 Abs. 7 SchulOV begründet, wonach eine "Dispensation zum Zweck der Befreiung von lehrplanmässigen Lernzielen neuerdings grundsätzlich nicht mehr zulässig" sei. Wie bereits ausgeführt, falle eine Dispensation vom Sexualkundeunterricht aus religiösen Gründen nicht unter diese Bestimmung und wäre jedenfalls diese unklare Verordnungsbestimmung auch nicht ausreichend, um den gegenständlichen schweren Eingriff in die Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit zu rechtfertigen.
Der Verwaltungsgerichtshof habe mit Urteil vom 21. Februar 2014 zu VGH 2013/134, VGH 2013/131, VGH 2013/133 und VGH 2013/135, den Beschwerden der Beschwerdeführer Folge gegeben und die angefochtenen Entscheidungen dahingehend abgeändert, dass die Beschwerdeführerin zu 3. (und die jeweils anderen Beschwerdeführer) vom Schwimmunterricht dispensiert worden seien. Im Gegensatz hierzu sei mit nunmehr dem gegenständlich angefochtenem Urteil zu VGH 2013/105 die Beschwerde abgewiesen und die angefochtene Entscheidung, womit die Dispensation vom Sexualkundeunterricht abgewiesen worden sei, bestätigt worden. Somit seien die Beschwerdeführer im vorliegenden Fall zu VGH 2013/105 (keine Dispensation vom Sexualkundeunterricht) im Vergleich zur Entscheidung zu VGH 2013/134, VGH 2013/131, VGH 2013/133 und VGH 2013/135 (Dispensation vom Schwimmunterricht) ungleich behandelt worden, obwohl hierfür keine ausreichenden Gründe vorlägen. Die Beschwerdeführer seien folglich in ihrem Anspruch auf Rechtsgleichheit verletzt.
5.4
Zur Verletzung des Anspruchs auf Treu und Glauben führen die Beschwerdeführer aus, dass der Grundsatz von Treu und Glauben eine Verpflichtung zu korrektem, rücksichtsvollem und vertrauenswürdigem Verhalten zwischen Bürger und Staat beinhalte. Im gegenständlichen Fall hätten sich die Behörden gemäss dem Grundsatz von Treu und Glauben an die mit den Beschwerdeführern geschlossene Vereinbarung vom 25. September 2009 zu halten.
5.5
Zur Verletzung des Anspruchs auf Begründung gemäss Art. 43 LV bringen die Beschwerdeführer Folgendes vor: Da an eine Praxisänderung erhöhte Anforderungen betreffend die Begründung gestellt würden, hätten die Vorinstanzen die Praxisänderung (die neue Praxis, wonach aus religiösen Gründen keine Dispensation vom Sexualkundeunterricht mehr gewährt werde) ausführlicher begründen müssen. Da die Vorinstanzen und insbesondere der Verwaltungsgerichtshof diese Praxisänderung nicht genügend begründet hätten, seien die Beschwerdeführer auch in ihrem Anspruch auf Begründung gemäss Art. 83 Abs. 3 LVG und Art. 43 LV verletzt.
Weiter führen die Beschwerdeführer aus, dass sich Behörden gemäss dem Grundsatz von Treu und Glauben an die mit den Beschwerdeführern geschlossene Vereinbarung vom 25. September 2009 zu halten hätten. Hierauf seien die Vorinstanzen und insbesondere der Verwaltungsgerichtshof nicht oder nicht genügend eingegangen bzw. hätten nicht (genügend) begründet, weshalb keine Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben vorliege. Somit seien die Beschwerdeführer auch diesbezüglich in ihrem Anspruch auf Begründung gemäss Art. 83 Abs. 3 LVG und Art. 43 LV verletzt.
5.6
Zur Verletzung des Willkürverbots führen die Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes aus:
Gemäss der Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes könne eine Verletzung des Willkürverbots auch vorliegen, wenn ein Gericht nur unzureichende Sachverhaltsfeststellungen mache. Der Verwaltungsgerichtshof führe nun aus, dass es gemäss Lehrplan keinen ausdrücklichen "Sexualkundeunterricht" gebe. Die "Sexualerziehung" sei im Lehrplan im Teilbereich "Lebenskunde" beinhaltet. Die Beschwerdeführer machen geltend, hierzu hätte der Verwaltungsgerichtshof feststellen müssen, dass in der Praxis ein Sexualkundeunterricht in der Regel blockweise stattfinde. Dies sei von den Beschwerdeführern in ihren Beschwerden entsprechend vorgebracht worden und hätte der Verwaltungsgerichtshof aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes die entsprechenden Beweise aufnehmen und die entsprechenden Feststellungen treffen müssen. Ob nun ein blockweiser "Sexualkundeunterricht" bestehe oder nicht, sei insbesondere für die Beurteilung der "schulorganisatorischen Unzulänglichkeiten" und damit für die Verhältnismässigkeitsprüfung von Relevanz. Da der (relevante) Sachverhalt trotz Vorbringen sowie trotz Untersuchungsgrundsatz gemäss dem hier anwendbaren LVG nicht vollständig festgestellt worden sei, sei die angefochtene Entscheidung willkürlich.
Die angefochtene Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes sei zudem aus den oben ausgeführten Gründen, auf welche verwiesen werde, sachlich nicht zu begründen, nicht vertretbar bzw. stossend und damit willkürlich. Insofern werde subsidiär die Verletzung des Willkürverbotes gerügt. Zudem sei es willkürlich, wenn die verfahrensgegenständliche religiöse Ausrichtung der Kinder gegenständlich nicht als gerechtfertigte Gründe für das Fernbleiben des Schülers vom Sexualkundeunterricht gemäss Art. 83 Abs. 2 SchulG und Art. 21 Abs. 1 SchulOV erachtet werde. Insbesondere da der Besuch des Sexualkundeunterrichtes aus religiösen Gründen strengstens verboten sei und den Beschwerdeführern die Exkommunikation drohe, falls die Beschwerdeführerin zu 3. den Sexualkundeunterricht besuchen müsse, und da die Beschwerdeführerin zu 3. aufgrund der belastenden Situation bereits in ihrer psychischen bzw. geistigen Gesundheit beeinträchtigt und/oder verletzt sei, sei es stossend und damit willkürlich, dies nicht unter "gerechtfertigte Gründe" gemäss Art. 83 Abs. 2 SchulG und Art. 21 Abs. 1 SchulOV zu subsumieren, welche eine Dispensation vom Sexualkundeunterricht rechtfertigten.
6.
Mit Beschluss vom 31. März 2014 hat der Präsident des Staatsgerichtshofes, dem Antrag der Beschwerdeführer Folge zu gegeben und ihrer Individualbeschwerde die aufschiebende Wirkung zuerkannt.
7.
Der Verwaltungsgerichtshof verzichtete mit Schreiben vom 1. April 2014 auf eine Gegenäusserung zur gegenständlichen Individualbeschwerde.
8.
Der Staatsgerichtshof hat die Vorakten, soweit erforderlich, beigezogen und auf Antrag des Berichterstatters in Folge Spruchreife beschlossen, auf die Durchführung einer öffentlichen Schlussverhandlung zu verzichten. Nach Durchführung einer nicht-öffentlichen Schlussverhandlung wurde wie aus dem Spruch ersichtlich entschieden
Begründung
1.
Das im Beschwerdefall angefochtene Urteil des Verwaltungsgerichtshofes vom 21. Februar 2013 (richtig: 2014), VGH 2013/105, ist gemäss der Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes sowohl als letztinstanzlich als auch enderledigend im Sinne von Art. 15 Abs. 1 StGHG zu qualifizieren (StGH 2008/63, Erw. 1; StGH 2004/6, Erw. 1 [beide im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; StGH 2004/28, Jus & News 3/2006, 361, 366 ff.; vgl. auch Tobias Michael Wille, Liechtensteinisches Verfassungsprozessrecht, LPS Bd. 43, Schaan 2007, 557 ff. mit weiteren Rechtsprechungsnachweisen).
Da die Beschwerde auch frist- und formgerecht eingebracht wurde, hat der Staatsgerichtshof materiell darauf einzutreten.
2.
Die Beschwerdeführer machen geltend, das angefochtene Urteil des Verwaltungsgerichtshofes vom 21. Februar 2013 (richtig: 2014), VGH 2013/105, verletze verfassungsmässig und durch die EMRK gewährleistete Rechte, nämlich die Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit gemäss Art. 37 LV und Art. 9 EMRK, den Anspruch auf rechtsgleiche Behandlung gemäss Art. 31 Abs. 1 LV, den Anspruch auf Begründung gemäss Art. 43 LV, den Grundsatz von Treu und Glauben sowie den Anspruch auf willkürfreie Behandlung.
Das Willkürverbot ist nach der Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes ein Auffanggrundrecht und deshalb neben spezifischen Grundrechtsrügen subsidiär (siehe etwa StGH 2012/18, Erw. 2.1; StGH 2009/161, Erw. 2; StGH 2005/84, Erw. 2 [alle im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; StGH 1997/35, LES 1999, 71 [74, Erw. 3]). Demnach ist vor der Prüfung der Verletzung des Willkürverbots zu prüfen, ob im Beschwerdefall eine Verletzung der Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit, des Grundsatzes von Treu und Glauben oder des Anspruchs auf rechtsgleiche Behandlung sowie auf Begründung vorliegt.
3.
Die Beschwerdeführer stellten am 30. April 2013 beim Schulamt den Antrag auf Dispensierung der Beschwerdeführerin zu 3. (C, Tochter der Beschwerdeführer zu 1. und 2.) vom Sexualkundeunterricht. Das Schulamt entschied am 23. Mai 2013 unter anderem, der Antrag auf definitive Befreiung von C vom Sexualkundeunterricht werde abgewiesen. C sei verpflichtet, am Sexualkundeunterricht gemäss Lehrplan teilzunehmen. Mit dem gegenständlich angefochtenen Urteil des Verwaltungsgerichtshofes wurde die Entscheidung der Regierung, mit welcher die Beschwerde der Beschwerdeführer gegen die Entscheidung des Schulamtes abgewiesen worden war, bestätigt.
4.
Die Beschwerdeführer machen in Bezug auf die angebliche Verletzung der Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit geltend, sie seien Mitglieder der Christlich Palmarianischen Kirche, womit ihnen unter anderem die Teilnahme am schulischen Sexualkundeunterricht verboten sei. Bei Nichtbefolgung dieser Vorschrift drohe ihnen die Exkommunikation. Mit der Verweigerung der Dispensation vom Sexualkundeunterricht werde in ihre Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit eingegriffen. Für diesen Eingriff gebe es keine genügende gesetzliche Grundlage. Der Lehrplan sei nicht gesetzeskonform kundgemacht worden und stelle daher keine genügende gesetzliche Grundlage dar. Zudem bedürfe es vorliegend einer klaren gesetzlichen Grundlage im formellen Sinn, da aufgrund der drohenden Exkommunikation ein schwerer Eingriff in die Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit vorliege. Dieser Eingriff sei weiter unverhältnismässig. Bei der Abwägung des staatlichen Erziehungsauftrags mit dem Recht der Glaubens- und Kultusfreiheit sei zu beachten, dass der Sexualkundeunterricht für einen erfolgreichen Schulabschluss wohl kaum erforderlich sei. Bei einer Freistellung vom Sexualkundeunterricht werde der staatliche Bildungsauftrag nicht wesentlich beeinträchtigt. Organisatorisch sei die Befreiung angesichts der Jahrzehnte langen Praxis ohne Weiteres möglich. Der Besuch des Sexualkundeunterrichts bedeute für die Beschwerdeführer eine unzumutbare Belastung. Durch eine Befreiung vom Sexualkundeunterricht im Einzelfall werde der staatliche Bildungsauftrag nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Auch werde die Funktionsfähigkeit der Schule als umfassende Bildungseinrichtung nicht beeinträchtigt. Der Sexualkundeunterricht finde in der Regel blockweise statt. Gegenständlich komme nur eine Befreiung vom schulischen Sexualkundeunterricht in Frage. Kinderarzt Dr. D könne der Beschwerdeführerin zu 3. einen mindestens gleichwertigen, aber religionskonformen Sexualkundeunterricht erteilen. Unbestritten sei ein gewisses öffentliches Interesse am Sexualkundeunterricht, namentlich dass die Kinder Wissen über den menschlichen Körper, die Sexualität, Pubertät oder Schwangerschaft erwerben und lernen würden, mit ihrem Körper verantwortungsbewusst umzugehen. Bestritten werde jedoch die Sozial- und Integrationsfunktion des Sexualkundeunterrichts sowie die Annahme, dass die Lernziele teilweise nur in der Gruppe mit Gleichaltrigen vermittelt und erreicht werden könnten. Unabhängig davon handle es sich bei den Beschwerdeführern um eine inländische, vollumfänglich integrierte Familie. Der absolute Zwang zur Teilnahme am schulischen Sexualkundeunterricht sei nicht zwingend erforderlich, um das genannte öffentliche Interesse zu erreichen. Ein Dispens vom Besuch und Nachweis eines ausserschulischen Sexualkundeunterrichts (etwa bei Dr. D) würde ein milderes Mittel hierfür darstellen. Schliesslich sei es auch unverhältnismässig und unzumutbar, die Beschwerdeführerin zu 3. aufgrund des Sexualkundeunterrichts einem solchen psychischen Zwang und Dilemma auszusetzen, dass sie in ihrer geistigen bzw. seelischen Gesundheit verletzt werde. Die Erwägungen des Staatsgerichtshofes in StGH 2012/130, wonach das Kindeswohl im Fall des Schwimmunterrichtes höher zu gewichten sei als das staatliche Interesse an der Sozialisierung und Integration der Kinder, müssten auch auf den gegenständlichen Fall anwendbar sein. Dieser Fall habe die gleiche Familie betroffen. Ferner stelle der zwingende Sexualkundeunterricht einen weitaus gravierenderen Eingriff in die Religionsfreiheit dar als der zwingende Schwimmunterricht. Angesichts des Risikos des Ertrinkens bei fehlender Schwimmfähigkeit scheine der Schwimmunterricht mindestens das gleiche Gewicht zu haben wie der Sexualkundeunterricht. Hinzu komme, dass die Dispensation vom Schwimmunterricht auch ohne gleichwertige Alternative gewährt worden sei. Schliesslich drohe sowohl beim Schwimmunterricht wie beim Sexualkundeunterricht im Falle des Verstosses die Exkommunikation.
4.1
Die Glaubens- und Gewissensfreiheit ist in Art. 37 LV sowie in Art. 9 EMRK verankert (StGH 2007/91, Erw. 6 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; vgl. hierzu Wolfram Höfling, Die liechtensteinische Grundrechtsordnung, LPS Bd. 20, Vaduz 1994, 122 ff.; weiter Herbert Wille, Wie regelt das liechtensteinische Recht die Religionsfreiheit und das Verhältnis von Staat und Kirche?, in: Herbert Wille/Georges Baur [Hrsg.], Staat und Kirche - Grundsa¨tzliche Probleme, LPS Bd. 26, Vaduz 1999, 79 ff. [90 ff.]) und findet für die Kinder zudem in Art. 14 UN-KRK (LGBl. 1996 Nr. 163) eine Grundlage. Sie umfasst namentlich die Freiheit, einen Glauben zu haben (forum internum) und diesen allein oder zusammen mit anderen zu praktizieren (forum externum). Den äusseren Schutzbereich der Religionsfreiheit umschreibt das schweizerische Bundesgericht als "Anspruch des Einzelnen darauf, sein Verhalten grundsätzlich nach den Lehren des Glaubens auszurichten und den Glaubensüberzeugungen gemäss zu handeln. Zur derart gewährleisteten Religionsausübung zählen über kultische Handlungen hinaus auch die Beachtung religiöser Gebräuche und andere Äusserungen des religiösen Lebens im Rahmen gewisser übereinstimmender sittlicher Grundanschauungen der Kulturvölker, soweit solche Verhaltensweisen Ausdruck der religiösen Überzeugung sind" (BGE 134 I 56, Erw. 4.3; siehe auch Herbert Wille, Glaubens-, Gewissens- und Kultusfreiheit, in: Andreas Kley/Klaus A. Vallender [Hrsg.], Grundrechtspraxis in Liechtenstein, LPS Bd. 52, Schaan 2012, 181, Rz. 22). Religiös bedingte Vorschriften hinsichtlich der sexuellen Aufklärung von Kindern und Jugendlichen werden folglich von Art. 37 LV und Art. 9 EMRK erfasst.
Träger der Glaubens- und Gewissensfreiheit sind sowohl die Eltern als auch die Kinder. Als Bestandteil der Religionsfreiheit der Eltern gilt die religiöse Erziehung ihrer Kinder (Art. 13 Abs. 3 UNO-Pakt I [LGBl. 1999, Nr. 57], Art. 18 Abs. 4 UNO-Pakt II [LGBl. 1999, Nr. 58]; Art. 14 Abs. 2 UN-KRK; StGH 2012/130, Erw. 3.1 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]).
Im vorliegenden Fall sind die Beschwerdeführer Mitglieder der Christlich Palmarianischen Kirche der Karmeliter vom Heiligen Antlitz. Diese Religionsgemeinschaft versteht sich als allein verbliebener Teil der wahren katholischen Kirche. Den Mitgliedern ist unter anderem die Teilnahme an jeder Form von schulischem Sexualkundeunterricht verboten. Aufgrund ihres religiösen Glaubens sind die Beschwerdeführer davon überzeugt, dass ihnen bei einer Nichtbefolgung dieses Verbots die Exkommunikation drohe (siehe VGH 2013/105, Erw. 2).
Der religiös neutrale Staat darf Glaubensregeln nicht auf ihre theologische Richtigkeit überprüfen (vgl. BGE 135 I 79, Erw. 4.4). Der Staatsgerichtshof hat deshalb davon auszugehen, dass den Beschwerdeführern aus religiösen Gründen verboten ist, am vorliegend interessierenden schulischen Sexualkundeunterricht teilzunehmen. Nicht ausschlaggebend ist, ob der Palmarianische Katechismus die Teilnahme am schulischen Sexualkundeunterricht ausdrücklich verbietet. Denn die Religionsfreiheit schützt nicht lediglich die Glaubensüberzeugungen, welche von der Mehrheit einer Religionsgemeinschaft oder ihren leitenden Organen vertreten werden, sondern ebenso jene von Minderheiten oder Einzelpersonen (StGH 2012/130, Erw. 3.1 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; vgl. BGer 2C_724/2011 vom 11. April 2012, Erw. 3.3; BGE 135 I 79, Erw. 4.4).
Die Beschwerdeführer zu 1. und 2. sind die Eltern der Beschwerdeführerin zu 3. Diese ist am XX. November 2001 geboren und besucht im Schuljahr 2013/2014 die 1. Klasse der Oberschule X, somit die 6. Schulstufe (VGH 2013/105, Erw. 2).
Die Pflicht, am schulischen Sexualkundeunterricht teilzunehmen, kollidiert im vorliegenden Fall mit der religiösen Anschauung der Beschwerdeführer, wonach es der Beschwerdeführerin zu 3. verboten ist, am schulischen Sexualkundeunterricht teilzunehmen. Es ist demnach davon auszugehen, dass der obligatorische Sexualkundeunterricht einen Eingriff in die Glaubens- und Gewissensfreiheit der Beschwerdefu¨hrer darstellt (vgl. Urteil des schweizerischen Bundesgerichts vom 29. Februar 2012, 2C_105/2012, 2C_106/2012, 2C_107/2012, Erw. 2.2.4).
4.2
Eingriffe in das Grundrecht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit sind zulässig, sofern sein Kerngehalt unangetastet bleibt, eine formell-gesetzliche Grundlage vorliegt, ein öffentliches Interesse am Eingriff gegeben ist und der Eingriff einer Verhältnismässigkeitsprüfung standhält (siehe Herbert Wille, Glaubens-, Gewissens- und Kultusfreiheit, a. a. O., 188, Rz. 41).
4.2.1
Die Beschwerdefu¨hrer machen zu Recht nicht geltend, der obligatorische Sexualkundeunterricht verletze den Kerngehalt der Glaubens- und Gewissensfreiheit. Zum nicht einschränkbaren Kernbereich gehört gemäss Rechtsprechung des Schweizerischen Bundesgerichtes die innere Religionsfreiheit im Sinne der inneren Überzeugung (sog. forum internum; BGE 135 I 79, Erw. 5). Ein solcher Eingriff würde vorliegen, wenn die Beschwerdeführerin zu 3. gegen ihren Willen bzw. gegen den Willen der Beschwerdeführer zu 1. und 2. zu bestimmten weltanschaulichen oder religiösen Ansichten oder Verhaltensweisen angehalten würde (vgl. StGH 2012/130, Erw. 3.2.1 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; StGH 1985/11, LES 1988, 94 [101]). Dies ist vorliegend nicht der Fall, weshalb der Kerngehalt nicht tangiert wird.
4.2.2
Die unmittelbare Grundlage für den Eingriff in die Glaubens- und Gewissensfreiheit bildet im vorliegenden Fall der Lehrplan für das Fürstentum Liechtenstein (2. Auflage, Vaduz 2005). Gemäss diesem Lehrplan gibt es nicht ausdrücklich einen "Sexualkundeunterricht". Über den Menschen und seinen Körper wird im Wesentlichen im Fachbereich "Mensch und Umwelt" gelehrt. Der genannte Lehrplan basiert auf der Lehrplanverordnung der Regierung vom 23. März 1999 (Verordnung über den Lehrplan für den Kindergarten, die Primar- und Sekundarschulen, LGBl. 1999 Nr. 82). Die Lehrplanverordnung wiederum basiert auf einer Delegation im Schulgesetz, folglich auf einem Gesetz im formellen Sinn. Art. 8 Abs. 1 SchulG (LGBI. 1972 Nr. 7 i. d. g. F.) sieht vor, dass die Regierung für die öffentlichen Schulen entsprechend der Schulart Lehrpläne mit Verordnung erlässt. Dass der Besuch des Sexualkundeunterrichtes in den Primar- und Sekundarschulen, zu welchen auch die Oberschule zählt, obligatorisch ist, ergibt sich letztlich aus Art. 16 Abs. 2 LV. Dieser statuiert eine allgemeine Schulpflicht, die den ganzen Schulunterricht, also auch den Sexualkundeunterricht erfasst. Schüler an einer öffentlichen Schule stehen im Übrigen zum Staat in einer besonders engen Rechtsbeziehung, also in einem Sonderstatusverhältnis, weshalb an die formell-gesetzlichen Regelungen zur Gestaltung der Schulverhältnisse keine hohen Anforderungen gestellt werden (siehe StGH 2012/130, Erw. 3.2.2 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; vgl. BGE 135 I 79, Erw. 6.2; zur Geltung und Tragweite des Gesetzmässigkeitsprinzips bei Sonderstatusverhältnissen vgl. Markus Müller, Das besondere Rechtsverhältnis, Bern 2003, 24 ff.). Daraus ergibt sich, dass der Lehrplan selbst oder gar einzelne Lehrinhalte nicht in einem Gesetz verankert sein müssen.
Bezüglich der Kundmachung des Lehrplans ist zu beachten, dass dieser rechtmässig gestützt auf Art. 13 Abs. 2 Lehrplanverordnung vom Schulamt des Fürstentums Liechtenstein, Vaduz, herausgegeben und durch den amtlichen Lehrmittelverlag vertrieben worden ist (veröffentlicht auf www.llv.li). Eine Veröffentlichung im Landesgesetzblatt gemäss Art. 1 Kundmachungsgesetz (LGBl. 1985 Nr. 41) ist nicht erforderlich, da der Lehrplan kein rechtssetzender Erlass ist. Denn er begründet keine Rechte und Pflichten von Privaten. Gemäss Art. 2 Abs. 2 Lehrplanverordnung steht der Lehrplan im Dienst eines lernzielorientierten Unterrichts und einer lernzielorientierten Beurteilung der Kinder. Für Lehrpersonen ist er verbindliche Grundlage zur Gestaltung des Unterrichts, für die Aufsichtsbehörden massgebliches Instrument zur Überprüfung der Unterrichtsqualität. Den Eltern dient er als Orientierungshilfe.
Im vorliegenden Fall stellt der Lehrplan folglich eine genügende gesetzliche Grundlage für einen Eingriff in die Glaubens- und Gewissensfreiheit dar.
4.2.3
An der Durchsetzung des obligatorischen Sexualkundeunterrichts bestehen gewichtige öffentliche Interessen. So gibt es einerseits das gesundheitspolizeiliche Interesse des Staates, dass Kinder und Jugendliche Kenntnis haben von ihrem Körper und dem verantwortungsbewussten Umgang mit ihm sowie mit dem Körper von anderen. Die Kinder sollen damit weniger der Gefahr ausgesetzt sein, gesundheitliche Schäden selber zu erleiden oder anderen beizufügen. Diese Kenntnis soll die Kinder und Jugendlichen insbesondere davor schützen, sich mit einer übertragbaren Krankheit wie beispielsweise HIV anzustecken. Sie soll die Kinder und Jugendlichen aber auch schützen vor einer psychischen Beeinträchtigung beispielsweise durch den Konsum pornographischer Medien oder sie vorbereiten auf den geeigneten Umgang mit gefährlichen Situationen, die sich insbesondere durch die Nutzung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien ergeben. Diese Kenntnis soll Kinder und Jugendliche selber sowie andere vor sexuellem Missbrauch und sexueller Ausbeutung bewahren. Der Sexualkundeunterricht dient somit dem Kindeswohl, welches auch aufgrund völkerrechtlicher Verpflichtungen des Fürstentums Liechtenstein vorrangig zu berücksichtigen ist (siehe Art. 3 UN-KRK; Bernhard Ehrenzeller, Das Elternrecht auf religiöse Erziehung der Kinder im Spannungsfeld von staatlichem Bildungsauftrag und Kindeswohl am Beispiel des Sexualkundeunterrichtes, in: Festschrift zum 70. Geburtstag von Herbert Wille, Liechtenstein-Institut [Hrsg.], Schaan 2014, 206 f., 210 ff.). Auch besteht ein gewichtiges öffentliches Interesse an der Sozial- und Integrationsfunktion der Schule. Diese Funktion ist Teil eines ganzheitlichen Bildungsauftrages, welcher zum Ziel hat, dass die Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung auch soziale Kompetenzen sowie verantwortungsvolles Verhalten gegenüber Mitmenschen erlernen. Die Schulbildung soll wesentlich beitragen zur vollen Entfaltung und Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit (Art. 13 Abs. 1 UNO-Pakt I). Das Kind soll vorbereitet werden auf ein verantwortungsbewusstes Leben in einer freien Gesellschaft im Geist der Verständigung, des Friedens und der Toleranz wie auch der Gleichberechtigung der Geschlechter (Art. 28/29 Abs. 1 UN-KRK). Kinder lernen in der Schule mit anderen Kindern umzugehen, auch wenn diese einen anderen religiösen und kulturellen Hintergrund haben. Sie üben sich in gegenseitiger Achtung im Zusammenleben und bauen allfällige Ängste gegenüber den für sie nicht vertrauten Kulturen ab. Der Sexualkundeunterricht als Teil des Fachbereiches Mensch und Umwelt leistet durch die Erörterungen von Themen, welche die eigene Entwicklung wie auch die Beziehung untereinander betreffen, einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung des Bildungsauftrages. Sexualkundeunterricht ist deshalb für die persönliche und soziale Entwicklung des Kindes in der heutigen Gesellschaft erforderlich, ebenso wie für ein von Achtung und Toleranz geprägtes Zusammenleben (siehe Bernhard Ehrenzeller, Das Elternrecht auf religiöse Erziehung der Kinder im Spannungsfeld von staatlichem Bildungsauftrag und Kindeswohl am Beispiel des Sexualkundeunterrichtes, a. a. O., 215 f.). Staat und Gesellschaft haben ein gewichtiges Interesse an der Sozialisierung und an der gesellschaftlichen Integration der Schüler. Der Bildung von Parallelgesellschaften soll entgegengewirkt werden. Ausserdem hat der Staat ein Interesse daran, dass der Schulbetrieb geordnet und effizient abläuft und dass sämtliche Schüler den Unterricht regelmässig besuchen. Das öffentliche Interesse an der Nichtgewährung der Dispensation vom Sexualkundeunterricht ist somit hinreichend gegeben (vgl. StGH 2012/130, Erw. 3.2.3, betreffend den Schwimmunterricht [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]).
4.2.4
Die Verpflichtung zur Teilnahme am Sexualkundeunterricht ist verhältnismässig, wenn sie geeignet, erforderlich und zumutbar ist (dazu Wolfram Höfling, Schranken der Grundrechte, in: Andreas Kley/Klaus A. Vallender [Hrsg.], Grundrechtspraxis in Liechtenstein, a. a. O., 104 f., Rz. 43).
Die Voraussetzung der Geeignetheit der grundrechtseinschränkenden Massnahme bedeutet, dass sie dazu taugt, den angestrebten Erfolg überhaupt zu erzielen. Der obligatorische Sexualkundeunterricht trägt in casu dazu bei, dass sich Kinder und Jugendliche körperlich und psychisch vor bestimmten Krankheiten oder Ausbeutung schützen können. Weiter wird mit dem obligatorischen Sexualkundeunterricht die Sozialisierungs- und Integrationsfunktion der Schule gefördert sowie dazu beigetragen, dass der Schulbetrieb geordnet und effizient abläuft. Die Teilnahmepflicht am Sexualkundeunterricht dient also den dargelegten öffentlichen Interessen und stellt daher eine geeignete Massnahme dar.
Ob die Massnahme erforderlich ist, hängt unter anderem davon ob, ob es mildere Mittel zur Erreichung des öffentlichen Interesses gibt. Im vorliegenden Fall könnte die Durchsetzung des gesundheitspolizeilichen Interesses, die Kinder und Jugendlichen z. B. vor ansteckbaren Krankheiten zu schützen, zwar durchaus auch anderweitig erzielt werden. So könnte die Beschwerdeführerin zu 3. beispielsweise den Nachweis eines privat absolvierten Sexualkundeunterrichtes erbringen. Wie von den Beschwerdeführern vorgeschlagen, könnte etwa der Kinderarzt der Beschwerdeführerin zu 3. diese diesbezüglich unterrichten. Ein Teil der Aufklärung könnte auch durch die Beschwerdeführer zu 1. und 2. selbst erfolgen. Ein Sexualkundeunterricht ausserhalb eines Klassenverbands wäre nach Auffassung des Staatsgerichtshofes in Bezug auf wesentliche Teile der Sexualkunde jedoch unzureichend. Wie der Verwaltungsgerichtshof (VGH 2013/105, Erw. 10) zu Recht festhält, muss ein Unterricht durch die Beschwerdeführer zu 1. und 2. und Dr. D immer unvollständig bleiben. Gewisse Lernziele können lediglich in einer sozialen Gemeinschaft von Gleichaltrigen, so in einer Schulklasse, vermittelt und erreicht werden. Dies gilt insbesondere für den in der 6. und 7. Schulstufe gültigen Lehrinhalt Freundschaft, Sexualität, Suchtmittel, partnerschaftlicher Umgang, Geschlechtsreife und Pubertät. Auch der Umgang mit den neuen, sich rasant verändernden Informations- und Kommunikationstechnologien, der die Gefahr sexuellen Missbrauchs birgt, lässt sich nur im Austausch mit anderen Kindern und Jugendlichen befriedigend erlernen. Der obligatorische Sexualkundeunterricht ist demnach erforderlich für die Erreichung der Sozialisierungs- und Integrationsfunktion der Schule im Sinne eines ganzheitlichen Bildungsauftrages.
Die Zulässigkeit eines Grundrechtseingriffes setzt im Zusammenhang mit der Prüfung der Zumutbarkeit voraus, dass der angestrebte Zweck im konkreten Fall in einem vernünftigen Verhältnis zur vorgesehenen Grundrechtseinschränkung steht. Konkret geht es um die Abwägung von öffentlichem und betroffenem privatem Interesse. Eine Anordnung ist unverhältnismässig, wenn deren negative Wirkungen im konkreten Fall schwerer ins Gewicht fielen als das öffentliche Interesse daran, dass die Anordnung getroffen wird (StGH 2012/130, Erw. 3.2.4 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; Ulrich Häfelin/Walter Haller/Helen Keller, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 8. Aufl., Zürich 2012, 98). Im vorliegenden Fall ist das öffentliche Interesse, dass alle Schüler den obligatorischen Sexualkundeunterricht besuchen, abzuwägen gegenüber dem Interesse der Beschwerdeführer, ihre religiösen Verhaltensregeln einhalten zu können. Mit zu berücksichtigen ist dabei das Kindeswohl (siehe Art. 3 UN-KRK).
Aufgrund des erhobenen Sachverhaltes hat der Staatsgerichtshof davon auszugehen, dass die Pflicht der Beschwerdeführerin zu 3., am schulischen Sexualkundeunterricht teilzunehmen, für die Beschwerdeführer aufgrund der Glaubensvorschriften ihrer Religionsgemeinschaft eine grosse Belastung darstellt. Die Beschwerdeführer bringen vor, im Falle einer Teilnahme am Sexualkundeunterricht drohe ihnen die Exkommunikation. Die Plausibilität dieser Aussage ist im Vorverfahren nicht in Frage gestellt worden. Dem religiös neutralen Staat ist es verwehrt, die Bedeutung einer religiösen Vorschrift und damit ihr Gewicht bei der Interessenabwägung selber festzustellen. Die staatlichen Organe haben hier vielmehr von der Bedeutung auszugehen, welche die religiöse Norm für die Beschwerdeführer hat (vgl. BGE 135 I 79, Erw. 4.4). Da der religiös neutrale Staat Glaubensregeln nicht auf ihre theologische Richtigkeit überprüfen kann, hat er vorliegend auch nicht näher zu untersuchen, ob den Beschwerdeführern bei einer Teilnahme ihrer Kinder am schulischen Sexualkundeunterricht tatsächlich eine Exkommunikation drohe. Die Verweigerung der Dispensation vom Sexualkundeunterricht kann die Beschwerdeführer folglich grundsätzlich wie der obligatorische Schwimmunterricht in die schwierige Lage bringen, entweder einem staatlichen oder einem religiösen Gebot zuwiderhandeln zu müssen, und bei der Beschwerdeführerin zu 3. einen das Kindeswohl tangierenden Loyalitätskonflikt auslösen. Dass es sich beim obligatorischen Sexualkundeunterricht, wie von den Beschwerdeführern vorgebracht, um einen weitaus gravierenderen Eingriff in die Religionsfreiheit handeln soll als beim zwingenden Schwimmunterricht, ist für den Staatsgerichtshof jedoch nicht nachvollziehbar. Wie der Verwaltungsgerichtshof im gegenständlich angefochtenen Urteil festhält, ist es im Unterschied zum Schwimmunterricht sehr wohl zulässig, dass Mitglieder der Glaubensgemeinschaft, der die Beschwerdeführer angehören, in Sexualkunde unterrichtet werden. Während Schwimmunterricht für die Beschwerdeführer völlig unzulässig ist, ist Sexualkundeunterricht normal, wenn auch nicht in der Schule, sondern in der Familie.
Angesichts des öffentlichen Interesses an der Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht kommt dem unter den staatlichen Bildungsauftrag fallenden obligatorischen Sexualkundeunterricht (siehe Urteil des EGMR vom 13. September 2011, Dojan und andere gegen Deutschland, Individualbeschwerde Nr. 319/08 [deutsche Übersetzung], Erw. 2; dazu Bernhard Ehrenzeller, Das Elternrecht auf religiöse Erziehung der Kinder im Spannungsfeld von staatlichem Bildungsauftrag und Kindeswohl am Beispiel des Sexualkundeunterrichtes, a. a. O., 213) grundsätzlich der Vorrang vor der Einhaltung religiöser Vorschriften zu (vgl. StGH 2012/130, Erw. 3.2.4 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; siehe auch Herbert Wille, Glaubens-, Gewissens- und Kultusfreiheit, a. a. O., 189, Rz. 42; dazu auch Bernhard Ehrenzeller, Das Elternrecht auf religiöse Erziehung der Kinder im Spannungsfeld von staatlichem Bildungsauftrag und Kindeswohl am Beispiel des Sexualkundeunterrichtes, a. a. O., 209). Im Gegensatz zum Fall, der der Entscheidung StGH 2012/130 zugrunde lag und den obligatorischen Schwimmunterricht betraf, ist nach Auffassung des Staatsgerichtshofes vorliegend von diesem Grundsatz nicht abzuweichen. Im Unterschied zum Schwimmunterricht, der eine Form der sportlichen Erziehung und Betätigung betrifft, erfasst die Sexualkunde breite Bereiche des menschlichen Lebens und damit der Persönlichkeitsentwicklung. Zudem ist bei einer Dispensation vom Schwimmunterricht keine ernsthafte Beeinträchtigung des ordentlichen und effizienten Schulbetriebes zu befürchten. Im Gegensatz dazu käme es - wie vom Verwaltungsgerichtshof zu Recht festgehalten - bei einer Dispensation vom Sexualkundeunterricht zu schulorganisatorischen Unzulänglichkeiten. Immer dann, wenn in der Schule ein Thema behandelt wird, in welchem es auch um das Geschlechtliche von Mann und Frau geht, würde und müsste sich die Beschwerdeführerin zu 3. aus dem Unterricht - vorübergehend - entfernen. Dieses Verlassen des Unterrichtes würde sich nicht auf einzelne im Vorhinein bestimmbare Unterrichtsstunden beziehen, sondern sich immer wieder in verschiedensten Unterrichtsstunden ergeben (siehe VGH 2013/105, Erw. 10). Daran ändert auch das Vorbringen der Beschwerdeführer nichts, organisatorisch sei die Befreiung schon aufgrund der Jahrzehnte langen Praxis offensichtlich auch ohne weiteres möglich. Auch ein Loyalitätskonflikt der Beschwerdeführerin zu 3. kann deshalb nicht verhindern, dass im gegenständlichen Fall, wo es um den obligatorischen Sexualkundeunterricht geht, das öffentliche Interesse am staatlichen Bildungsauftrag schwerer zu gewichten ist als das elterliche Recht auf religiöse Erziehung ihrer Kinder, das aus der Religionsfreiheit der Eltern fliesst (siehe Art. 18 Abs. 4 UNO-Pakt II; Bernhard Ehrenzeller, Das Elternrecht auf religiöse Erziehung der Kinder im Spannungsfeld von staatlichem Bildungsauftrag und Kindeswohl am Beispiel des Sexualkundeunterrichtes, a. a. O., 205). Diese Gewichtung dient letztlich der Verwirklichung des Kindeswohls. Der Staatsgerichtshof hat in seinem Entscheid betreffend den Schwimmunterricht denn auch festgehalten, dass sich die Dispensation nur auf diesen beziehe. Zur Befreiung von anderem Unterricht hat sich der Staatsgerichtshof dabei nicht geäussert (siehe StGH 2012/130, Erw. 3.2.4 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]). Der Glaubens- und Gewissensfreiheit der Beschwerdeführer kann dadurch gerecht werden, dass im schulischen Sexualkundeunterricht gewisse Vorgaben und Grenzen beachtet werden. So hat gemäss der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte der Staat dafür zu sorgen, dass "[...] die im Lehrplan enthaltenen Informationen und Kenntnisse in einer sachlichen, kritischen und pluralistischen Weise vermittelt werden. Dem Staat ist es untersagt, eine Indoktrinierungsabsicht zu verfolgen, die als Nichtbeachtung der religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen der Eltern angesehen werden könnte" (Urteil im Fall Dojan und andere gegen Deutschland, a. a. O., Erw. 2 [zum zweiten Satz von Art. 2 des Zusatzprotokolls Nr. 1 zur EMRK, LGBl. 1995 Nr. 208, in Verbindung mit Art. 8 bis 10 EMRK] wie auch im Urteil "Lausi" der Grossen Kammer vom 18. März 2011 [appl. No. 30814/06]; dazu Bernhard Ehrenzeller, Das Elternrecht auf religiöse Erziehung der Kinder im Spannungsfeld von staatlichem Bildungsauftrag und Kindeswohl am Beispiel des Sexualkundeunterrichtes, a. a. O., 212 f.).
4.3
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen kommt der Staatsgerichtshof zum Schluss, dass die Beschwerdeführer durch das angefochtene Urteil in ihrem Anspruch auf Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit nach Art. 37 LV und Art. 9 EMRK nicht verletzt sind.
5.
Die Beschwerdeführer machen in Bezug auf die angebliche Verletzung des Anspruchs auf rechtsgleiche Behandlung geltend, während langjähriger Praxis hätten die zuständigen Behörden die religiösen Verpflichtungen der Beschwerdeführer respektiert. Gegenständlich sei die neue Praxis, wonach aus religiösen Gründen keine Dispensation vom Sexualkundeunterricht mehr gewährt werde, nicht überzeugender als die alte und lägen keine triftigen Gründe für diese Praxisänderung vor. Die Schulbesuchspflicht, die gesetzlichen Rechtfertigungsgründe, Art. 21 Abs. 7 SchulOV, der Lehrplan und die lehrplanmässigen Lernziele, mit denen die Praxisänderung und der Widerruf der "Vereinbarung" vom 25. September 2009 begründet würden, hätten bereits vor der Praxisänderung und dem Widerruf dieser Vereinbarung bestanden. Zudem falle eine Dispensation vom Sexualkundeunterricht aus religiösen Gründen nicht unter Art. 21 Abs. 7 SchulOV. Unter der genannten "Vereinbarung" verstehen die Beschwerdeführer das von ihnen vorgebrachte Gesprächsprotokoll der "zuständigen Schulbehörden" vom 25. September 2009, wonach die Beschwerdeführer zu 1. und 2. ihre Kinder selbst in der Sexualkunde unterrichten dürfen bzw. ihre Kinder nicht am Sexualkundeunterricht teilnehmen müssen.
Die Beschwerdeführer machen zudem geltend, der Verwaltungsgerichtshof habe mit weiterem Urteil vom 21. Februar 2014 zu VGH 2013/134, VGH 2013/131, VGH 2013/133 und VGH 2013/135, den Beschwerden der Beschwerdeführer Folge gegeben und die angefochtenen Entscheidungen dahingehend abgeändert, dass die Beschwerdeführerin zu 3. (und die jeweils anderen Beschwerdeführer) vom Schwimmunterricht dispensiert würde. Im Gegensatz hierzu sei mit dem nunmehr gegenständlich angefochtenen Urteil die Verweigerung der Dispensation vom Sexualkundeunterricht bestätigt worden. Somit seien die Beschwerdeführer im vorliegend angefochtenen Urteil des Verwaltungsgerichtshofes (VGH 2013/105: keine Dispensation vom Sexualkundeunterricht) im Vergleich zum weiteren Urteil des Verwaltungsgerichtshofes vom 21. Februar 2014 (VGH 2013/134, VGH 2013/131, VGH 2013/133 und VGH 2013/135: Dispensation vom Schwimmunterricht) ungleich behandelt worden, obwohl für diese ungleiche Praxis keine ausreichenden Gründe vorlägen.
5.1
Nach der ständigen Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes steht eine Praxisa¨nderung in einem offensichtlichen Spannungsverha¨ltnis zum Gleichheitssatz der Verfassung und zum Rechtssicherheitsinteresse. Allerdings verstösst eine sachlich begründete Praxisänderung nicht gegen das Gleichheitsgebot, ausser es bestünden Anzeichen dafür, dass die Behörde die neue Praxis nicht konsequent anwendet bzw. anzuwenden beabsichtigt (StGH 2013/5, Erw. 2.3; StGH 2008/2, Erw. 4; StGH 2007/106, Erw. 3.2 [alle im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; StGH 1998/47, LES 2001, 73 [79, Erw. 3.2]; vgl. auch Tobias Michael Wille, Begründungspflicht, in: Andreas Kley/Klaus A. Vallender [Hrsg.], Grundrechtspraxis in Liechtenstein, a. a. O., 546 ff., Rz. 7). Die zur Rechtfertigung einer Praxisänderung erforderlichen sachlichen Gründe sind nach Auffassung des Staatsgerichtshofes nicht schon dann gegeben, wenn die neue Praxis bloss vertretbar ist und somit für sich gesehen vor dem Willkürverbot standhält. Vielmehr ist den Anforderungen des Gleichheitssatzes der Verfassung an eine Praxisänderung nur dann Genüge getan, wenn die bisherige Praxis insgesamt weniger überzeugt als die neue. Anderenfalls überwiegt das Interesse an einer konstanten Rechtsprechung (StGH 2003/33, Erw. 2.2; StGH 2004/49, Erw. 2.2; siehe auch Andreas Kley/Hugo Vogt, Rechtsgleichheit und Grundsatz von Treu und Glauben, in: Andreas Kley/Klaus A. Vallender [Hrsg.], Grundrechtspraxis in Liechtenstein, 272 ff., Rz. 39 ff.). Hat sich die Rechtslage geändert und richtet sich die neue Praxis an dieser aus, liegt gar keine Praxisänderung vor. Denn aufgrund des Legalitätsprinzips muss sich die Praxis am jeweils geltenden Recht orientieren (StGH 1980/4, LES 1981, 185 (186); Andreas Kley/Hugo Vogt, Rechtsgleichheit und Grundsatz von Treu und Glauben, in: Andreas Kley/Klaus A. Vallender [Hrsg.], Grundrechtspraxis in Liechtenstein, a. a. O., 274, Rz. 42).
Soweit im gegenständlichen Fall tatsächlich eine neue Praxis des Schulamtes (Bestätigung dieser Praxis im gegenständlich angefochtenen Urteil des Verwaltungsgerichtshofes) vorliegt, wird diese mit der neuen, mit LGBl. 2010 Nr. 281 eingeführten Bestimmung von Art. 21 Abs. 7 SchulOV begründet (VGH 2013/105, Erw. 5). Art. 21 Abs. 7 SchulOV bestimmt, dass Dispensationen zum Zweck der Befreiung von lehrplanmässigen Lernzielen unzulässig sind. Wie oben dargelegt, ist der Sexualkundeunterricht Teil des Fachbereichs "Mensch und Umwelt". Er dient dem Ziel, dass die Schülerinnen und Schüler den menschlichen Körper kennenlernen und lernen, verantwortungsbewusst mit ihm umzugehen (Richtziel des Teilbereichs Realien, Lehrplan für das Fürstentum Liechtenstein, S. 12). Weiter dient der Sexualkundeunterricht den Richtzielen des Teilbereichs Lebenskunde, etwa dem Ziel, dass die Schülerinnen und Schüler die Grundlage ihres Daseins erkennen und die körperliche Integrität von sich selbst und von anderen respektieren (Lehrplan, S. 10). Die Kenntnisse, die im Sexualkundeunterricht vermittelt werden, fallen folglich unter die lehrplanmässigen Lernziele im Sinne von Art. 21 Abs. 7 SchulOV. Diese Norm, die die allgemeine Schulpflicht nach Art. 16 Abs. 2 LV konkretisiert, bildet somit - in Verbindung mit dem Lehrplan (siehe dazu Erw. 4.2.2) - gegenständlich die die Praxis wegleitende gesetzliche Grundlage für die Verweigerung der Dispensation vom Sexualkundeunterricht. Da Art. 21 Abs. 7 SchulOV erst im Jahr 2010 eingeführt wurde (LGBl. 2010 Nr. 281) und somit erst nach der von den Beschwerdeführern vorgebrachten "Vereinbarung" der Beschwerdeführer zu 1. und 2. mit den zuständigen Schulbehörden vom 25. September 2009, ist die von den Beschwerdeführern geltend gemachte neue Praxis jedenfalls durch die geänderte Rechtslage bedingt und stellt daher, unter dem Gebot der Gleichbehandlung, gar keine Praxisänderung dar.
5.2
Hinsichtlich der weiteren Rüge der ungleichen Behandlung ist Folgendes zu erwägen:
Nach der Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes verlangt der Gleichheitssatz, dass Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit gleich, Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich behandelt wird (StGH 2012/128, Erw. 3.4 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; StGH 2012/48, Erw. 3.1). Der hier betroffene allgemeine Gleichheitssatz gemäss Art. 31 Abs. 1 LV verbietet damit die unterschiedliche Behandlung gleicher tatsächlicher Situationen oder die Gleichbehandlung wesentlich differierender Sachverhalte (StGH 2011/121, Erw. 2.1; StGH 2008/45, Erw. 5.1; StGH 2002/20, Erw. 2.2 [alle im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li] mit Verweis auf Wolfram Höfling, Die liechtensteinische Grundrechtsordnung, a. a. O., 206; siehe auch Andreas Kley/Hugo Vogt, Rechtsgleichheit und Grundsatz von Treu und Glauben, a. a. O., 255, Rz. 10). Nach der ständigen Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes kann bei der Prüfung einer Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes im Bereich der Rechtsanwendung der Gleichheitsgrundsatz bzw. das Gleichheitsgebot anders als das Willkürverbot überhaupt nur dann betroffen sein, wenn zwischen (zumindest) zwei konkreten Fällen verglichen werden kann. Bei der Beurteilung eines Einzelfalls kann daher höchstens Willkür vorliegen (StGH 1998/45, LES 2000, 1 [5 f., Erw. 4.1]; StGH 1998/65, LES 2000, 8 [10 f., Erw. 2.2]; StGH 2002/87, LES 2005, 269 [280, Erw. 2.1]; StGH 2003/70, Erw. 2.1; StGH 2005/84, Erw. 3; StGH 2007/112, Erw. 3.1 [alle im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; StGH 2008/41, Erw. 3.1; vgl. dazu auch Hilmar Hoch, Schwerpunkte in der Entwicklung der Grundrechtssprechung des Staatsgerichtshofes, in: Herbert Wille [Hrsg.], Verfassungsgerichtsbarkeit im Fürstentum Liechtenstein, LPS Bd. 32, Vaduz 2001, 76 f.; kritisch zu dieser Rechtsprechung Hugo Vogt, Das Willkürverbot und der Gleichheitsgrundsatz in der Rechtsprechung des liechtensteinischen Staatsgerichtshofes, LPS Bd. 44, Schaan 2008, 218 ff.).
Wie von den Beschwerdeführern vorgebracht, hat der Verwaltungsgerichtshof mit weiterem Urteil vom 21. Februar 2014 zu VGH 2013/134, VGH 2013/131, VGH 2013/133 und VGH 2013/135, entschieden, die Beschwerdeführerin zu 3. und ihre drei ebenfalls schulpflichtigen, minderjährigen Geschwister vom Schwimmunterricht zu dispensieren. Verlangt wird dabei weder eine Schwimmprüfung noch ein alljährliches neues Dispensationsgesuch (VGH 2013/134, VGH 2013/131, VGH 2013/133 und VGH 2013/135, Erw. 5 f.). Diese Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes erfolgte unter Berücksichtigung des Urteils des Staatsgerichtshofes vom 29. Oktober 2012 zu StGH 2012/130. Der Staatsgerichtshof hat zu prüfen, ob in diesen Vergleichsfällen und dem gegenständlichen Fall gleiche tatsächliche Situationen vorliegen, die eine unterschiedliche Behandlung verbieten. Eine unterschiedliche Behandlung liegt insofern vor, als in den genannten Vergleichsfällen aus religiösen Gründen eine Dispensation vom Schulunterricht gewährt wurde, während sie im vorliegenden Fall verweigert wurde.
Auf die tatsächlichen Unterschiede zwischen dem obligatorischen Schwimm- und dem obligatorischen Sexualkundeunterricht bezogen auf den Bildungsauftrag, die Lernziele sowie auf die Schulorganisation ist oben (Erw. 4.2.4) hinlänglich eingegangen worden. Der beim obligatorischen Sexualkundeunterricht zu befürchtende Loyalitätskonflikt der Beschwerdeführerin zu 3., d. h. der Zwang, entweder einem staatlichen oder einem religiösen Gebot zuwiderhandeln zu müssen, dürfte grundsätzlich der gleiche sein wie beim obligatorischen schulischen Schwimmunterricht.
Die Unterschiede zwischen dem Schwimmunterricht und dem Sexualkundeunterricht rechtfertigen es nach Auffassung des Staatsgerichtshofes, hinsichtlich des Sexualkundeunterrichtes und im Gegensatz zum Schwimmunterricht das öffentliche Interesse an einem Besuch des obligatorischen Unterrichtes durch sämtliche Schüler schwerer zu gewichten als das Interesse der Beschwerdeführer, ihre religiösen Verhaltensregeln einhalten zu können. Die ungleiche Behandlung ist somit sachlich begründet und eine Verweigerung der Dispensation vom Sexualkundeunterricht gerechtfertigt.
5.3
Aufgrund dieser Erwägungen ist nach Auffassung des Staatsgerichtshofes eine Verletzung des Anspruchs der Beschwerdeführer auf rechtsgleiche Behandlung gemäss Art. 31 Abs. 1 LV nicht ersichtlich.
6.
Die Beschwerdeführer machen in Bezug auf die angebliche Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben geltend, dieser Grundsatz bedeute eine Verpflichtung zu korrektem, rücksichtsvollem und vertrauenswürdigem Verhalten zwischen Bürger und Staat. Im gegenständlichen Fall hätten sich die Behörden gemäss dem Grundsatz von Treu und Glauben an die mit den Beschwerdeführern geschlossene "Vereinbarung" vom 25. September 2009 zu halten.
Dieses Vorbringen tangiert in erster Linie den in Art. 2 Abs. 1 PGR und SR für das Zivilrecht explizit normierten Grundsatz von Treu und Glauben bzw. den daraus abgeleiteten Vertrauensgrundsatz, der nach ständiger Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes auch für das öffentliche Recht gilt. Zwar kann diesem Grundsatz nur in beschränktem Masse Grundrechtscharakter zugesprochen werden, doch verletzen klare Verstösse dagegen das Willkürverbot (StGH 1991/6, LES 1992, 93 [95]; StGH 2001/72, LES 2005, 74 [78 f., Erw. 2.1]; StGH 2007/53, Erw. 2.1; StGH 2007/112, Erw. 5.1; StGH 2011/63, Erw. 3.1 [alle im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; StGH 2012/129, Erw. 2.1).
Gemäss der Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes hat der Grundsatz von Treu und Glauben bzw. des Vertrauensschutzes im Rahmen des Willkürverbots nur dann eine eigenständige Bedeutung, wenn eine individuelle Vertrauensposition zu schützen ist. Fehlt eine solche individuelle Vertrauensposition, so beschränkt sich der verfassungsgerichtliche Schutz bloss auf eine Kontrolle im Rahmen des groben Willkürrasters (StGH 2011/64, Erw. 3.1; StGH 2007/112, Erw. 5.1 f.; StGH 2007/53, Erw. 2.1 [alle im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; StGH 2002/87, LES 2005, 269 [280, Erw. 2.2]; StGH 2002/32, Erw. 2.1; StGH 1997/30, LES 2002, 124 [127, Erw. 5], jeweils mit Verweis auf Wolfram Höfling, Die liechtensteinische Grundrechtsordnung, a. a. O., 226).
Vorliegend liegt keine solche Vertrauensposition vor. Bei dem von den Beschwerdeführern als "Vereinbarung" bezeichneten Dokument handelt es sich um ein "Gesprächsprotokoll" der Unterredung der Schulbehörde mit den Beschwerdeführern zu 1. und 2., worin festgehalten wird, dass hinsichtlich der Sexualkunde die Eltern von der Lehrperson vorgängig darüber informiert würden, dass dieses Thema behandelt werde, und diese befugt seien, ihre Kinder in dieser Sache selbst zu unterrichten bzw. die Kinder nicht am Sexualkundeunterricht teilnehmen müssten. Dieses Gesprächsprotokoll hält den Dispensationsentscheid der Behörden in Bezug auf den Sexualkundeunterricht der Kinder der Beschwerdeführer fest, mithin die damals eingeschlagene Praxis. Es ist keine individuelle Zusicherung erfolgt, dass diese Dispensationspraxis auch in Zukunft nicht geändert werde. Wie oben (Erw. 5.1) dargetan, hatte die Schulbehörde angesichts der veränderten Rechtsgrundlage für Dispensationen vom Schulunterricht gute Gründe, ja war geradezu gehalten, ihre bisherige grosszügigere Praxis neu zu bestimmen. In dieser Praxisänderung liegt keine Verletzung einer Vertrauensposition.
Der Staatsgerichtshof kommt daher zum Schluss, dass gegenständlich keine Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben vorliegt.
7.
Die Beschwerdeführer machen in Bezug auf die angebliche Verletzung des Anspruchs auf Begründung gemäss Art. 83 Abs. 3 LVG und Art. 43 LV geltend, an eine Praxisänderung würden erhöhte Anforderungen betreffend die Begründung gestellt. Die Vorinstanzen hätten deshalb die Praxisänderung, d. h. die neue Praxis, wonach aus religiösen Gründen keine Dispensation vom Sexualkundeunterricht mehr gewährt werde, ausführlicher begründen müssen. Weiter machen die Beschwerdeführer geltend, die Behörden hätten sich gemäss dem Grundsatz von Treu und Glauben an die mit den Beschwerdeführern geschlossene Vereinbarung vom 25. September 2009 zu halten. Die Vorinstanzen und insbesondere der Verwaltungsgerichtshof hätten nicht (genügend) begründet, weshalb keine Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben vorliege.
Nach ständiger Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes ist wesentlicher Zweck der Begründungspflicht gemäss Art. 43 LV, dass der von einer Verfügung oder Entscheidung Betroffene deren Stichhaltigkeit überprüfen und sich gegen eine fehlerhafte Begründung wehren kann. Allerdings wird der Umfang des grundrechtlichen Begründungsanspruchs durch die Aspekte der Angemessenheit und Verfahrensökonomie begrenzt. Ein genereller Anspruch auf ausführliche Begründung existiert nicht (siehe StGH 2006/19, LES 2008, 1 [6, Erw. 3.1]; StGH 2005/67, LES 2007, 414 [417 f., Erw. 4.1]). Die grundrechtliche Begründungspflicht beinhaltet nämlich nur einen Minimalanspruch auf Begründung. Entsprechend verletzt es die verfassungsmässige Begründungspflicht nicht, wenn Offensichtliches von der entscheidenden Behörde nicht näher begründet wird (StGH 2005/9, Erw. 6 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; StGH 1998/44, Jus & News 1999/1, 28 [32, Erw. 3.2]). Nur wenn in einem entscheidungsrelevanten Punkt eine nachvollziehbare Begründung gänzlich fehlt oder eine blosse Scheinbegründung vorliegt, ist dieses Grundrecht verletzt (StGH 2005/25, Erw. 3; vgl. auch StGH 2010/158, Erw. 5.2; StGH 2005/11, Erw. 4.1; StGH 2005/9, Erw. 6 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; StGH 1995/21, LES 1997, 18 [27, Erw. 4.3]; siehe auch Tobias Michael Wille, Begründungspflicht, in: Andreas Kley/Klaus A. Vallender [Hrsg.], Grundrechtspraxis in Liechtenstein, LPS Bd. 52, Schaan 2012, 554 ff., Rz. 16).
Im gegenständlichen Fall hat sich der Verwaltungsgerichtshof mit dem Vorbringen der Beschwerdeführer im Einzelnen auseinandergesetzt und nachvollziehbar begründet, dass aus seiner Sicht die Verweigerung der Dispensation vom Sexualkundeunterricht aufgrund des neuen Art. 21 Abs. 7 SchulOV weder eine unzulässige Praxisänderung noch eine Verletzung des Grundsatzes von Treu und Glauben darstellt (VGH 2013/105, Erw. 5). Diese Argumentation des Verwaltungsgerichtshofes stellt im Lichte von Art. 43 LV eine, in einzelnen Punkten vielleicht etwas knappe, jedoch ausreichende Begründung dar.
Aufgrund dieser Erwägungen kommt der Staatsgerichtshof zum Schluss, dass vorliegend der Anspruch auf Begründung nach Art. 43 LV nicht verletzt ist.
8.
Schliesslich machen die Beschwerdeführer in Bezug auf die angebliche Verletzung des Willkürverbots geltend, der Verwaltungsgerichtshof hätte infolge des Vorbringens der Beschwerdeführer und der Untersuchungsmaxime feststellen müssen, dass in der Praxis ein Sexualkundeunterricht in der Regel blockweise stattfinde. Ob ein blockweiser Sexualkundeunterricht bestehe oder nicht, sei insbesondere für die Beurteilung der "schulorganisatorischen Unzulänglichkeiten" und damit für die Verhältnismässigkeitsprüfung relevant.
Ferner sei es willkürlich, wenn die verfahrensgegenständliche religiöse Ausrichtung der Kinder nicht als gerechtfertigte Gründe für das Fernbleiben des Schülers vom Sexualkundeunterricht gemäss Art. 83 Abs. 2 SchulG und Art. 21 Abs. 1 SchulOV erachtet würde. Willkürlich sei dies insbesondere angesichts der drohenden Exkommunikation und der belastenden Situation für die Beschwerdeführerin zu 3.
8.1
Der Staatsgerichtshof anerkennt das Willkürverbot als eigenständiges ungeschriebenes Grundrecht (StGH 2003/35, Erw. 3.1 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; StGH 1998/45, LES 2000, 1 [5 f., Erw. 4 ff.]). Das Willkürverbot stellt nach der Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes jedoch ein blosses Auffanggrundrecht dar, wobei die Schwelle für eine Verletzung dieses Grundrechts hoch anzusetzen ist (StGH 2007/137, Erw. 2.3 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]). Eine Verletzung des Willkürverbots wird nicht schon dann angenommen, wenn eine Entscheidung als unrichtig zu qualifizieren ist. Die Verfassungsmässigkeit ist gewahrt, wenn sich die Entscheidung auf vertretbare Gründe stützt. Wenn allerdings eine Entscheidung sachlich nicht zu begründen, nicht vertretbar bzw. stossend ist, liegt Willkür vor (StGH 2010/77, Erw. 5 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; StGH 1995/28, LES 1998, 6 [11, Erw. 2.2]; StGH 2002/71, Erw. 3.1; StGH 2003/75, LES 2006, 86 [88, Erw. 2.1]; StGH 2007/130, LES 2009, 6 [8, Erw. 2.1]; StGH 2009/48, Erw. 2.1 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]). Im Weiteren ist eine Entscheidung in der Regel nur dann willkürlich, wenn sie auch im Ergebnis willkürlich ist, nicht schon, wenn sie auf einer unhaltbaren Begründung beruht (StGH 2007/137, Erw. 2.4 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; StGH 2002/78, Erw. 3.5; StGH 2001/58, Erw. 2.3). In seiner Funktion als Auffanggrundrecht soll das Willkürverbot gewissermassen die letzte Verteidigungslinie des Rechts gegenüber derart offensichtlichem Unrecht sein, dass es in einem modernen Rechtsstaat nicht zu tolerieren ist (StGH 2007/137, Erw. 2.3 [im Internet abrufbar unter www.gerichtsentscheide.li]; StGH 1995/28, LES 1998, 6 [11, Erw. 2.2]; StGH 2001/72, LES 2005, 74 [79, Erw. 3.1]).
8.2
Hinsichtlich des Vorbringens der Beschwerdeführer, die mangelnde Feststellung, ob der Sexualkundeunterricht in der Regel blockweise stattfinde, ist den Beschwerdeführern beizupflichten, dass dieser tatsächlichen Frage eine gewisse Bedeutung zukommt. Sie ist auch, als ein Element, in die Interessenabwägung eingeflossen. Angesichts der thematischen Breite der auf den Lehrplan abgestützten Sexualkunde ist es nach Auffassung des Staatsgerichtshofes jedoch nicht stossend, sondern nachvollziehbar, wenn der Verwaltungsgerichtshof implizit davon ausgeht, dass die Sexualkunde nicht auf einzelne bestimmte Unterrichtsstunden beschränkt ist und somit ein reiner Blockunterricht den Anforderungen dieses Faches nicht gerecht wird.
Hinsichtlich des Vorbringens der Beschwerdeführer, es sei willkürlich, die religiöse Ausrichtung der Beschwerdeführerin zu 3. nicht als gesundheitlichen oder anderen wichtigen Grund im Sinne von Art. 21 Abs. 1 SchulOV, der eine Dispensation vom Sexualkundeunterricht rechtfertigen würde, zu betrachten, ist Folgendes zu beachten: Art. 21 Abs. 1 SchulOV bestimmt ausdrücklich, dass Schüler "vorbehaltlich Abs. 7" vom Unterricht dispensiert werden. Der somit vorgehende Abs. 7 von Art. 21 SchulOV bestimmt, dass Dispensationen zum Zweck der Befreiung von lehrplanmässigen Lernzielen unzulässig sind. Wie eingehend dargelegt, dient der Sexualkundeunterricht klarerweise einem lehrplanmässigen Ziel. Eine Verweigerung von Dispensationen vom Sexualkundeunterricht stellt somit keine willkürliche Auslegung der gesetzlichen Grundlage dar.
8.3
Eine Verletzung des Willkürverbots ist somit vorliegend nicht ersichtlich.
9.
Aufgrund all dieser Erwägungen sind die Beschwerdeführer in keinem von ihnen geltend gemachten verfassungsmässig und durch die EMRK gewährleisteten Recht verletzt worden, sodass ihrer Individualbeschwerde spruchgemäss keine Folge zu geben war.
10.
Die den Beschwerdeführern auferlegten Gerichtskosten im Gesamtbetrag von CHF 1'020.00 setzen sich aus der gegenständlichen Urteilsgebühr in Höhe von CHF 680.00 (Art. 56 Abs. 1 StGHG i. V. m. Art. 19 Abs. 1 und Abs. 5 GGG) sowie aus der Beschlussgebühr für den Präsidialbeschluss vom 31. März 2014 betreffend die Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung im Betrage von CHF 340.00 (Art. 56 Abs. 1 StGHG i. V. m. Art. 24 Abs. 1 und Abs. 3 GGG) zusammen. Im erwähnten Präsidialbeschluss wurde die Auferlegung der Verfahrenskosten gemäss ständiger Praxis des Staatsgerichtshofes vom Ausgang des Hauptverfahrens abhängig gemacht. Nachdem der Individualbeschwerde keine Folge gegeben wird, sind den Beschwerdeführern nunmehr auch diese Kosten aufzuerlegen.