02 CG.2013.496
OGH.2019.110
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07.02.2020
OGH
Urteil
Sprüche: - nicht vergeben -
02 CG. 2013.496
OGH. 2019.110
U R T E I L
Der Fürstliche Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht durch seinen ersten Senat unter dem Vorsitz des Präsidenten Univ. Prof. Dr. Hubertus Schumacher sowie die OberstrichterIn Dr. Wolfram Purtscheller, Dr. Marie-Theres Frick, Dr. Thomas Hasler und lic. iur. Thomas Ritter als weitere Mitglieder des Senats, ferner im Beisein der Schriftführerin Astrid Wanger in der Rechtssache der klagenden Partei Dr. A, vertreten durch B, gegen die beklagte Partei C Versicherungs-Gesellschaft AG, ***, vertreten durch D, wegen Leistung (Streitinteresse: CHF 181'923.00) s.A., über die Revision der beklagten Partei gegen das Urteil des Fürstlichen Obergerichts vom 27.06.2019, 02 CG.2013.496-113, in der Fassung des Berichtigungsbeschlusses vom 14.11.2019, 02 CG.2013.496-121, mit dem das Urteil des Fürstlichen Landgerichts vom 16.03.2019, 02 CG.2013.496-105, teilweise abgeändert wurde, in nicht öffentlicher Sitzung zu Recht erkannt:
 
Der Revision wird k e i n e Folge gegeben.
Die beklagte Partei ist schuldig, der klagenden Partei binnen 4 Wochen die mit CHF 4'326.00 bestimmten Kosten des Revisionsverfahrens zu ersetzen.
T a t b e s t a n d:
1.
Der Kläger war über seine Arbeitgeberin, die Stiftung E in Vaduz, bei der F Versicherungs-Gesellschaft AG, der Rechtsvorgängerin der Beklagten, obligatorisch gegen Unfall versichert. Am 08. März 2000 ist der Kläger in *** (Österreich) beim Skifahren ohne Fremdverschulden zu Sturz gekommen und dabei insbesondere mit dem Kopf sowie dem Rücken aufgeprallt. Für diesen Nichtbetriebsunfall leistete die F Versicherungs-Gesellschaft AG dem Kläger nach Einholung eines neurologischen Gutachtens bei Prof. Dr. G mit Verfügung vom 30.11.2001 eine Invalidenrente von 18% und eine Integritätsentschädigung von 20% nach dem UVersG. Gleichzeitig wurde der Fall von der Versicherung abgeschlossen. Die Invalidenrente wurde in der Folge mit Genehmigung des Amts für Volkswirtschaft vom 23.01.2012 ausgekauft.
2.
Der Kläger machte nach mehrfacher Modifikation des Klagebegehrens sowie Klagseinschränkung und Klagsausdehnung zuletzt eine Invalidenrente von jeweils monatlich CHF 2'301.06 für den Zeitraum Juni 2008 bis einschliesslich August 2008, von CHF 2'278.40 für den Monat September 2008, von CHF 4'458.30 von Oktober 2008 bis einschliesslich Dezember 2010, von CHF 5'896.46 von Januar 2011 bis einschliesslich Juli 2014 zuzüglich 5% Staffelzinsen sowie ab August 2014 eine lebenslange monatliche Invalidenrente von CHF 5'896.46 samt 5% Zinsen ab dem jeweiligen Fälligkeitstag sowie die Zahlung einer Integritätsentschädigung von CHF 42'720.00 geltend. Darüber hinaus erhob er ein Eventualbegehren, das nicht mehr Gegenstand dieses Verfahrens ist.
Dazu brachte der Kläger zusammengefasst vor, er leide an objektiv nachweisbaren Cluster-Kopfschmerzen. Diese seien zwar in die seinerzeit vorgenommene Berentung miteinbezogen worden, allerdings bei der Bewertung des Invaliditätsgrades nicht erfasst worden, da sie damals offensichtlich noch keine massgeblichen Auswirkungen auf die Arbeitsunfähigkeit des Klägers gehabt hätten. Der Gesundheitszustand des Klägers habe sich jedoch inzwischen (insbesondere seit dem Jahr 2008) erheblich verschlechtert. Die konzentriert benötigte Cortisonbehandlung verdeutliche, dass es dem Kläger aufgrund der auftretenden Schmerzattacken und der Intensivbehandlung nicht mehr möglich sei, eine Tätigkeit in einer anspruchsvollen Leistungsposition auszuführen. Im seinerzeitigen Verfügungszeitpunkt hätten die Kopfschmerzen im Gegensatz zu heute noch zu keiner erheblichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit geführt. Aufgrund der zwischenzeitlichen erheblichen Veränderungen bei der Beeinträchtigung der Arbeits- bzw Erwerbsfähigkeit sei die nunmehr beantragte Revision nach Art 22 Abs 1 UVersG gerechtfertigt. Im Rahmen der vorzunehmenden Adäquanzbeurteilung, eventualiter auch nach den von der Rechtsprechung geprägten sieben Adäquanzkriterien, sei das damalige Unfallereignis an sich als schwerer Unfall zu werten (Kollisionsgeschwindigkeit über 50 km/h, Aufprall ohne Helm, Auftreten einer HWS-Distorsion). Damit bedürfe es keiner Adäquanzprüfung. Diese sei aber von der Beklagten ohnehin bereits positiv erledigt worden. Inzwischen sei unfallbedingt eine vollständige Arbeitsunfähigkeit des Klägers eingetreten. Es bestünden massive Beschwerden, die fortgesetzte spezifische sowie sehr belastende ärztliche und medikamentöse Behandlungen erforderten. Die Schwere und die besondere Art der erlittenen Verletzungen sowie der mit Komplikationen behaftete Heilungsverlauf in Verbindung mit den besonderen dramatischen Begleitumständen und der besonderen Eindrücklichkeit des Unfallgeschehens rechtfertigten das erhobene Begehren. Die nunmehr bestehende Arbeitsunfähigkeit sei unfallskausal insbesondere auf einen posttraumatischen persistierenden Kopfschmerz mit dem Phänotyp eines chronischen Cluster-Kopfschmerzes zurückzuführen. Dadurch bedingt bestünden depressive Begleitreaktionen und Erwartungsängste. Spätestens ab Mai 2008 sei aufgrund der Kopfschmerzen von einer 30%-igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Wegen der depressiven Störung sei diese jedoch höher zu bemessen. Ab Oktober 2008 seien Cluster-Attacken auch in der Nacht aufgetreten, die eine 50-60%-ige Arbeitsunfähigkeit begründet hätten. Wegen der depressiven Störung könne diese auch höher bemessen werden (80%). Ab 2011 sei eine zumindest 70-80%-ige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen. Aufgrund der besagten depressiven Begleitreaktionen und Erwartungsängste - als reine Folgen der Cluster-Attacken - könne diese auch höher bemessen werden (bis 100%). Damit liege eine Arbeitsunfähigkeit in besonders ausgeprägter Weise vor. Eine Besserung sei nicht zu erwarten. Die Beschwerden des Klägers würden die Diagnosekriterien der internationalen Kopfschmerzgesellschaft für einen Cluster-Kopfschmerz erfüllen. Diese würden auf einer Schmerzskala von 0-10 mit der höchsten Stufe bemessen werden. Zusätzlich bestünde nach den einzelnen Attacken ein ausgeprägtes Erschöpfungssyndrom, das sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. In relativ guten Phasen würden beim Kläger ein bis zwei Attacken alle zwei Tage auftreten, ansonsten häufiger, nämlich mehrmals täglich. Wegen dieser Dauerbeschwerden müsse der Kläger zahlreiche Medikamente in hoher Dosis zu sich nehmen.
Zusammengefasst sei aufgrund der posttraumatischen Kopfschmerzen und der damit zusammenhängenden depressiven Begleitreaktionen sowie Erwartungsängste ab Mai 2008 eine Arbeitsunfähigkeit von 30%, ab Oktober 2008 von 80% und ab Januar 2011 von 100% anzunehmen. Der Kläger habe vor dem Unfall einen Jahresverdienst von CHF 107'862.00 erzielt. Die maximale Invaliditätsrente betrage 80% davon, sohin CHF 86'289.60. Insgesamt seien daher die erhobenen Begehren berechtigt.
3.
Die Beklagte bestritt und wendete zusammengefasst ein, der geltend gemachte Cluster-Kopfschmerz sei - auch wenn er bei der seinerzeitigen Rentenfestsetzung noch nicht als solcher bezeichnet worden sei - in jedem Fall berücksichtigt und damit abgegolten worden. Wenngleich ein natürlicher Zusammenhang zwischen dem Unfall und den Cluster-Kopfschmerzen gegeben sei, werde der vom Kläger nachzuweisende adäquate Kausalzusammenhang bestritten. Der vom Kläger erlittene Unfall stelle höchstens einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu leichten Unfällen dar. Es müsse daher bei einem solchen Unfall ein einzelnes der von der Rechtsprechung genannten sieben Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein oder müssten diese jedenfalls in gehäufter oder auffallender Weise vorliegen. Es bedürfe in diesem Fall grundsätzlich des Nachweises von vier Kriterien, während bei einem Unfall im eigentlichen mittleren Bereich drei Kriterien ausreichten. Die Adäquanz könne nämlich nur bejaht werden, wenn zumindest vier der sieben Kriterien erfüllt seien oder eines besonders ausgeprägt vorliege. Weder das eine noch das andere sei beim Kläger gegeben. Eine Adäquanzprüfung sei aufgrund verschiedener Umstände zulässig. Diese müsse nach der bundesgerichtlichen sogenannten Psycho-Praxis vorgenommen werden, weil der Kläger kein Schleudertrauma der Halswirbelsäule erlitten habe und lediglich ein nicht sonderlich schweres Schädeltrauma mit commotio cereberi diagnostiziert worden sei. Die Beklagte bestreite nun den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den im Zeitpunkt, auf den der Kläger seine revisionsweise Leistungsanpassung abstelle, gegebenen tatsächlichen Verhältnissen, also ab Juni 2018, weil dieser nicht mehr mit dem im Sozialversicherungsrecht erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sei. Die Ursache von Cluster-Kopfschmerzen sei weltweit unbekannt. Unter der gerade im Sozialversicherungsrecht unzulässigen Annahme der "Post hoc ergo propter hoc-Regel" habe aber der vom Erstgericht beigezogene Sachverständige ausgeführt, dass die vom Kläger geltend gemachten Beschwerden unfallskausal seien. Damit sei aber der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht gegeben.
4.
Das Fürstliche Landgericht sprach dem Kläger (im zweiten Rechtsgang) mit Urteil vom 16.03.2019 (ON 105) eine jeweils monatliche Invalidenrente von CHF 2'301.06 von Juni 2008 bis September 2008, CHF 3'256.00 von Oktober 2008 bis Dezember 2010, CHF 2'896.46 von Januar 2011 bis April 2011 sowie von CHF 5'896.46 für den Zeitraum Mai 2011 bis Juli 2014 samt gestaffelten Zinsen sowie beginnend mit August 2014 eine lebenslange monatliche Invalidenrente von CHF 5'896.46 samt Zinsen jeweils ab Fälligkeit sowie eine Integritätsentschädigung von CHF 42'720.00 zu. Das Mehrbegehren wurde (ohne nähere Konkretisierung) abgewiesen.
Dieser Entscheidung legte das Erstgericht die auf den Seiten 45 - 59 derselben wiedergegebenen und als solche bezeichneten Feststellungen zugrunde, auf die gemäss §§ 482, 469a ZPO verwiesen wird und von denen die für das Revisionsverfahren massgeblichen oben zu Punkt 1. bzw nachfolgend wiedergegeben werden:
"Der Kläger hat anlässlich seines Unfalls vom 08. März 2000 eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri), jedoch keine traumatische Hirnschädigung oder Hirnprellung (contusio cerebri) erlitten. Zusätzlich hat er eine Traumatisierung der spondylotisch regenerativ veränderten Halswirbelsäule erlitten, nicht jedoch eine Wirbelfraktur. Die Art der Halswirbelsäulenverletzung besteht in einer Kontusion und in einer Stauchung. Schliesslich hat der Kläger eine Läsion einer zervikalen Wurzel erlitten, die jedoch von geringer Intensität ist und die vor allem heute funktionell aufgrund der erhobenen objektiven Befunde praktisch nicht mehr ins Gewicht fällt.
Ob der Kläger anlässlich des Unfalls ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule erlitten hat, kann nicht festgestellt werden.
Nach dem Skiunfall hatte der Kläger am Unfallort die Möglichkeit, entweder 200-300m nach oben zur Bergstation zu gehen oder langsam zur Talstation zu rutschen. Der Kläger hat sich für das Zweite entschieden. Anschliessend fuhr er mit seinem eigenen Wagen in seine Wohnung nach ***. Am nächsten Tag ist er ins Büro nach *** zur Arbeit gefahren. Nachdem er ca. eine halbe Stunde im Büro war, ging es dem Kläger nicht mehr gut, er hatte Kopfschmerzen, Übelkeit, Sensibilitätsstörungen und kollabierte schliesslich. Er wurde von seiner Sekretärin ins Landeskrankenhaus *** auf die Unfallchirurgie gebracht. Sein erster Arztbesuch nach dem Unfall war also der 09. März 2000.
Die oben genannten Verfügung vom 30. November 2001 hatte folgenden Inhalt: [....]
Im Landeskrankenhaus ***, in welches sich der Kläger einen Tag nach dem gegenständlichen Unfall begab, wurden dem Kläger eine Schanzkrawatte, Schmerzmedikamente und ein Magenschutz verschrieben. Danach fanden insbesondere Konsiliaruntersuchungen, hausärztliche Kontrollen und bildgebende Abklärungen statt. Weiter erhielt der Kläger physikalische Behandlungen mit Stromapplikationen, Physiotherapie, Massagen, Lymphdrainagen sowie verschiedene Schmerzmittel, Antidepressiva und Cortison.
Aufgrund seines gegenständlichen Skiunfalls litt der Kläger an Schulter-, Nacken- und Kopfschmerzen (insbesondere Cluster Kopfschmerzen, vgl. weiter unten). Bis ins Jahr 2001 waren die dauernden Kopfschmerzen des Klägers teilweise leichter, manchmal stärker. Weiters litt der Kläger an Schwindelsensationen, hatte ein vermindertes Gefühl im Bereich des Ring- und Kleinfingers sowie eine Überempfindlichkeit seitlich über der linken Schulter. Im Jahr 2008 hatte der Kläger zuerst nächtlich drei bis vier Kopfschmerzattacken vom Clustertyp dann aber auch ca. ein halbes Jahr Ruhe. In der Folgezeit liessen sich die Kopfschmerzepisoden vorübergehend managen. Bis Februar 2011 gab es nur noch einzelne Kopfschmerzattacken, dann traten die Attacken aber wieder häufiger auf. Im Jahr 2012 hatte der Kläger zuerst zwei Kopfschmerzattacken pro Woche, ab Juni 2012 dann zwei bis drei Anfälle pro Tag, was sich dann bis Juni 2013 so durchzog. In der Folgezeit muss von chronischen Kopfschmerzattacken mit einer Häufigkeit von einer Attacke alle zwei bis drei Tage bis zu zwei Attacken täglich ausgegangen werden. Anlässlich einer der genannten Kopfschmerzattacken erleidet der Kläger heftigste Schmerzen.
Bis Februar 2000 erzielte der Kläger ein jährliches Einkommen von CHF 107'862.00
Von August 2007 bis März/April 2011 erzielt der Kläger ein jährliches Einkommen von CHF 36'000.00.
Mit Verfügung vom 15. Mai 2013 entschied die Beklagte, dass für die Behandlung der clusterkopfschmerztypischen Episoden und spannungskopfschmerzartigen Beschwerden des Klägers kein Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung besteht. Dabei hat die Beklagte weiter entschieden, dass für kieferchirurgische sowie zahnmedizinische Behandlungen kein Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung besteht.
Gegen die genannte Verfügung erhob der Kläger Einsprache. Die Einsprache wurde mit Entscheidung vom 23. September 2013 von der Beklagten abgewiesen. Der Einspracheentscheid wurde am 30. September 2013 dem Klagsvertreter zugestellt.
Die Diagnose von Kopfschmerzen allgemein und insbesondere auch von Cluster Kopfschmerzen erfolgt in klinischen, wissenschaftlichen und gutachterlichen Situationen nach internationalem Konsens entsprechend den Kriterien der Internationalen Kopfschmerz Gesellschaft (Headache Classification Committee of the International Headache Society 2013, ICHD-3 Beta). Bei Cluster Kopfschmerzen, ebenso wie bei anderen primären Kopfschmerzformen basiert die Diagnosestellung auf einer genauen Anamnese und klinisch-neurologischen Untersuchung, entsprechend der oben erwähnten Klassifikation sowie den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, DGN, an denen auch die Schweiz und Österreich mitgearbeitet haben. Als pathologischer Befund in der klinischen neurologischen Untersuchung zeigen sich autonome Symptome (incl. Horner-Syndrom, Lakrimation=Tränenlaufen, Rhinorroe=Nasenlaufen), die gleichzeitig mit dem Schmerz und auf der Schmerzseite (ipsilateral) auftreten (für die genauen Kriterien vgl. oben erwähnte Klassifikation). Typischerweise sind die Schmerzattacken begleitet von einem ausgeprägten Unruhegefühl, meist mit Bewegungsunruhe ("pacing around").
Zusatzuntersuchungen wie zum Beispiel die Elektrophysiologie, labor-chemische sowie liquoranalytische Untersuchungen dienen dem Ausschluss einer sekundären Ursache, helfen jedoch nicht in der positiven Diagnosestellung. Nichtsdestotrotz sind solche Zusatzuntersuchungen, ebenso wie eine cerebrale Bildgebung wichtig, um insbesondere beim Cluster Kopfschmerz im höheren Lebensalter vorkommende symptomatische Ursachen auszuschliessen.
In wissenschaftlichen Untersuchungen wurden sowohl Abnormitäten im Hirnstoffwechsel, als auch morphologische Unterschiede zwischen Cluster Patienten und gesunden Kontrollen gezeigt, wobei in sämtlichen dieser und in den nachfolgenden Jahren getätigten Untersuchungen jeweils Gruppen von Patienten mit Kontrollen verglichen wurden. Dies geschah aus statistischen Gründen, da die gezeigten Abnormitäten eines solch geringen Ausmasses sind, dass auf dem Niveau des Individuums die Unterschiede nicht eindeutig nachgewiesen werden können. Somit ist ein objektiver Nachweis bei Individuen mit Untersuchungen, die über Anamnese und Status hinausgehen, nach wissenschaftlichen Kriterien bisher nicht möglich. Im klinischen, aber auch im gutachterlichen Kontext sind Cluster Kopfschmerzen nicht mit einem objektiven Biomarker (Bildgebung, Laborwert oder andere) diagnostizierbar.
Dies ist bei primären Kopfschmerzsyndromen generell nicht möglich, wodurch sich die gutachterliche Kausalattribution anamnestischer Elemente und klinischer Befunde wesentlich von beispielsweise Tumorerkrankungen und/ oder Traumafolgen unterscheidet - bei letzteren lässt sich mittels Zusatzuntersuchungen wie beispielsweise einer Bildgebung eine kliniko-paraklinische Korrelation herstellen, die gutachterlich als objektiv akzeptiert wird.
Im Gegensatz zu beispielsweise Migräne sind klinische Zeichen in der körperlichen Untersuchung bei Cluster Kopfschmerzen in der Regel vorhanden und geben im klinischen Kontext in der Regel als gewichtig einstufbare diagnostische Hinweise. Autonome Zeichen im Bereich eines Augesa sind jedoch prinzipiell auch durch andere Ursachen, als Kopfschmerzen auslösbar (z.B. externe oder andere interne nozizeptive Reize; vgl. oben). Somit sind sie gutachterlich nur bedingt verwertbar, da sie keine Ableitung einer eineindeutigen Kausalbeziehung erlauben.
Beim Kläger sind die Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft für einen chronischen Cluster Kopfschmerz zum Zeitpunkt der klinisch-neurologischen Anamneseerhebung vom 14. Juli 2015 erfüllt. Anamnestisch seien die Kopfschmerzen nach dem Unfall vom 8. März 2000 aufgetreten. Vergleichbare Kopfschmerzen davor werden verneint. In den vorliegenden Unterlagen sind Fotografien enthalten, die nach Angaben des Klägers während einer Cluster Attacke aufgenommen worden seien. Diese zeigen ipsilateral zum Schmerz ein Horner Syndrom mit Miose (verkleinerte Pupille), einem geschwollenen Augenlid und wahrscheinlich auch einer konjunktivalen Rötung (Rötung der Bindehaut), kompatibel mit typischen Veränderungen während einer Cluster Kopfschmerz Attacke nach Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft. Gleichwohl ist anzumerken, dass der trigeminoautonome Reflex nicht nur durch Kopfschmerzen ausgelöst werden kann, sondern durch andere interne oder externe nozizeptive Reize (Schmerzreize) ein Muster aktiviert wird, das demjenigen bei Cluster Kopfschmerzen entspricht. Eine Änderung der Pupillengrösse kann durch diverse, z.B. durch Augenärzte verabreichte Augentropfen auch einseitig verursacht werden. So z.B. kann es bei einem grünen Star (Glaukom) notwendig sein, die Pupille durch ein Medikament in Form von Augentropfen zu verkleinern, um den Fluss im Augeninneren zu verbessern und dadurch einen Augen-Überdruck zu verringern. Die verwendete Medikamentenklasse zählt zu den sogenannten ParaSympathomimetika.
Das heisst, dass die Aktivierung eines trigemoautonomen Reflexes auf Fotografien im klinischen Kontext in der Regel als valider Beweis akzeptiert wird, im gutachterlichen Kontext aufgrund seiner Manipulierbarkeit (mechanisch, pharmakotherapeutisch) nicht den Stellenwert eines bildgebenden oder laborchemischen Befundes haben kann. Ein vergleichbarer Befund, der unter ärztlicher Beobachtung entstanden wäre, hätte sicherlich mehr Beweiskraft, wäre aber immer noch manipulierbarer als ein bildgebender oder laborchemischer Befund.
Im Kontext der Fragestellung nach einer Objektivierung des idiopathischen Cluster Kopfschmerzes hat das zur Verfügung gestellte Bildmaterial somit aus der Perspektive des Gutachters nur eine beschränkte Wertigkeit, da lediglich das Ergebnis, nicht aber der Auslösefaktor für die Aktivierung des Reflexes verifiziert werden kann, wenn man von prinzipiellen, zusätzlichen technischen Manipulationsmöglichkeiten von Bildmaterial generell absieht. Während der Konsultation durch den Sachverständigen Prof. H vom 14. Juli 2016 war kein Anfall aufgetreten und die klinisch neurologische Untersuchung zeigte keine klinischen Abnormitäten im Sinne eines (teilweisen) Horner Syndroms. Die Ausführungen beziehen sich auf die anamnestischen Angaben und die Resultate der klinischen Untersuchung vom 14. Juli 2015. Auch während der Untersuchung durch den Sachverständigen Dr. I ist keine Attacke aufgetreten.
Wenn die zur Verfügung gestellten Unterlagen in die Beurteilung mit einbezogen werden, ist aus der Sicht des Gutachters bemerkenswert, dass die Diagnose offenbar erst 2008, also 8 Jahre nach Beginn des Kopfschmerzsyndroms gestellt wurde und nicht schon im Rahmen des Gutachtens von Prof. G im Jahre 2001.
Anhand der Angaben des Klägers und der Befunde der behandelnden Neurologen (beobachtete Attacke) gibt es keine medizinisch begründeten Zweifel, dass der Kläger unter Clusterattacken leidet. Die am besten zutreffende Diagnose lautet persistierender Kopfschmerz, zurückzuführen auf ein leichtes Schädelhirntrauma (Klassifikation der International Headache Society 5.2.2) mit dem Phänotyp eines chronischen Clusterkopfschmerzes (entsprechend der Klassifikation der International Headache Society 3.1.2). Von der Behandlung und Beeinträchtigung her ist dies als identisch zum chronischen Clusterkopfschmerz anzusehen. Der Beginn erscheint unscharf. Im ersten Jahr nach dem Unfall haben aller Wahrscheinlichkeit nach bereits Symptome eines Clusterkopfschmerzes bestanden. Die definitive Diagnosestellung erfolgte im Mai 2008 anhand retrospektiver Angaben und wurde ab dann prospektiv durch die behandelnden Neurologen verifiziert und leitliniengerecht therapiert. Höchstwahrscheinlich bestanden die Clusterattacken bereits Jahre vor 2008. Eine verzögerte Diagnosestellung (mitunter Jahre) ist beim Clusterkopfschmerz nicht ungewöhnlich.
Die Ursache von Cluster Kopfschmerzen, ist nach Dafürhalten der Spezialisten weltweit unbekannt, wie in den oben erwähnten Leitlinien dargestellt ist, aber auch in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen zu lesen ist. Gleichwohl wurden eine Reihe von Arbeiten publiziert, die einen Beginn von Cluster Kopfschmerzen in zeitlichem Zusammenhang mit einem Kopftrauma, aber auch intensivsten emotionalen Ereignissen sehen, wie der Gutachter Prof. H in einer medizinischen Publikation 2006 postuliert hat. Einen stringenten kausalen Zusammenhang zu äusserlichen Ereignissen herzustellen, ist bei Kopfschmerzsyndromen, die Kriterien für einen primären Kopfschmerz erfüllen, nahezu unmöglich - im Gegensatz zu sekundären Kopfschmerzsyndromen, bei denen eine andere Erkrankung, wie z.B. ein Tumorleiden als kausal angenommen wird. Gleichwohl kann ein kausaler Zusammenhang bei einem solch seltenen Kopfschmerzsyndrom wie Cluster Kopfschmerzen bei der engen zeitlichen Korrelation, die durch den Kläger beschrieben wird und die mit den verfügbaren schriftlichen Unterlagen kompatibel ist, mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden. Cluster Headache ist mit einer Prävalenz von 0.2 % und einer Inzidenz von 1.6 pro Million Menschen pro Personenjahr sehr selten. Im Gegensatz zu den häufigeren Kopfschmerzformen, wie Spannungstypkopfschmerz oder Migräne kann somit mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer engen zeitlichen Korrelation auf eine Kausalbeziehung zwischen dem gegenständlichen Unfall und den Clusterkopfschmerzen geschlossen werden.
Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist der Unfall vom 08. März 2000 eine notwendige Bedingung für den posttraumatischen Kopfschmerz mit dem Phänotyp eines Clusterkopfschmerzes des Klägers. Aus der persönlichen Anamnese und Familienanamnese des Klägers gibt es keine Hinweise auf eine Prädisposition des Klägers.
Kopfschmerzen, primär oder sekundär, unterliegen oftmals Fluktuationen - diese können mit oder ohne erkennbare äussere oder innere Ursache auftreten und sind der eigentliche Regelfall verglichen mit einem gleichbleibenden Kopfschmerzsyndrom. Selbst bei primären Kopfschmerzen können so ausgeprägte Änderungen des Erscheinungsbildes auftreten, dass im Verlauf die diagnostische Zuordnung geändert werden muss, wie in einer longitudinalen Studie über 30 Jahre schön dokumentiert worden ist. Wird also ein Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem Kopfschmerzsyndrom akzeptiert, erscheint es nicht sinnvoll eine Fluktuation von Kopfschmerzfrequenz oder -intensität logisch hiervon zu trennen, da auch ausgeprägte Fluktuationen, wie ein "Rückfall" auch bei primären Kopfschmerzen gut dokumentiert sind. Da der besagte Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine notwendige Voraussetzung für das bestehende Kopfschmerzleiden des Klägers ist, gilt dies auch für die Verschlechterung desselben.
Aufgrund der oben festgestellten Clusterkopfschmerzen bestehen beim Kläger folgende Arbeitsunfähigkeiten:
- ab Mai 2008: 50 %
- ab Oktober 2008: 80 %
- ab Januar 2011: 100 %."
In rechtlicher Hinsicht führte das Erstgericht zusammengefasst aus, dass zwischen dem Unfall des Klägers und seinen nunmehr tatsächlich bestehenden Cluster-Kopfschmerzen kein objektiver Nachweis bestünde, der einen adäquaten Kausalzusammenhang zur Folge habe. Allerdings habe der Kläger eine äquivalente Verletzung der Halswirbelsäule erlitten, sodass auf die nach der Rechtsprechung des Schweizerischen Bundesgerichts genannten sieben Adäquanzkriterien abstellen sei. Der Unfall des Klägers sei nach den Feststellungen nicht unter besonders dramatischen Begleitumständen und nicht unter einer besonderen Eindrücklichkeit passiert. Auch das Kriterium der schweren oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen sei nicht gegeben. Schliesslich sei keine fortgesetzt spezifisch belastende ärztliche Behandlung erforderlich gewesen. Wegen der chronischen Cluster-Kopfschmerzen, die in Attacken und mit heftigsten Schmerzen auftreten würden, bestünden jedoch erhebliche Beschwerden in einer besonders ausgeprägten Weise. Eine ärztliche Fehlbehandlung sei nicht behauptet worden. Der Kläger sei ab Mai 2008 zuerst zu 50% und dann zu 80% sowie ab Januar 2011 dauernd zu 100% arbeitsunfähig (gewesen). Dennoch habe der Kläger über eine gewisse Zeit die geforderte Anstrengung unternommen, einer Arbeit nachzugehen und Einkommen zu erzielen. Damit sei das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit in einer besonders ausgeprägten Weise verwirklicht. Sohin müsse nicht mehr geprüft werden, ob ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen gegeben gewesen seien. Da aber bereits zwei der massgeblichen Adäquanzkriterien in besonders ausgeprägter Weise vorlägen, sei der erforderliche adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den Unfallfolgen (Arbeitsunfähigkeit) gegeben. Damit habe der Kläger Anspruch auf Zahlung einer Invalidenrente in der zugesprochenen Höhe. Angesicht der ab Januar 2011 aufgrund der chronisch auftretenden schwersten Schmerzen vorliegenden 100%-igen Arbeitsunfähigkeit erscheine die eingeklagte zusätzliche Integritätsentschädigung von CHF 42'420.00 (gemeint offenbar: CHF 42'720.00) gerechtfertigt, zumal weder das UVersG noch die UVersV samt Anhang den Cluster-Kopfschmerz explizit regelten und ein valider Jahresverdienst von CHF 107'862.00 festgestellt worden sei.
5.
Das Fürstliche Obergericht gab mit dem nunmehr angefochtenen Urteil vom 27.06.2019 (ON 113) der Berufung der Beklagten gegen das Ersturteil teilweise Folge, bestätigte das Ersturteil soweit, als dem Kläger eine Invalidenrente in Höhe von CHF 2'301.06 von Juni 2008 bis September 2008, von CHF 3'256.00 für die Monate Oktober 2008 bis Dezember 2010 und von CHF 2'896.46 für die Monate Januar 2011 bis April 2011 sowie in Höhe von CHF 5'896.46 ab Mai 2011 und eine Integritätsentschädigung von CHF 42'720.00 zuerkannt wurden, während in Abänderung des Ersturteils das Zinsenbegehren zur Gänze abgewiesen wurde. Das Berufungsgericht erachtete eine Beweisrüge der Beklagten als nicht berechtigt, während aber der Berufung aus rechtlichen Erwägungen teilweise stattzugeben gewesen sei. Das Berufungsgericht billigte die Ansicht des Erstgerichts, dass mangels bekannter Rechtsprechung zur Adäquanzprüfung bei Cluster-Kopfschmerzen die Rechtsprechung des Schweizerischen Bundesgerichts zur Schleudertrauma-Praxis heranzuziehen sei. Zutreffend sei auch die Auffassung des Erstgerichts, dass der Kläger wegen der erlittenen äquivalenten Verletzung der Halswirbelsäule die von der Rechtsprechung genannten Adäquanzkriterien erfülle. Entgegen der Ansicht der Beklagten sei nicht nach der sogenannten Psycho-Praxis vorzugehen, weil beim Kläger eine unfallbedingte neurologische Erkrankung (Cluster-Kopfschmerz) vorliege und der Kläger beim Unfall ein leichtes Schädelhirntrauma erlitten habe. Damit scheide die Anwendung der sogenannten Psycho-Praxis aus; vielmehr seien somatische Störungen gegeben. Erleide eine versicherte Person ein HWS-Schleudertrauma und lägen die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen vor, während sie aber im Vergleich zur psychischen Problematik in den Hintergrund träten, so seien die Voraussetzungen für den adäquaten Kausalzusammenhang nach den Grundsätzen zu beurteilen, wie sie für Unfälle mit psychischen Folgeschäden geltend würden. Demnach sei zwischen leichten, mittleren und schweren Unfällen zu unterscheiden. Das Berufungsgericht pflichte dem Erstgericht darin bei, dass der Skiunfall des Klägers mit den festgestellten Verletzungen einen mittelschweren Unfall darstelle. Beim Kläger seien im Sinn des Erstgerichts die beiden Kriterien der erheblichen Beschwerden und der erheblichen Arbeitsunfähigkeit - jeweils in besonders ausgeprägter Weise - gegeben. Berücksichtige man die heftigen Cluster-Kopfschmerzen so sei auch das Kriterium der erheblichen Beschwerden in einem Masse erfüllt, dass ihm besonderes ausschlaggebendes Gewicht zukomme. Zutreffend habe das Erstgericht auch das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit bejaht. Dazu sei die Rechtsrüge teilweise nicht dem Gesetz entsprechend ausgeführt und insoweit unbeachtlich. Weiter habe der Kläger - wie ebenfalls vom Erstgericht bereits richtig ausgeführt - die geforderten Anstrengungen unternommen, dennoch einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die von der Berufungswerberin geforderte Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit EFL zur Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit habe das Erstgericht zu Recht nicht durchführen lassen. Damit seien auch keine sekundären Feststellungsmängel gegeben. Ebenso wenig sei damit zu prüfen, ob die Beklagte mit ihrer Verfügung aus dem Jahre 2001 bereits den adäquaten Kausalzusammenhang bejaht habe und sich schon deshalb nicht auf ihre Leistungsverweigerung berufen könne.
Gemäss Art 41 Abs 4 UVersV sei bei der Bemessung der Integritätsentschädigung eine voraussehbare Verschlimmerung des Integritätsschadens angemessen zu berücksichtigen. Entgegen den Berufungsausführungen lasse sich der Verfügung vom 30.11.2001 nicht entnehmen, dass die damals zuerkannte Integritätsentschädigung ausschliesslich aufgrund des Integritätsschadens an der Wirbelsäule zugesprochen worden sei. Nur der Inhalt dieser Verfügung sei aber massgeblich. Nach den Feststellungen liege es auf der Hand, dass bezüglich der Kopfschmerzen eine Verschlimmerung von derart grosser Tragweite vorliege, dass das Erstgericht im Ergebnis zu Recht dem Kläger die Integritätsentschädigung in der ausgemessenen Höhe zugebilligt habe. Ein Versicherter habe nach Art 24 Abs 1 UVersG Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung, wenn er durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleide. Der festgestellte Cluster-Kopfschmerz lasse sich aufgrund seiner Art, Schwere und Intensität unschwer unter diese generelle Umschreibung subsumieren, auch wenn er in der Skala der Integritätsentschädigung nach Anhang 4 der Unfallversicherungsverordnung nicht angeführt sei. Diese Liste erweise sich jedoch als nicht abschliessend. Ganz offensichtlich seien der posttraumatische Cluster-Kopfschmerz und seine voraussichtliche künftige Entwicklung bei der Bemessung des Integritätsschadens im Jahre 2001 nicht berücksichtigt worden. Im Anhang 4 zur UVersV nicht angeführte Integritätsschäden seien gegebenenfalls wie hier entsprechend dem Grad der Schwere vom Skalenwert abzuleiten (Ziffer 2, Anhang 4 UVersG).
Damit sei die Berufung in der Hauptsache erfolglos geblieben, während in Abänderung der erstinstanzlichen Entscheidung das Begehren auf Verzugszinsen abzuweisen sei. Insofern sei das Ersturteil abzuändern.
6.
Die Beklagte bekämpft den bestätigenden Teil dieser Berufungsentscheidung vom 27.06.2019 mit ihrer rechtzeitig eingebrachten Revision wegen unrichtiger rechtlicher Beurteilung. Die Revisionsausführungen münden in einen Abänderungsantrag dahin, dass in Stattgebung der Berufung der Beklagten das Urteil des Fürstlichen Landgerichts vom 16.03.2019 im Sinn einer vollständigen Klagsabweisung abgeändert werde. Hilfsweise wird ein Aufhebungsantrag gestellt. Zusammengefasst führt die Revisionswerberin Folgendes aus:
Damit die von den Vorinstanzen ins Treffen geführte "Schleudertrauma-" oder "HWS-Praxis" zur Anwendung gelange müsse entweder ein Schädelhirntrauma, ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule oder ein äquivalenter Verletzungsmechanismus nachgewiesen sein. Nach den Feststellungen seien die Vorinstanzen zu Recht nicht vom Vorliegen eines Schädelhirntraumas oder eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule ausgegangen. Für die Annahme eines äquivalenten Verletzungsmechanismus müsse ein Kopfanprall mit Abknicken der Halswirbelsäule (Abknickmechanismus) vorliegen. Derartiges sei vom Kläger nicht einmal substantiiert behauptet worden. Auch den Feststellungen sei das Vorliegen einer solchen Verletzung nicht zu entnehmen. Da die Cluster-Kopfschmerzen auf das leichte Schädelhirntrauma zurückzuführen seien, sei es rechtlich falsch, die Anwendung der Adäquanzprüfung mit dem Argument des äquivalenten Verletzungsmechanismus zu rechtfertigen. Diesfalls sei nämlich vom Vorliegen eines leichten Schädelhirntraumas auszugehen, was bedeute, dass die Cluster-Kopfschmerzen nicht mit dem Vorliegen eines äquivalenten Verletzungsmechanismus begründet werden könnten. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung genüge ein leichtes Schädelhirntrauma, welches höchstens den Schweregrad einer commotio cerebri erreiche, gerade nicht für die Anwendung der "Schleudertrauma-" bzw "HWS-Praxis". In diesen Fällen gelange vielmehr zwingend die "Psycho-Praxis" zur Anwendung. Die entsprechenden Voraussetzungen hätte der Kläger mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit unter Beweis stellen müssen. Dies sei nicht der Fall. Unrichtig sei auch die Ansicht des Berufungsgerichts, die Anwendung der Psycho-Praxis scheide schon deshalb aus, weil beim Kläger somatische Störungen vorlägen. Massgeblich sei vielmehr, ob Störungen bzw Beschwerden objektivierbar seien oder nicht: Gerade dies treffe für die Cluster-Kopfschmerzen eben nicht zu.
Schliesslich seien die Vorinstanzen bei der Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs zu Unrecht vom Vorliegen eines mittelschweren Unfalls ausgegangen. Richtigerweise hätten die Unterinstanzen von einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen ausgehen müssen. Diesfalls bedürfe es grundsätzlich des Nachweises von vier anstatt von nur drei Kriterien. Unabhängig davon hätten die Vorinstanzen zu Unrecht die beiden Kriterien der erheblichen Beschwerden und der erheblichen Arbeitsunfähigkeit angenommen. Hinsichtlich dieser beiden Kriterien würden sich die Schleudertrauma-Praxis und die Psycho-Praxis erheblich unterscheiden. Bei der ersteren werde auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet. Bei der zweiten würden nur und ausschliesslich die physischen Komponenten berücksichtigt werden, nicht aber die psychischen. Die vom Kläger geltend gemachten Schmerzen seien nicht auf eine organisch nachweisbare Gesundheitsschädigung zurückzuführen, sodass sie im Rahmen der Adäquanzprüfung gänzlich unbeachtet bleiben müssten. Beim Kriterium des Grads und der Dauer der physischen Arbeitsunfähigkeit seien nur jene Zeiten zu berücksichtigen, in denen die versicherte Person aufgrund einer rein physischen Betrachtungsweise arbeitsunfähig gewesen sei. Dies sei beim Kläger wegen der von ihm behaupteten Schmerzen nicht der Fall. Da sohin - unter Ausserachtlassung nicht objektivierbarer Einflüsse - weder ein einzelnes Kriterium in besonders ausgeprägter Weise vorliege noch mehrere Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt seien, müsse der adäquate Kausalzusammenhang verneint werden.
Selbst bei Anwendung der Schleudertrauma-Praxis hätte das Vorliegen des adäquaten Kausalzusammenhangs verneint werden müssen. Dazu müssten vier der sieben massgeblichen Kriterien erfüllt sein. Dies treffe nicht zu.
Zu Unrecht hätten die Vorinstanzen dem Kläger auch eine Integritätsentschädigung zuerkannt. Der Anspruch darauf habe weder mit der Arbeitsfähigkeit noch mit der Arbeitsunfähigkeit zu tun. Richtig sei zwar, dass weder das UVersG noch die UVersV samt Anhang den Cluster-Kopfschmerz explizit regelten; die Unterinstanzen hätten in diesem Zusammenhang aber übersehen, dass für Kopfschmerzen generell keine Integritätsentschädigung ausgerichtet werde, weil dies weder im Anhang 4 UVersV noch in den entsprechenden SUVA-Tabellen vorgesehen sei. Richtig sei zwar, dass in Anhang 4 UVersV nicht alle Integritätsschäden aufgeführt würden und nicht aufgeführte Integritätsschäden gegebenenfalls entsprechend dem Grad der Schwere vom Skalenwert abzuleiten seien; dies bedeute aber nicht, dass damit für jede körperliche Beeinträchtigung auch eine Integritätsentschädigung geschuldet werde. Die Unterinstanzen würden auch übersehen, dass die dem Kläger mit Verfügung vom 30.11.2001 zugesprochene Integritätsentschädigung aufgrund eines Integritätsschadens an der Wirbelsäule zugesprochen worden sei und nicht aufgrund seiner Kopfschmerzen. Dies ergebe sich zwar nicht direkt aus der Verfügung aber aus dem der Verfügung zugrunde gelegten Gutachten. Gehe man davon aus, dass für die Bemessung des Integritätsschadens von Kopfschmerzen die SUVA-Tabelle 7 hilfsweise angewendet werden könne, wäre immerhin festzuhalten, dass die dem Kläger mit der damaligen Verfügung zugesprochene Integritätsentschädigung in Höhe von 20% nachweislich auf der SUVA-Tabelle 7 beruhe und damit neben dem Integritätsschaden an der Wirbelsäule letztlich auch der Integritätsschaden für die Kopfschmerzen abgegolten sei. Gemäss SUVA-Tabelle 7 betrage die Integritätsentschädigung höchstens 40%. Insoweit die Unterinstanzen dem Kläger mit den zusätzlich zugesprochenen CHF 42'720.00 letztlich eine Integritätsentschädigung von insgesamt ca 60% zugestehen würden, werde in unzulässiger Weise der in der SUVA-Tabelle 7 vorgegebene Maximalwert von 40% nicht nachvollziehbar überschritten. Schliesslich müssten gemäss Art 41 Abs 4 UVersV voraussehbare Verschlimmerungen des Integritätsschadens bei der Bemessung der Integritätsentschädigung angemessen berücksichtigt werden. Die einmal ausgerichtete Integritätsentschädigung könne nur im Ausnahmefall revidiert werden, nämlich dann, wenn die Verschlimmerung von grosser Tragweite und nicht voraussehbar gewesen sei. Wäre die Integritätsentschädigung damals auch aufgrund der Kopfschmerzen ausgerichtet worden, wäre eine Revision der Integritätsentschädigung nicht zulässig, weil keine Verschlimmerung von grosser Tragweite vorliege.
7.
Der Kläger erstattete fristgerecht eine Revisionsbeantwortung und beantragt, dem Rechtsmittel der Beklagten keine Folge zu geben. Hilfsweise wird ein Aufhebungsantrag gestellt. Zusammengefasst hält der Kläger den Rechtsmittelausführungen Folgendes entgegen:
Die sogenannte Psycho-Praxis diene keineswegs als generelles Auffangbecken. Vielmehr komme diese nur dort zur Anwendung, wo ausschliesslich psychische Störungen oder im Vergleich zur psychischen Problematik nur ganz in den Hintergrund tretende somatische Fehlentwicklungen vorlägen. Sobald nur oder überwiegend somatische Störungen zu beurteilen seien, stünde die Anwendung der Psycho-Praxis nie zur Debatte. Es sei geradezu absurd, nach den Kriterien der Psycho-Praxis (bei der gerade auf die Besonderheit psychischer Fehlentwicklungen Bezug genommen werde) vorzugehen, wenn keinerlei psychische sondern ausschliesslich somatische Fehlentwicklungen gegeben seien oder jedenfalls überwiegend vorlägen. Beim Kläger sei nach dem Unfall der Cluster-Kopfschmerz und sohin eine neurologische Erkrankung aufgetreten, die eine somatische Störung darstelle, sodass die Anwendung der Psycho-Praxis von vornherein ausscheide. Zu Recht habe daher das Erstgericht die Adäquanzprüfung nach der Schleudertrauma-Praxis vorgenommen. Dementsprechend habe die Beklagte im Einspracheentscheid von 2013 die Schleudertrauma-Praxis zur Anwendung gebracht, auf die sie sich nun behaften lassen müsse. Zur Beurteilung eines adäquaten Zusammenhanges bei Unfällen mit Schleudertrauma der HWS sowie Schädelhirn-Traumen oder äquivalenten Verletzungsmechanismen ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle fordere die Rechtsprechung im Einzelfall das Vorliegen eines komplexen Gesamtbildes, das unfallskausal sei. Derartiges liege nach den Feststellungen vor. Zu Recht hätten daher die Unterinstanzen zur Prüfung der Adäquanz die Schleudertrauma-Praxis angewendet. Unabhängig davon habe der Kläger aber eine äquivalente Verletzung erlitten. Damit sei auch der äquivalente Verletzungsmechanismus festgestellt Diese Tatsachenfrage könne nicht mit der Rechtsrüge bekämpft werden. Sie sei damit jeder weiteren Beurteilung zugrunde zu legen. Unabhängig davon sei der Versuch der Beklagten nicht richtig, den Gerichten zu suggerieren, dass nur bei einem Kopfanprall mit Abknicken der Halswirbelsäule eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung vorliegen würde und die Schleudertrauma-Praxis zur Anwendung kommen könne. Schliesslich sei die Feststellung eines Schädelhirntraumas, eines Schleudertraumas oder eines äquivalenten Verletzungsmechanismus nur für die Frage der Anwendung der Schleudertrauma-Praxis gegenüber der Psycho-Praxis relevant. Nach der demnach anzuwendenden Methode sei dann die Adäquanzprüfung des Unfallereignisses hinsichtlich des gesamten vorliegenden Beschwerdebildes vorzunehmen. Es sei aber nicht, wie die Beklagte behaupte, jede einzelne Funktionsstörung entweder dem Schädelhirntrauma, dem Schleudertrauma oder einem äquivalenten Verletzungsmechanismus zuzuordnen und die Adäquanzprüfung dann streng entlang dieser Zuordnung zu einer dieser drei Umschreibungen des Unfallvorgangs vorzunehmen.
Die Einordnung des Unfalls des Klägers als "mittelschwer" durch die Untergerichte entspreche vollumfänglich den sozialversicherungsrechtlichen Aspekten des Unfallbegriffs. Die entsprechenden Kriterien seien jedenfalls gegeben. Es könne nach den Feststellungen kein Zweifel bestehen, dass das Kriterium "erhebliche Beschwerden" in seiner gesamten Ausformung in besonders ausgeprägter Weise vorliege. Zu Recht hätten die Untergerichte auch die erhebliche Arbeitsunfähigkeit in besonders ausgeprägter Weise bejaht, zumal der Kläger, wie die Untergerichte attestiert hätten, auch alle geforderten Anstrengungen unternommen habe, trotzdem einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.
Dauernde schwere Kopfschmerzen von der eines Clusters liessen sich unschwer unter die generelle Umschreibung des Art 24 Abs 1 UVersG als Voraussetzung für eine Integritätsentschädigung subsumieren, auch wenn sie in der Skala der Integritätsentschädigung in Anhang 4 der UVersV nicht angeführt seien. Diese Liste sei nicht abschliessend. Das Erstgericht habe die Integritätsentschädigung ohnehin nicht an den Grad der Arbeitsunfähigkeit angeknüpft. Der Cluster-Kopfschmerz und seine voraussichtliche künftige Entwicklung seien von der Beklagten bei ihrer Bemessung des Integritätsschadens im Jahr 2001 ganz offensichtlich nicht berücksichtigt und auch nicht vorhergesehen worden. Diesbezüglich liege zweifellos eine Verschlimmerung von grosser Tragweite vor. Es sei weder zwingend noch sachlich irgendwie geboten bzw auch nur naheliegend, für die Bemessung der Integritätsentschädigung wegen des Clusters des Klägers auf Tabellen (die keinerlei Hinweise auf einen Cluster enthielten) zurückzugreifen. Vielmehr hätten die Unterinstanzen die Integritätsentschädigung aufgrund der Art, Schwere und Intensität des Clusters richtig und zulässig bemessen. Das Schweizerische Bundesgericht sehe die Voraussetzung für eine revisionsrechtliche Anpassung eines Integritätsschadens bei einer dauernden und erheblichen (mindestens 5%) Zunahme des Schadens. Auch diese Voraussetzungen seien beim Kläger gegeben.
Wenngleich der Kläger durch die Urteile der Untergerichte nicht beschwert sei, rüge er als Mangelhaftigkeit des Verfahrens, dass das Erstgericht weiteres Vorbringen des Klägers zu seiner Verletzung und seinem nunmehrigen Gesundheitszustand nicht berücksichtigt und dazu angebotene Beweise nicht aufgenommen habe. Das Vortragen entsprechender Behauptungen und Beweisanbote sei im zweiten Rechtsgang durchaus zulässig gewesen. Bei rechtskonformer Vorgangsweise hätte sich ergeben, dass der Kläger beim Sturz zumindest eine Fissur, wenn nicht gar Fraktur der Halswirbelsäule erlitten habe, sodass der Unfall als an sich schwer einzustufen gewesen wäre und jede Adäquanzprüfung (egal ob nach Schleudertrauma-Praxis oder nach Psycho-Praxis) entbehrlich geworden wäre. Zusätzlich habe es das Erstgericht fälschlich unterlassen, die Art der unfallbedingten Verletzung umfassend abzuklären und festzustellen, obwohl dazu hinreichend Beweisergebnisse vorgelegen hätten. Zu Unrecht habe das Erstgericht schliesslich das Vorliegen einzelner Adäquanzkriterien nach der Schleudertrauma-Praxis verneint, was vom Berufungsgericht nicht aufgegriffen worden sei. Bei richtiger rechtlicher Beurteilung wären alle Adäquanzkriterien sowohl nach der Schleudertrauma-Praxis als auch nach der Psycho-Praxis erfüllt gewesen.
8.
Die Revision ist zulässig (vgl Art 91 Abs 2 letzter Satz UVersG - GE 2010,498 Erw 10., GE 2011,138 Erw 17.4.1., zuletzt 30.08.2019 01 CG.2018.329 Erw 8.3 - § 471 Abs 2 ZPO), allerdings nicht berechtigt.
E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :
8.1.
Der Kläger wohnt in Österreich, die Beklagte hat ihren Sitz in der Schweiz. Es ist daher ein Auslandsbezug gegeben. Die Vorinstanzen haben ihre rechtlichen Beurteilungen erkennbar auf liechtensteinisches Sachrecht gestützt. Dem treten die Parteien im Revisionsverfahren nicht entgegen. Sollten die Parteien aber ausländisches Recht für anwendbar halten, so müssten sie dies bei der gegebenen Verfahrenslage konkret geltend machen und dazu auch ausführen, welches günstigere als das vom Berufungsgericht erzielte Ergebnis daraus zu erwarten wäre (OGH 04.11.2016 02 CG.2015.16 Erw 8.3.2. - vgl dazu StGH 15.05.2017 zu StGH 2016.123 ua). Auf die Frage des anzuwendenden materiellen Rechts ist daher nicht weiter einzugehen.
8.2.
Nach Art 22 Abs 1 UVersG kann die Rente für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben werden, wenn sich der Invaliditätsgrad des Rentenbezügers erheblich ändert. Eine solche erhebliche Verschlechterung eines unfallbedingten Leidenszustandes - beginnend mit dem Jahr 2008 - macht der Kläger geltend. Dass die Voraussetzungen für die Revision der Rente nicht gegeben wären, wird in der Revision von der Beklagten nicht aufgegriffen, sodass auf diesen selbständigen anspruchsvernichtenden Umstand nicht mehr einzugehen ist (OGH 06.12.2019 05 CG.2017.464 Erw 13.2.; GE 2019, 68; 01.12.2017 08 CG.2015.89 Erw 8.3. mwN ua StGH 2016/152 vom 15.05.2017 Erw 2.2.; RIS-Justiz RS0043338).
8.3.
Ein Anspruch auf Invalidenrente besteht, wenn der Versicherte infolge des Unfalles zu mindestens 10% invalid ist (Art 18 Abs 1 UVersG). Als invalid gilt nach Abs 2 dieser Gesetzesstelle, wer voraussichtlich bleibend oder für längere Zeit in seiner Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt ist. Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie nach Art 24 Abs 1 UVersG Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung.
8.4.
Das UVersG beruht auf schweizerischer Rezeptionsgrundlage. Es ist daher bei der Anwendung und insbesondere der Auslegung dieser Bestimmungen auf schweizerische Lehre und (in erster Linie höchstrichterliche) Rechtsprechung zurückzugreifen, Denn sie verkörpert den im Ursprungsland (hier der Schweiz) tatsächlich geltenden Rechtszustand, auf den der liechtensteinische Gesetzgeber sein eigenes Recht ausrichten wollte (LES 2008, 223; vgl LES 2011, 1).
8.5.
Mit den gesetzlichen Ausdrücken "infolge Unfalls" bzw "durch den Unfall" in den zuletzt zitierten Gesetzesstellen wird nach schweizerischer Lehre und Rechtsprechung der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der Invalidität bzw einer dauernden erheblichen Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität als Voraussetzung für den Anspruch auf eine Invalidenrente bzw auf eine Integritätsentschädigung eingeführt (LES 2011, 1; LES 2008, 223).
8.6.
Ist eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen, so stellt sich allerdings zunächst die Frage des - für die Leistungspflicht der Unfallversicherung vorausgesetzten - natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen Unfallereignis und eingetretenem Gesundheitsschaden. Ursachen im Sinn des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist. Es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität des Versicherten beeinträchtigt hat, der Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden ist. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 115 V 133 E 3. mwN). Dieser natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem seinerzeitigen Unfall des Klägers und dem nunmehr in erster Linie massgeblichen Leidenszustand (Cluster-Kopfschmerzen) ist nach den Ausführungen in der Revision nicht mehr strittig (ON 118 S 2). Mit dem damit aus Sicht der Beklagten verbundenen selbständigen anspruchsvernichtenden Aspekt hat sich der Fürstliche Oberste Gerichtshof daher nicht mehr auseinander zu setzen.
8.7.
Die Leistungspflicht der Unfallversicherung setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und der damit verursachten Arbeits- bzw Erwerbsunfähigkeit der bereits erwähnte adäquate Kausalzusammenhang besteht (8C_417/2015 E 2.2.). Ein Ereignis hat dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 115 V 133 E 4. mwN).
8.8.
Die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers spielt im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt. Sind die massgeblichen Beschwerden natürlich unfallkausal, aber nicht organisch objektiv ausgewiesen, so ist die Adäquanz besonders zu prüfen. Dabei ist vom augenfälligen Geschehensablauf auszugehen; gegebenenfalls sind dann weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen (8C_417/2015 E 2.2.). Hat die versicherte Person beim Unfall eine Verletzung erlitten, welche die Anwendung der sogenannten Schleudertrauma-Rechtsprechung rechtfertigt, so sind hiebei die noch zu erörternden (und durch BGE 134 V 109 E 10 S 126 ff präzisierten) Kriterien massgebend. Für den Fall, dass diese Rechtsprechung nicht heranzuziehen ist, wurde bereits ausgesprochen, dass grundsätzlich die Adäquanzkriterien, welche für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt wurden (BGE 115 V 133 - sogenannte Psycho-Praxis), anzuwenden sind (8C_417/2015 E 2.2.; BGE 138 V 248 E 4 S 250, 251; vgl BGE 134 V 109, insbesondere E 2.1., 6.1., 10. mit einer teilweisen Modifikation der adäquanzrelevanten Kriterien im Rahmen der Schleudertrauma-Praxis und einer Präzisierung der entsprechenden Judikatur).
8.9.
Die Rechtsprechung umschreibt den Begriff der organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolge - als Differenzierungsmerkmal für das Erfordernis einer Adäquanzprüfung - folgendermassen: Objektivierbar sind Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden sowie den Angaben des Patienten unabhängig sind. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann somit erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die hiebei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (8C_285/2016 E 6.1.; BGE 138 V 248 E 5.1. S 251).
8.10.
Bei der Beurteilung der Adäquanz von organisch nicht (hinreichend) nachweisbaren Unfallfolgeschäden wurde ua wie folgt differenziert: Es ist zunächst abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, so gelangt die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 133 (Psycho-Praxis) zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen, dass die versicherte Person eine der soeben erwähnten Verletzungen erlitten hat, muss beurteilt werden, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE 115 V 133 für Unfälle mit psychischen Folgeschäden aufgestellten Grundsätze massgebend; andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 117 V 359 E 6a S 366 und BGE 117 V 369 E 4b S 382 festgelegten Kriterien (8C_12/2016 E 7.1.; BGE 127 V 102 E 5.b bb S 103). Gleiches gilt, wenn die im Anschluss an den Unfall auftretenden psychischen Störungen nicht zum typischen Beschwerdebild eines HWS- oder Schädelhirntraumas gehören. Erforderlichenfalls ist vorgängig der Adäquanzbeurteilung zu prüfen, ob es sich bei den im Anschluss an den Unfall geklagten psychischen Beeinträchtigungen um blosse Symptome des erlittenen Traumas oder aber um eine selbstständige (sekundäre) Gesundheitsschädigung handelt, wobei für die Abgrenzung insbesondere Art und Pathogenese der Störung, das Vorliegen konkreter unfallfremder Faktoren oder der Zeitablauf von Bedeutung sind. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs ist nur dann im Sinn von BGE 123 V 98 E 2a S 99 unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung (Hervorhebung durch den Senat) zu beurteilen, wenn die psychische Problematik bereits unmittelbar nach dem Unfall eindeutige Dominanz aufweist. Wird die zitierte Rechtsprechung gemäss BGE 123 V 98 in einem späteren Zeitpunkt angewendet, ist zu prüfen, ob im Verlauf der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt die physischen Beschwerden gesamthaft nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben und damit ganz in den Hintergrund getreten sind. Nur wenn dies zutrifft (Hervorhebung durch den Senat), ist die Adäquanz nach der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfolgen (BGE 115 V 133) zu beurteilen (8C_417/2015 E 3.2.1; 8C_12/2016 E7.1.).
8.11.
In seinem Urteil vom 19. Februar 2008, BGE 134 V 109, erachtete das Schweizerische Bundesgericht eine Überprüfung der Rechtsprechung zur Kausalitätsbeurteilung bei organisch nicht objektiv ausgewiesenen Beschwerden als überprüfungswürdig, während es bei den psychischen Fehlentwicklungen nach einem Unfall (sogenannte Psycho-Praxis) keinen Handlungsbedarf sah. Die hier anlässlich der Adäquanzprüfung einzig zu berücksichtigenden physischen Komponenten lassen sich nämlich im Zeitpunkt, in dem von einer Fortsetzung der auf die somatischen Leiden gerichteten ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung mehr erwartet werden kann, zuverlässig beurteilen (E 5., 6.1.). Der Schleudertrauma-Praxis liegt die Annahme zugrunde, dass eine bei einem Unfall erlittene Verletzung im Bereich der Halswirbelsäule oder des Kopfes auch ohne organisch nachweisbare (objektivierbare) Funktionsausfälle zu länger dauernden, die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit beeinträchtigenden Beschwerden führen kann. Solche Verletzungen sind häufig durch ein komplexes und vielschichtiges Beschwerdebild mit eng ineinander verwobenen, einer Differenzierung kaum zugänglichen Beschwerden physischer und psychischer Natur gekennzeichnet (BGE 134 V 109 E 7.1. S 118; BGE 136 V 279 E 3.1. S 280).
Im erwähnten BGE 134 V 109 hat das Schweizerische Bundesgericht die Praxis zur Kausalitätsprüfung bei Unfall mit Schleudertrauma, äquivalenter Verletzung der HWS oder Schädel-Hirntrauma ohne organisch objektiv ausgewiesene Beschwerden (sogenannte Schleudertrauma-Praxis) in mehrfacher Hinsicht präzisiert. Gemäss diesem Urteil ist am Erfordernis einer besonderen Äquivalenzprüfung bei Unfällen mit solchen Verletzungen festzuhalten (E 7. - 9. des erwähnten Urteils). Auch besteht keine Veranlassung, die bewährten Grundsätze für die bei dieser Prüfung vorzunehmenden Einteilung der Unfälle nach deren Schweregrad und den abhängig von der Unfallschwere gegebenenfalls erforderlichen Einbezug weiterer Kriterien in die Adäquanzbeurteilung zu ändern (E 10.1.). Das Schweizerische Bundesgericht hat aber die Anforderungen an den Nachweis einer natürlich unfallkausalen Verletzung, welche die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis rechtfertigt, erhöht (E 9.) und die adäquanzrelevanten Kriterien teilweise modifiziert (E 10. - vgl 8C_476/2007 E 2.).
Bei den der Schleudertrauma-Praxis zugrundeliegenden Gesundheitsstörungen fehlt die massgebliche Bezugsgrösse, nach der sich mehrere Adäquanzkriterien beurteilen, nämlich die augenfällige physische Verletzung. Zwar wird auch bei solchen Gesundheitsstörungen von physischen Verletzungen ausgegangen, doch sind diese zumeist nicht augenfällig oder gar nicht objektivierbar. Zum anderen gehören nach der hier zitierten Entscheidung psychische Beschwerden zur typischen Symptomatik solcher Gesundheitsstörungen, während sie nach irgendwelchen körperlichen Beeinträchtigungen wie Knochenbrüchen, Verbrennungen usw nicht Symptome dieser Verletzungen sind. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die für die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis bei der Adäquanzprüfung erforderliche zuverlässige Feststellung der dafür massgeblichen Verletzungen besonders diffizil ist. Dies liegt zunächst darin begründet, dass diese Verletzungen zwar klinisch untersucht, aber abgesehen von ossären Läsionen und dergleichen nicht bildgehend objektiviert werden können. Damit kommt den Angaben der versicherten Person über bestehende Beschwerden besondere Bedeutung zu, was aber auch ein Missbrauchspotential bietet. Zudem können bei identischer Symptomatik die erhobenen Befunde aus dem Katalog des für derartige Verletzungen als typisch erachteten Beschwerdebildes gegebenenfalls auch nicht traumatischer Genese sein (BGE 134 V 109 E 8.4., 9. S 121, 122).
Die bereits zitierten Grundsätze zum natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang bei Schleudertrauma der Halswirbelsäule ohne organisch objektiv ausgewiesene Beschwerden werden regelmässig auch für Beschwerden nach einem dem Schleudertrauma "äquivalenten" Mechanismus und nach einem Schädel-Hirntrauma für anwendbar erklärt, wenn und soweit sich die Folgen mit jenem eines Schleudertraumas der HWS vergleichen lassen. Gemeinhin wird deshalb für diese Art der Adäquanzprüfung der Begriff "Schleudertrauma-Praxis" (im Gegensatz etwa zum Begriff "Psycho-Praxis" für die Adäquanzprüfung bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall) verwendet (BGE 134 V 109 E 6.2.2. S 117).
8.12.
Zusammengefasst gilt Folgendes:
8.12.1.
Die sogenannte Psycho-Praxis wurde (nur) für Fälle von massgeblichen psychischen Fehlentwicklungen nach Unfällen entwickelt (oben Erw 8.10.). Solche liegen beim Kläger nach den im Zivilprozess massgeblichen Feststellungen nicht (vgl dazu noch unten und ON 105 S 64 Mitte) hinreichend vor.
Der Kläger litt und leidet unfallskausal an Beschwerden, die typischerweise zum häufig komplexen und vielschichtigen Beschwerdebild jener Verletzungen gehören (oder sich mit solchen Beschwerden zumindest vergleichen lassen - § 269 ZPO; vgl unten Erw 8.12.2. und GE 2010, 498 Erw 17.3.2. mwN), die zur Anwendung der sogenannten Schleudertrauma-Praxis führen und nicht durch psychische Beeinträchtigungen beeinflusst oder gar überlagert wurden bzw werden (vgl oben Erw 8.10). Nur wenn Letzteres zutreffen würde, wäre die Psycho-Praxis anzuwenden (oben Erw 8.10.).
Auch die für die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis sprechenden Verletzungen selbst sind wie hier nur in diffiziler Weise feststellbar. Das massgebliche Leiden des Klägers wird nicht durch augenfällige bzw objektivierbare Verletzungen verursacht (vgl oben Erw 8.11.).
In seinem Urteil vom 18. April 2016 zu 8C_75/2016 hat das Schweizerische Bundesgericht unter Hinweis auf weitere Judikatur ausgeführt, dass ein Schädel-Hirntrauma, welches höchstens den Schweregrad einer Commotio cerebri - nicht im Grenzbereich zu einer contusio cerebri - erreicht, grundsätzlich nicht für die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis genügt (E 4.2.).
Allerdings hat das Schweizerische Bundesgericht in seiner Entscheidung 8C_306/2016 vom 22.09.2016 die (im Übrigen nicht beanstandete) Anwendung der Schleudertrauma-Praxis durch die Unterinstanzen in einem Fall, in dem ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung als Unfallfolge nicht zweifelsfrei festgestellt werden konnte, nicht als Anlass zu Weiterungen gesehen (E 4.2., 6.).
Schliesslich hat das Schweizerische Bundesgericht am 24.09.2013 zu 8C_546/2013 ebenfalls erkannt, es sei dort zu Recht nicht beanstandet worden, dass die Vorinstanz die Adäquanzbeurteilung nach Massgabe der in BGE 134 V 109 präzisierten sogenannten Schleudertrauma-Praxis vornahm, nachdem bei der Versicherten ein leichtes Schädel-Hirntrauma (Commotio cerebri) und keine psychische Erkrankung diagnostiziert worden war (do Sachverhalt unter Punkt A und E 3.1.).
Dazu kommt, dass jedes der sogenannten Adäquanzkriterien wie auch die Einstufung des Unfalls als leicht/mittelschwer/schwer und die Frage, ob die Psycho-Praxis oder die Schleudertrauma-Praxis anzuwenden ist, einen Beurteilungsspielraum eröffnet (BGE 138 V 147 E 3.2.1. S 151), der abhängig von den Umständen des Einzelfalls angemessen anzuwenden ist.
Das zeigt, dass entgegen dem Standpunkt der Revision die sogenannte Psycho-Praxis nicht strikt als eine Art "Auffangbecken" für all jene Fälle zu verstehen ist, in denen weder ein Schädel-Hirntrauma noch ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule oder ein äquivalenter Verletzungsmechanismus (in einer gewissen Ausprägung) vorliegen. Dies ist auch gerechtfertigt, da die Schleudertrauma-Praxis auf der Annahme beruht, dass eine bei einem Unfall erlittene Verletzung im Bereich von HWS oder Kopf auch ohne organisch nachweisbare (objektivierbare) Funktionsausfälle zu länger dauernden, die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit beeinträchtigenden Beschwerden führen kann (BGE 134 V 109 E 7.1. S 118), und damit wohl auch dann anzuwenden ist, wenn vergleichbare physische (somatische) Verletzungen objektivierbar sind, die ähnliche Folgen mit sich bringen können. Auch in anderen Fällen, als sie zuletzt in der Revision genannt wurden, kann gelten, dass eine Gesundheitsstörung fehlt, die die massgebliche Bezugsgrösse bildet, nach welcher sich mehrere Adäquanzkriterien beurteilen, nämlich die augenfällige physische Verletzung. Es wird zwar - wie bereits erwähnt - auch bei solchen Gesundheitsstörungen von physischen Verletzungen ausgegangen, jedoch sind diese zumeist nicht augenfällig oder gar nicht objektivierbar (BGE 134 V 109 E 8.4. S 121). Schliesslich lassen sich bei der Adäquanzprüfung nach der sogenannten Psycho-Praxis die dort einzig zu berücksichtigenden physischen Komponenten im Zeitpunkt, in welchen von einer Fortsetzung der auf die somatischen Leiden gerichteten ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung erwartet werden kann, zuverlässig beurteilen (BGE 134 V 109 E 6.1. S 116), was hier nach den Feststellungen nicht zutrifft.
8.12.2.
Vielmehr ist nach dem vorliegenden Sachverhalt zunächst anzunehmen (vgl aber sogleich unten), dass der Kläger anlässlich seines Unfalls eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri), jedoch keine traumatische Hirnschädigung oder Hirnprellung (Contusio cerebri) erlitten hat. Dazu sei aber am Rande erwähnt, dass nach Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Auflage S 351, eine commotio cerebri ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma darstellt. Schliesslich war es unfallskausal zu einer Traumatisierung der spondylotisch regenerativ veränderten Halswirbelsäule gekommen, nicht jedoch zu einer Wirbelfraktur. Die Art der Halswirbelsäulenverletzung besteht in einer Kontusion und in einer Stauchung. Zusätzlich trug der Kläger eine Läsion einer zervikalen Wurzel davon. Ob es beim Kläger auch zu einem Schleudertrauma der Halswirbelsäule gekommen war, konnte nicht festgestellt werden (Ersturteil ON 105 S 46 Absatz 2 und 3). Unfallbedingt litt der Kläger in weiterer Folge an Schulter-, Nacken- und Kopfschmerzen, insbesondere Cluster-Kopfschmerzen. Dazu kamen Schwindelsensationen, ein vermindertes Gefühl im Bereich des Ring- und des Kleinfingers sowie eine Überempfindlichkeit seitlich über der linken Schulter (ON 105 S 52). Schliesslich lässt sich den Feststellungen entnehmen, dass die Cluster-Kopfschmerzen nicht augenfällig oder objektivierbar sind (ON 105 S 53 unten - S 59 oben). Die im Zusammenhang mit den Cluster-Attacken "am besten zutreffende" Diagnose lautet auf persistierender Kopfschmerz, zurückzuführen auf ein leichtes Schädel-Hirntrauma (offenbar war demnach ein solches doch gegeben) mit dem Phänotyp eines chronischen Cluster-Kopfschmerzes (ON 105 S 57 Absatz 1). Psychische Leiden, die diese Beschwerden (im Sinn der obigen Ausführungen) massgeblich begleiten oder überlagern würden und damit im Sinn der zitierten Judikatur für sich die Anwendung der Psycho-Praxis rechtfertigen könnten, wurden nicht festgestellt. Es ist damit hinreichend gesichert, dass eine bei dem Unfall erlittene Verletzung im Bereich des Kopfes auch ohne organisch nachweisbare (objektivierbare) Funktionsausfälle zu länger dauernden, die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit beeinträchtigenden Beschwerden führte (vgl dazu BGE 134 V 109 E 7.1. S 118). Ein für eine derartige Verletzung typisches Beschwerdebild ist hinreichend nachgewiesen (im Gegensatz zum Sachverhalt zu 8C_476/2007 E 4.1.3. unter Hinweis auf BGE 117 V 359 E 4b S 360). Dieses ist durch ein komplexes und vielschichtiges Beschwerdebild mit eng ineinander verwobenen, einer Differenzierung kaum zugänglichen Beschwerden physischer und psychischer Natur (vgl ON 105 S 64 Mitte) gekennzeichnet, wird aber nicht durch eine psychische Problematik in den Hintergrund gedrängt.
8.12.3.
Entgegen der Ansicht der Revisionswerberin haben daher die Vorinstanzen in ihren Entscheidungen im Ergebnis und von den teilweise unklaren Feststellungen unabhängig richtigerweise auf die Anwendbarkeit der Schleudertrauma-Praxis abgestellt und das Vorliegen der Voraussetzungen für die Heranziehung der Psycho-Praxis verneint. Auf die weiteren Argumente der Revision zu diesem Themenkreis (insbesondere im Zusammenhang mit dem äquivalenten Verletzungsmechanismus und der Prüfung der Adäquanz nach der Psycho-Praxis) wäre daher nicht weiter einzugehen (vgl aber unten Erw 8.19.).
8.13.
Was das Vorgehen bei der Adäquanzprüfung betrifft, ist nach der Schleudertrauma-Praxis (analog zu den bei psychischen Fehlentwicklungen nach einem Unfall geltenden Grundsätzen) für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- bzw Erwerbsunfähigkeit zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf - zwischen banalen bzw leichten Unfällen einerseits, schweren Unfällen andererseits und schliesslich dem dazwischen liegenden mittleren Bereich unterschieden wird. Während der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel bei schweren Unfällen ohne weiteres bejaht und bei leichten Unfällen verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäquanz bei Unfällen aus dem mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein schlüssig beantworten. Es sind vielmehr weitere objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in Zusammenhang stehen oder als direkte bzw indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden. Der Katalog der hiefür adäquanzrelevanten Kriterien lautet nach der neueren Judikatur des Schweizerischen Bundesgerichts wie folgt (8C_684/2009 E 5.2. unter Hinweis auf BGE 134 V 109 E 10.3. S 130):
- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
- die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
- eine fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
- erhebliche Beschwerden;
- ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
- schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
- erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
8.14.
Ausgangspunkt der Adäquanzprüfung bildet das (objektiv erfassbare) Unfallereignis. Im Rahmen einer objektivierten Betrachtungsweise ist zu untersuchen, ob der Unfall eher als leicht, als mittelschwer oder als schwer erscheint, wobei im mittleren Bereich gegebenenfalls eine weitere Differenzierung nach der Nähe zu den leichten oder schweren Unfällen erfolgt. Abhängig von der Unfallschwere sind je nach dem weitere Kriterien in die Beurteilung einzubeziehen. Massgebend für die Beurteilung der Unfallschwere sind der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften, nicht jedoch die Folgen des Unfalles oder Begleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet werden können. Das Schweizerische Bundesgericht hatte sich verschiedentlich mit Skiunfällen zu befassen. Einen Sturz beim Skifahren, teilweise verursacht durch Kollision mit anderen Skifahrern, hat es im Rahmen der Adäquanzprüfung in der Regel als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert. Hingegen wurde ein Ereignis im eigentlichen mittleren Bereich angenommen im Fall eines Versicherten, der angefahren, gestürzt und weggeschleudert worden war bzw sich überschlagen hatte und benommen liegen geblieben war. Der ohne Fremdeinwirkung erfolgte Sturz beim Skifahren, der eine Thorax- und Schulterkontusion, Schürfwunden im Gesicht und ein leichtes Schädelhirntrauma sowie - nach unbestätigten Angaben des Versicherten - eine kurze Bewusstlosigkeit zur Folge hatte, wurde vom Schweizerischen Bundesgericht "höchstens als Unfall im eigentlich mittleren Bereich" eingestuft, sodass für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs mindestens drei nicht ausgeprägt erfüllte Kriterien erforderlich sein sollten, sofern nicht (mindestens) eines der relevanten Adäquanzkriterien in besonders ausgeprägter bzw auffallender Weise gegeben ist (8C_53/2011 E 4.1. und 4.1.1.; vgl 8C_785/2009 E 7.3.). Ein Unfall beim Skifahren, bei dem der Versicherte der Kollision mit einem anderen Skifahrer ausweichen musste und in der Folge gegen einen Baum fuhr, wurde unter Berücksichtigung eines besonders heftigen Aufpralls und einer entsprechend gewaltigen Krafteinwirkung als mittelschwer im Grenzbereich zu den schweren Unfällen qualifiziert (8C_42/2009 E 5.2.).
8.15.
Das Schweizerische Bundesgericht stellte in diesem Zusammenhang nicht nur auf die Feststellungen der Unterinstanzen sondern auch auf (die offenbar als unbedenklich angenommene) Aktenlage ab, soweit hinreichend konkrete Feststellungen zum Unfallhergang fehlten (vgl ua 8C_53/2011, 8C_248/2010, 8C_817/2007).
Dies geschah offenbar in Anwendung des Untersuchungsgrundsatzes. Der Fürstliche Oberste Gerichtshof vergewissert sich auch in Verfahren nach dem Alters- und Hinterlassenenversicherungsrecht sowie nach dem Invalidenversicherungsrecht, ob das Fürstliche Obergericht die für die Entscheidung wesentlichen Tatsachen hinreichend festgestellt hat und ob die entsprechenden Feststellungen auf einer hinreichenden Beweisgrundlage basieren. Im Revisionsverfahren nach dem UVersG gelten allerdings die allgemeinen Bestimmungen der ZPO. Daher ist es dem OGH verwehrt, die Beweiswürdigung der Vorinstanzen zu überprüfen und in Abänderung deren Feststellungen eigene zu treffen (vgl GE 2013, 433 LS 1, Erw 14.1.1.ff; GE 2011, 138 Erw 17.4.1.ff).
Allerdings kann der OGH den Inhalt unbedenklicher Urkunden, also von solchen, deren Echtheit und Richtigkeit nicht bestritten wurde, auch noch im Revisionsverfahren den Feststellungen zugrunde legen (OGH 01.12.2017 08 CG.2015.89 Erw 8.5.4. mwN, so StGH 2016/128 Erw 3.; RIS-Justiz RS0121557 ua).
Laut den bereits oben wiedergegebenen Feststellungen steht lediglich fest, dass der Kläger "beim Skifahren ohne Fremdverschulden gestürzt und dabei auf den Kopf und Rücken gefallen war". Nach dem Skiunfall hatte der Kläger am Unfallort die Möglichkeit, entweder 200 bis 300 m nach oben zur Bergstation zu gehen oder langsam zur Talstation zu rutschen. Der Kläger hat sich für das Zweite entschieden. Anschliessend fuhr er mit seinem eigenen Wagen in seine Wohnung nach *** (ON 105 S 45 unten, S 46 unten). Der Kläger war auch vom Erstgericht zum Unfallhergang nicht hinreichend befragt worden (vgl ON 16 S 24-26 und ON 102 S 11-12).
Gegenüber Prof. Dr. G, der für die Rechtsvorgängerin der Beklagten in dieser Sache ein Gutachten erstellt hatte, gab der Kläger nach dem Inhalt desselben sinngemäss an, er sei als mässig guter Skifahrer von der Piste weg in Tiefschnee geraten, weil er einem kleinen Kind ausweichen habe wollen, sodass er zu Sturz gekommen sei. Hiebei sei er "gewissermassen durch die Luft geflogen und zunächst auf dem Kopf (zwischen Scheitel und Hinterkopf) und daran anschliessend auf dem Rücken gelandet". Weiters habe sich der Kläger demnach an diesen primären Sturz auf den Kopf noch erinnern können, während er aber "anschliessend keine Erinnerungen" mehr hatte, und diesen Zustand als "bewusstlos" beschrieb (Beilage 5 S 4 Abs 3). Ähnliches ergibt sich aus dem "Erstbericht" des Landeskrankenhauses Feldkirch, der einen Tag nach dem Unfallsgeschehen erstellt wurde. Demnach war der Kläger "laut eigenen Aussagen kurz bewusstlos". Nach einer nicht näher aktenkundigen Fremdaussage soll der Kläger "rückwärts auf den Kopf, Rücken, Hals gefallen und dann kopfüber abwärts gerutscht sein". Zehn Minuten nach dem Unfall hätten Kopfschmerzen begonnen. Der Kläger sei dennoch abgefahren. Am Abend seien dann "Nackenschmerzen sowie ziehende Schmerzen vor allem im Bereich der linken Schulter bis auf Mitte Oberarm und zwischen die Schulter auf Mitte BWS aufgetreten" (Beilage 4 Blatt 1 unten).
Diese Urkunden wurden von der Beklagten zum Beweis ihres eigenen Prozessstandpunktes vorgelegt. Der Kläger hat deren Echtheit und Richtigkeit nicht bestritten (ON 8 S 7, 8). Gegenteilige Beweisergebnisse zum wiedergegebenen Inhalt dieser Urkunden liegen nicht vor, weshalb dieser vom Revisionsgericht seiner Entscheidung zugrunde gelegt werden kann.
Demnach war der Unfall von einem offenbar skifahrenden Kind ausgelöst worden. Wenn der Kläger "gewissermassen durch die Luft und dann auf dem Kopf gelandet war", sodass sich daran eine "kurze Bewusstlosigkeit" und die festgestellten Verletzungen anschlossen, zeigt dies in unbedenklicher Weise, dass der Unfall doch bei Einhaltung einer nicht unerheblichen Geschwindigkeit passiert und auch der Aufprall mit dem Kopf sowie den weiteren Körperteilen einigermassen heftig heftig gewesen sein muss. Dies rechtfertigt aber im Sinn der zuvor zitierten Judikatur des Schweizerischen Bundesgerichts die Annahme der Unterinstanzen, das Unfallereignis dem eigentlichen mittleren Bereich zuzuordnen. Den gegenteiligen Revisionsausführungen vermag sich daher der Fürstliche Oberste Gerichtshof nicht anzuschliessen.
8.16.
Daher sind für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs mindestens drei nicht ausgeprägt erfüllte Kriterien erforderlich, sofern nicht bereits (mindestens) eines der relevanten Adäquanzkriterien in besonders ausgeprägter bzw auffallender Weise gegeben ist (8C_53/2011 E 4.1.1. unter Hinweis auf BGE 134 V 109 E 10.1. S 126f; vgl 8C_899/2013 E 5.1.3.: vier Kriterien in der einfachen Form oder eines in ausgeprägter Weise bei einem mittelschweren Unfall an der Grenze zu einem leichten). Davon ausgehend ist - soweit erforderlich - auf die oben (Erw 8.13.) wiedergegebenen Kriterien zur Adäquanzbeurteilung einzugehen; sinnvollerweise zunächst auf jene, die in erster Linie Gegenstand der unterinstanzlichen Entscheidungen und deshalb auch der Revisionsschriftsätze sind.
8.17.
Die Vorinstanzen haben insbesondere unter Hinweis auf die beim Kläger häufig auftretenden chronischen Cluster-Kopfschmerzen das Kriterium der "erheblichen Beschwerden" bejaht. Nach der die erwähnten Kriterien modifizierenden Entscheidung BGE 134 V 109 E 10.2.4. S 128, 129 können adäquanzrelevant nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss (nach Art 19 Abs 1 chUVG) ohne wesentlichen Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich demnach nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt. Von "erheblichen Beschwerden" spricht das Schweizerische Bundesgericht auch dann, wenn beispielsweise das glaubhaft geklagte Leiden und die dadurch bewirkte Einschränkung im Lebensalltag das bei HWS-Distorsionen übliche Mass deutlich übertrifft (8C_571/2011 E 6.2.4.).
In diesem Verfahren ist allerdings nicht auf Art 19 Abs 1 UVersG (der Art 19 Abs 1 chUVG entspricht) abzustellen, weil hier eine Revision der Rente nach Art 22 UVersG zu beurteilen ist. Entscheidend ist daher, unter welchen Beschwerden der Kläger ab dem massgeblichen Zeitraum beginnend mit dem Jahr 2008 zu leiden hat.
Dabei ist in diesem nach den Bestimmungen der ZPO geführten Verfahren von den Feststellungen auszugehen, die von den Vorinstanzen erarbeitet und allenfalls disloziert wiedergegeben wurden. Es steht fest, dass beim Kläger im Jahr 2008 zuerst nächtlich drei bis vier Kopfschmerzattacken vom Cluster-Typ auftraten, während der Kläger dann aber "auch ca ein halbes Jahr Ruhe hatte". In der Folgezeit liessen sich die Kopfschmerzepisoden vorübergehend "managen". Bis Februar 2011 gab es nur noch einzelne Kopfschmerzattacken; diese traten dann aber wieder häufiger auf. Im Jahre 2012 hatte der Kläger zuerst zwei Kopfschmerzattacken pro Woche, ab Juni 2012 dann zwei bis drei Anfälle pro Tag, was sich dann bis Juni 2013 "so durchzog". In der Folgezeit muss von chronischen Kopfschmerzattacken mit einer Häufigkeit von einer Attacke alle zwei bis drei Tage bis zu zwei Attacken täglich ausgegangen werden. Anlässlich einer der genannten Kopfschmerzattacken erleidet der Kläger heftigste Schmerzen (ON 105 S 52).
Das Berufungsgericht hat diese Feststellungsgrundlage (ohne Beweiswiederholung oder -ergänzung) dahin erweitert, dass der Cluster-Kopfschmerz - gemeint offenbar: wie er beim Kläger auftritt - auf einer Schmerzskala mit den höchsten Stufen 9 und 10 bemessen wird und dieser Kopfschmerz trotz verschiedener therapeutischer Ansätze auf hohem Niveau stagniert. Weiter ging das Berufungsgericht demnach von "einer erheblichen Beeinträchtigung und einer erheblichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes" des Klägers aus (ON 113 S 73 Abs 2, 74). Soweit diese Feststellungen auf dem von Dr. J für die Beklagte erstatteten Gutachten vom 30.06.2011 (richtig: Beilage 13) beruhen, ist dies nach den vorstehenden Ausführungen zu Erw 8.15. nicht zu beanstanden. Aus dieser Beilage lässt sich ableiten, dass es sich bei den beim Kläger auftretenden Kopfschmerzen "um ein subjektiv aufgrund der Stärke der Schmerzen erheblich beeinträchtigendes Krankheitsbild mit eigenständiger Dynamik handelt" (Beilage 13 S 19 unten).
Der Sachverständige Prof. Dr. H hat in der vom Berufungsgericht dazu angeführten Bezugsstelle (ON 44 S 7 Abs 1) ausgeführt, dass der Cluster-Kopfschmerz als der "wahrscheinlich beeinträchtigenste Kopfschmerz" gilt. Dass diese Cluster-Kopfschmerzen zu einer umfassenden Arbeitsunfähigkeit des Klägers führten, macht klar, dass diese mit einer erheblichen die Lebensqualität beeinträchtigenden Intensität gegeben sein müssen. Nach der vom Berufungsgericht weiter herangezogenen Aktenstelle (Gutachten Dr. K ON 82 S 28) besteht nach den einzelnen Attacken eine ausgeprägte Erschöpfung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Ebenso hat das Berufungsgericht mit Bezugnahme auf das erstinstanzliche Urteil seiner Entscheidung die Sachverhaltsannahme zugrunde gelegt, dass es sich bei den Leiden des Klägers um eine "schwere Erkrankung, verbunden mit schwersten Schmerzen, chronischem Erschöpfungssyndrom und chronischem Schlafentzug" handelt (ON 113 S 74 Abs 2). In der Revision wird nicht gerügt, dass das Berufungsgericht seiner Entscheidung derartige (dislozierte) Feststellungen zugrunde gelegt hat. Es wird in diesem Zusammenhang keine Mangelhaftigkeit oder Nichtigkeit des berufungsgerichtlichen Verfahrens geltend gemacht. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs wäre ohnehin nicht anzunehmen, weil die Parteien Gelegenheit hatten, sich zu den entsprechenden Verfahrensergebnissen zu äussern. sodass auch das Revisionsgericht an dieser Feststellungsgrundlage gebunden ist. Soweit in der Revision davon abweichend argumentiert wird, kann der Fürstliche Oberste Gerichtshof darauf nicht eingehen.
Den Revisionsausführungen ist nur insoweit zuzustimmen, als die Cluster-Kopfschmerzen zwar ab dem Jahr 2008 als von den Vorinstanzen bedeutsam angesehen werden, während sie sich aber erst im Laufe der Zeit (ab Februar 2011) besonders gehäuft wiederhol(t)en. Dementsprechend sind die Vorinstanzen auch davon ausgegangen, dass beim Kläger ab Mai 2008 die Arbeitsunfähigkeit mit 50%, ab Oktober 2008 mit 80% und ab Januar 2011 mit 100% gegeben war (ON 105 S 59 oben).
Berücksichtigt man, dass der Kläger ab Juni 2012 bis Juni 2013 an zwei bis drei Anfällen pro Tag und in der Folge an Attacken alle zwei bis drei Tage bzw bis zu zwei Attacken täglich litt bzw leidet und dabei heftigste Schmerzen auftreten (ON 105 S 52 Abs 2), so ist daraus abzuleiten, dass diese Schmerzzustände den Lebensalltag des Klägers durchgehend enorm beeinträchtigen. Damit ist in rechtlicher Hinsicht bereits das Kriterium "erhebliche Beschwerden" sogar in besonders ausgeprägter Weise erfüllt. Wiederholend sei dazu festgehalten, dass das Kriterium "erheblich" nicht fordert, dass ständig solche Beschwerden vorliegen müssen. Massgeblich ist dabei, ob diese Beschwerden besonders häufig und besonders intensiv auftreten. Beides kann hier aber spätestens für den Zeitraum ab Anfang 2011 angenommen werden. Soweit die Revision ausführt, dass beim Kläger offenbar zwischenzeitlich Phasen auftreten, in denen er nicht an den Cluster-Kopfschmerzen oder deren Folgen unmittelbar leidet, vermag dies an der dargestellten rechtlichen Qualifikation nichts zu ändern.
8.18.
Mit der Präzisierung des ursprünglich massgeblichen Kriteriums "des Grades und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit" sollte dem Umstand Rechnung getragen werden, dass bei leichten bis mittelschweren Schleudertraumen der HWS (und punkto Adäquanzbeurteilung gleich zu behandelnden Verletzungen) ein längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen Standpunkt aus als eher ungewöhnlich erscheint. Nicht mehr die Dauer der Arbeitsunfähigkeit soll daher massgebend sein, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als solche, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unternimmt. Darin liegt der Anreiz für die versicherte Person, alles daran zu setzen, wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ihr trotz solcher Anstrengungen nicht, ist ihr dies durch Erfüllung des Kriteriums anzurechnen. Konkret muss ihr Wille erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung möglichst rasch wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Dies gebietet schon der allgemeine sozialversicherungsrechtliche Grundsatz der Schadensminderungspflicht. Danach hat die versicherte Person nach Eintritt des Schadens alle ihr möglichen und zumutbaren Massnahmen zu treffen, um diesen zu mindern oder zu beheben. Solche Anstrengungen der versicherten Person können sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversuchen trotz allfälliger persönlicher Unannehmlichkeiten manifestieren. Dabei ist auch der persönliche Einsatz im Rahmen von medizinischen Therapiemassnahmen zu berücksichtigen. Sodann können Bemühungen um alternative, der gesundheitlichen Einschränkung besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss nach Art 19 Abs 1 chUVG (vgl Art 19 Abs 1 UVersG) in erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kriterium erfüllen (BGE 134 V 109 E 10.2.7. S 129, 130).
Nach den das Revisionsgericht bindenden Feststellungen war der Kläger als Folge der Cluster-Kopfschmerzen zunächst mit 50% und dann mit 80% arbeitsunfähig. Bereits diese Prozentsätze bedeuten eine nicht unerhebliche Verwirklichung des zitierten Kriteriums. Die in der Folge eingetretene Arbeitsunfähigkeit von 100% ist nicht mehr steigerungsfähig. Sie übersteigt jedenfalls die Qualifikation als "erheblich" in deutlichem Masse. Nach den vorstehenden Ausführungen und entgegen den Revisionsüberlegungen kommt es hierbei im Verfahren über die Revision der Rente nicht auf das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit vor den genannten Zeiträumen an.
Schliesslich hat das Erstgericht festgestellt, dass der Kläger im fraglichen Zeitraum ein Einkommen erzielte und somit die geforderte Anstrengung unternommen hat, trotz der teilweise bzw in der Folge zur Gänze bestehenden Arbeitsunfähigkeit einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und ein Einkommen zu generieren (ON 105 S 53 oben, S 68 unten). Davon ausgehend ist der damalige Wille des Klägers erkennbar, seine (teilweise) Arbeitsunfähigkeit mit ernsthaften Anstrengungen zu überwinden. Dem hält die Revision auch nichts Substantiiertes entgegen, sodass sich weitere Ausführungen dazu erübrigen.
Zusammengefasst zeigt sich, dass die Vorinstanzen zu Recht angenommen haben, dass von den adäquanzrelevanten Kriterien zwei in besonders ausgeprägter Weise erfüllt werden, sodass der Anspruch des Klägers auf eine Invalidenrente grundsätzlich zu Recht besteht. Über die bisher behandelten Argumente der Revision hinaus enthält diese keine weiteren erörterungsbedürftigen Ausführungen, insbesondere auch nicht zur Höhe der Invalidenrente und deren Fälligkeit, sodass sich weitere Erörterungen erübrigen.
8.19.
Dennoch sei dazu abschliessend erwähnt, dass auch bei Heranziehung der sogenannten "Psycho-Praxis" der vom Kläger erhobene Anspruch auf Invalidenrente zu Recht bestünde: Zwei der dafür massgeblichen Kriterien lauten "körperliche Dauerschmerzen" sowie "Grad und Dauer der physisch bedingen Arbeitsunfähigkeit". Nach den oben wiedergegebenen Feststellungen kann kein Zweifel sein, dass der Kläger zumindest seit Anfang des Jahres 2011 an sehr starken Cluster-Kopfschmerzen leidet, die sich chronifiziert haben. Auch wenn naturgemäss die daraus resultierenden Schmerzen nicht immer in gleichbleibender Intensität vorhanden sind, ändert dies nichts daran, dass diese jedenfalls ab Juni 2012 als Dauerschmerzen zu qualifizieren sind, litt doch der Kläger von damals bis Juni 2013 an zwei bis drei Anfällen pro Tag, während in der Folge "von Attacken alle zwei bis drei Tage bis zu zwei Attacken täglich ausgegangen werden muss" (ON 105 S 52 Abs 2). Nicht strittig ist, dass die Cluster-Kopfschmerzen nicht auf eine organisch nachweisbare Gesundheitsschädigung zurückzuführen sind. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es sich dabei nicht um körperliche Dauerschmerzen handelt. Dies ist jedenfalls nach den das Revisionsgericht bindenden Feststellungen - wie sie oben wiedergegeben wurden - mit Grund anzunehmen und bisher im Verfahren auch nicht ernstlich in Frage gestellt worden. Dass das entsprechende Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, kann ebenfalls den vorstehenden Ausführungen entnommen werden. Dasselbe gilt für "Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit". Nach den Feststellungen ist davon auszugehen, dass die (teilweise) Arbeitsunfähigkeit durch den Cluster-Kopfschmerz und damit (jedenfalls weit überwiegend) physisch bedingt ist (ON 105 S 59 oben, vgl S 64 Mitte und die nachfolgenden Ausführungen). Ein höherer Grad als 100% Arbeitsunfähigkeit und eine längere Dauer als eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit ist nicht möglich, weshalb auch dieses zweite Kriterium in besonders ausgeprägter Weise vorliegt. In diesem Zusammenhang kann auch auf die Entscheidung 8C_425/2016 E 4.3.4. verwiesen werden. Die angeführte Qualifikation wäre auch dann noch gegeben, wenn man mit dem Erstgericht (im Rahmen seiner Beweiswürdigung - ON 105 S 64 Mitte) entgegen den ausdrücklich als solche zu wertenden Feststellungen davon ausginge, dass die Arbeitsunfähigkeit "aufgrund der depressiven Begleitreaktion und Erwartungsangst bzw Angststörung in Höhe von 20%" begründet ist, sohin in einem untergeordneten Ausmass psychisch bedingt wäre. Den gegenteiligen Revisionsausführungen vermag sich daher der Fürstliche Oberste Gerichtshof nicht anzuschliessen.
8.20.
Zur Integritätsentschädigung
8.20.1.
Erleidet der Versicherte durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat er nach Art 24 Abs 1 UVersG Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (vgl Art 24 chUVG). Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Art 25 Abs 1 UVersG = Art 25 Abs 1 chUVG).
Ein Integritätsschaden gilt nach Art 41 Abs 1 UVersV als dauernd, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Art 41 Abs 1 UVersV = Art 36 Abs1 chUVV). Für die Bemessung der Integritätsentschädigung gelten gemäss Art 41 Abs 2 UVersV die Richtlinien des Anhangs 4.
Fallen mehrere körperliche, geistige oder psychische Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung festgesetzt. Die gesamte Entschädigung darf den Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen. Bereits nach dem Gesetz bezogene Entschädigungen werden prozentual angerechnet (Art 41 Abs 3 UVersV). Nach Art 4 dieser Gesetzesstelle sind voraussehbare Verschlimmerungen des Integritätsschadens angemessen zu berücksichtigen, während Revisionen nur im Ausnahmefall möglich sind, wenn die Verschlimmerung von grosser Tragweite ist und nicht voraussehbar war (vgl dazu auch Art 36 chUVV).
Anhang 4 zur UVersV ("Bemessung der Integritätsentschädigung") bestimmt in seiner Ziffer 1. Folgendes:
Für die nachstehend genannten Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes. Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet. Das gilt auch für das Zusammenfallen mehrerer körperlicher, geistiger und psychischer Integritätsschäden. Integritätsschäden, die gemäss der dort angeführten Skala 5% nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung. In der Folge enthält diese Bestimmung eine Skala der Integritätsentschädigung, auf die noch zurückzukommen sein wird (vgl dazu Anhang 3 zur chUVV).
8.20.2.
Schon der Wortlaut der angeführten Bestimmungen zeigt, - wie bereits vom Berufungsgericht ausgeführt und in der Revision nicht gerügt wurde - dass die Skala der Integritätsentschädigung keine abschliessende Aufzählung enthält (vgl 8C_826/2012 E 2.2.; BGE 124 V 29 E 1b S 32). Darin werden häufig vorkommende und typische Schäden prozentual gewichtet. Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet. Die medizinische Abteilung der SUVA hat in Weiterentwicklung der bundesrechtlichen Skala zur chUVV zusätzliche Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sogenannte Feinraster) erarbeitet. Diese von der schweizerischen Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen keine Rechtssätze dar und sind für das Gericht nicht verbindlich. Mit anderen Worten enthalten sie für das Gericht nicht verbindliche Richtwerte, nach denen sich die Integritätsentschädigung - nur, aber immerhin - im Regelfall nach dem angegebenen Prozentsatz richtet. Damit sind im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben möglich. Soweit diese SUVA-Tabellen lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichstellung aller Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur chUVV vereinbar (8C_826/2012 E 2.2. unter Hinweis auf BGE 124 V 29 E 1c S 32; vgl 8C_121/2018 E 4.3.2.). Diese Grundsätze sind nach den obigen Erwägungen zu 8.4. auch auf die massgebliche liechtensteinische Rechtslage übertragbar.
8.20.3.
Gemäss Art 41 Abs 4 UVersV (vgl Art 36 Abs 4 chUVV) sind - wie erwähnt - voraussehbare Verschlimmerungen des Integritätsschadens bereits bei dessen Festsetzung angemessen zu berücksichtigen. Revisionen sind nur im Ausnahmefall möglich, wenn die Verschlimmerung von grosser Tragweite ist und nicht voraussehbar war. Eine voraussehbare Verschlimmerung liegt vor, wenn im Zeitpunkt der Festsetzung der Integritätsentschädigung eine solche als wahrscheinlich prognostiziert und damit auch geschätzt werden kann. Nicht voraussehbare Verschlechterungen können naturgemäss nicht im Voraus berücksichtigt werden. Entwickelt sich daher der Gesundheitsschaden im Rahmen der ursprünglichen Prognose, ist die Revision einer einmal zugesprochenen Integritätsentschädigung ausgeschlossen. Hingegen ist die Entschädigung neu festzulegen, wenn sich der Integritätsschaden später bedeutend stärker als prognostiziert verschlimmert. Dem Erfordernis der angemessenen Entschädigung ist einzig dann genüge getan, wenn die versicherte Person eine zulässige Kapitalabfindung erhält, die zusammen mit der früheren Leistung dem endgültigen Integritätsschaden entspricht. Die Prognose (fallbezogene medizinische Beurteilung über die voraussichtliche künftige Entwicklung einer Gesundheitsbeeinträchtigung im Einzelfall) ist eine Tatfrage, die anhand medizinischer Feststellungen zu beurteilen ist (8C_885/2014 E 2.2. mwN).
8.20.4.
Fallen mehrere körperliche, geistige oder psychische Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach Art 41 Abs 3 UVersV nach der gesamten Beeinträchtigung festgesetzt. Die Gesamtschädigung darf den Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen. Bereits nach dem Gesetz bezogene Entschädigungen werden prozentual angerechnet. Von verschiedenen Integritätsschäden ist auszugehen, wenn die Beeinträchtigungen sich medizinisch eindeutig feststellen und in ihren Auswirkungen voneinander klar unterscheiden lassen. Klar unterscheidbare und sich gegenseitig nicht beeinflussende Integritätsschäden sind grundsätzlich zu addieren. Bei einer gegenseitigen Überlagerung verschiedener Beeinträchtigungen darf der Gesamtwert indessen nicht dazu führen, dass ein Teil der Beeinträchtigungen doppelt entschädigt wird. Umgekehrt kann sich eine Erhöhung rechtfertigen, wenn sich die verschiedenen Beeinträchtigungen in ihrer Wirkung verstärken (8C_826/2012 E 3.2.; vgl 8C_19/2017 E 4.4.).
8.20.5.
Laut den Feststellungen litt der Kläger - wie ebenfalls wiederholt erwähnt - nach dem Skiunfall an Schulter-, Nacken- und Kopfschmerzen (insbesondere Cluster-Kopfschmerzen). Bis ins Jahr 2001 waren die dauernden Kopfschmerzen des Klägers teilweise leichter, manchmal stärker. Im Jahre 2008 hatte der Kläger dann zuerst nächtlich drei bis vier Kopfschmerzattacken vom Cluster-Typ, dann aber auch zirka ein halbes Jahr Ruhe. In der Folgezeit liessen sich die Kopfschmerzepisoden vorübergehend managen. Bis Februar 2011 gab es nur noch einzelne Kopfschmerzattacken, dann traten die Attacken aber wieder häufiger auf. Im Jahre 2012 hatte der Kläger zuerst zwei Kopfschmerzattacken pro Woche, ab Juni 2012 dann zwei bis drei Anfälle pro Tag, was sich dann bis Juni 2013 so durchzog. In der Folgezeit muss von chronischen Kopfschmerzattacken mit einer Häufigkeit von einer Attacke alle zwei bis drei Tage bis zu zwei Attacken täglich ausgegangen werden. Anlässlich einer dieser Kopfschmerzattacken erleidet der Kläger an heftigsten Schmerzen (ON 105 S 52 Abs 2).
In ihrer Verfügung vom 30. November 2001 hatte die Rechtsvorgängerin der Beklagten dem Kläger eine Invalidenrente von 18% und eine Integritätsentschädigung von 20% zugesprochen (ON 105 S 48 - 51). In weiterer Folge war der Kläger zunächst offenbar in seiner Erwerbstätigkeit nicht beeinträchtigt (ON 105 S 53 oben). Hingegen trat beim Kläger ab Mai 2008 eine Arbeitsunfähigkeit von 50%, ab Oktober 2008 von 80% und ab Januar 2011 von 100% ein (ON 105 S 59 oben). Auch wenn es auf diese Arbeitsunfähigkeit für sich hier nicht ankommt, wird dadurch im Zusammenhang mit den angeführten Feststellungen zum Ausmass und der Intensität der Cluster-Kopfschmerzen ein Indiz dafür begründet, dass die Verschlimmerung des Gesundheitszustandes des Klägers von grosser Tragweite ist, wäre es doch sonst nicht zu dieser Arbeitsunfähigkeit gekommen (vgl Art 41 Abs 4 UversV und Erw 8.20.7.).
8.20.6.
Demgegenüber ergibt sich aus der Verfügung der Rechtsvorgängerin der Beklagten vom 30. November 2001 (ON 105 S 48 ff), dass diese damals annahm, dass eine allmähliche Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 90% per 28.02.2001 zu erreichen sein und dass die dauernde Arbeitsunfähigkeit 10% betragen werde (ON 105 S 49 Abs 2). Davon ging demnach offenbar auch der Kläger aus (ON 105 S 49). Wenn gleich wie erwähnt der Erwerbsfähigkeit in diesem Zusammenhang keine (unmittelbare) Bedeutung zukommt, war demnach seinerzeit offenbar klar, dass die Parteien für die Zukunft eine deutliche Verbesserung und nicht Verschlimmerung des Leidenszustandes des Klägers erwarteten. Aus diesen für das Revisionsverfahren massgeblichen Feststellungen lässt sich ableiten, dass die Verschlimmerung des Integritätsschadens in der dargestellten grossen Tragweite auch nicht voraussehbar war. Aus der Verfügung sind gegenteilige Anknüpfungspunkte eben so wenig abzuleiten wie aus dem dieser zugrunde liegenden Sachverständigengutachten. Entgegen den Ausführungen in der Revision der Beklagten liegen somit die nur ausnahmsweise anzunehmenden Voraussetzungen für eine Revision des Integritätsschadens vor.
8.20.7.
Das Erstgericht erachtete - durch das Berufungsgericht im Ergebnis bestätigt - "angesichts der ab Januar 2011 vorliegenden 100%-igen Arbeitsunfähigkeit aufgrund chronischer in der festgestellten Häufigkeit auftretender schwerster Schmerzen die eingeklagte zusätzliche Integritätsentschädigung von CHF 42'420.00 (richtig: CHF 42'720.00) als gerechtfertigt". Die Beklagte qualifiziert diese Begründung (in disziplinär bedenklicher Weise) als "fadenscheinig". Richtig ist, dass nach Art 41 Abs 1 UVersV die Erheblichkeit des Integritätsschadens "unabhängig von der Erwerbsfähigkeit" zu beurteilen ist. Das Erstgericht hat jedoch seine Bezugnahme auf die 100%-ige Arbeitsunfähigkeit mit den chronischen schwersten Schmerzen, die der Kläger seit Januar 2011 erleiden muss, verknüpft und damit nur zum Ausdruck gebracht, in welcher Weise und mit welcher Intensität sich das Leiden des Klägers, der vor dem Unfall voll erwerbstätig war, auf dessen Lebensgestaltung, die bei einem voll Erwerbstätigen von der Erwerbstätigkeit massgeblich beeinflusst wird, auswirkt. Dies ist nicht zu beanstanden.
8.20.8.
Wie bereits ausgeführt ist die in Anhang 4 der UVersV angeführte Liste zur Skala der Integritätsentschädigung nicht abschliessender Natur. Nichts anderes gilt für die sogenannten SUVA-Tabellen, die lediglich Richtwerte zur Sicherstellung der Gleichbehandlung aller Versicherten beinhalten. Entscheidend ist vielmehr, dass durch die Folgen des Unfalls die körperliche, geistige oder psychische Integrität des Versicherten eine dauernde erhebliche Schädigung erfährt.
Die zuvor wiedergegebene Verknüpfung der Arbeitsunfähigkeit mit den Cluster-Kopfschmerzen durch das Erstgericht bringt implizit zum Ausdruck, dass es sich bei den Letzteren um einen Dauerzustand handelt. Dass dies nicht der Fall sei, wird in der Revision von der Beklagten auch gar nicht geltend gemacht. Wird aber der Kläger sein Leben lang an diesen Schmerzen leiden, so ist damit eine der Voraussetzungen für die Zuerkennung einer Integritätsentschädigung verwirklicht. Dass diese Schmerzen auch eine erhebliche Schädigung bedeuten, wurde bereits dargelegt. Auch zu diesem Themenkreis ist die Revision inhaltsleer.
8.20.9.
Die Beklagte führt in ihrem Rechtsmittel selbst aus, dass die dem Kläger mit ihrer Verfügung vom 30.11.2001 zugesprochene Integritätsentschädigung wegen seiner Schädigung an der Wirbelsäule und nicht wegen der Kopfschmerzen zuerkannt wurde. Richtig ist, dass sich die Beklagte in ihrer Verfügung unter anderem auf das Gutachten des Sachverständigen Dr. G bezogen hat, der unter Hinweis auf die "SUVA-Tabelle im UVV-Anhang 3" bzw "Tabelle 7.2." und damit auf Wirbelsäulenaffektionen aus medizinischer Sicht den Integritätsschaden mit 10-20% bemessen hat (Beilage 5 S 24). Daraus ist für die Beklagte aber nichts zu gewinnen. Nach den Feststellungen ist nämlich mit hinreichender Wahrscheinlichkeit der Cluster-Kopfschmerz des Klägers auf ein beim Unfall erlittenes leichtes Schädelhirntrauma zurückzuführen. Es liegen damit zwei klar unterscheidbare und sich gegenseitig nicht beeinflussende Integritätsschäden vor. Dass diese sich gegenseitig überlagern würden, ist nämlich den Feststellungen nicht zu entnehmen. Diese sind daher zu addieren (Erw 8.20.4.).
8.20.10.
Für die Bemessung des Integritätsschadens kann nicht unmittelbar auf die Skala der Integritätsentschädigung im Anhang 4 zur UVersV und die SUVA-Tabellen zurückgegriffen werden, weil in deren nicht abschliessenden Aufzählungen Cluster-Kopfschmerzen nicht beinhaltet sind. Entgegen den Revisionsausführungen kann zur Frage der analogen Anwendung der SUVA-Tabellen aber auch der Skalenwerte nach Anhang 4 der UVersV nicht auf die Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts zu 8C_362/2014 und 8C_139/2009 Bezug genommen werden. Im ersten Fall ging es vor allem um neuropathische Schmerzen in Zusammenhang mit Nervenschädigungen am rechten Unterschenkel des Versicherten, was mit dem hier vorliegenden Integritätsschaden nicht vergleichbar ist. Richtig ist, dass in der zweiten Entscheidung von der SUVA in hilfsweiser Anwendung der SUVA-Tabelle 7 "Integritätsschaden bei Wirbensäulenaffektionen" eine Entschädigung für Kopfschmerzen zuerkannt wurde, dem sich damals das Kantonale Gericht angeschlossen hat. Darauf ist jedoch das Schweizerische Bundesgericht nicht weiter eingegangen, weil dazu keine Einwendungen erhoben wurden (do 4. und 5.1.).
Allerdings sieht Anhang 4 für eine "posttraumatische Epilepsie mit Anfällen oder in Dauermedikation ohne Anfälle" einen Skalenwert von 30% vor. Posttraumatische Epilepsie ist häufig auf Schädel-Hirn-Traumata zurückzuführen. In Verbindung mit Anfällen aufgrund von Epilepsie können erfahrungsgemäss auch mehr oder weniger heftige Kopfschmerzen auftreten (§ 269 ZPO). Es ist daher gerechtfertigt, hier den entsprechenden Skalenwert anzuwenden. Aus den SUVA-Tabellen ergeben sich dazu keine näheren Anknüpfungspunkte.
Berücksichtigt man, dass Anfälle bei posttraumatischer Epilepsie nur mit gewissen Abständen auftreten und der Skalenwert von 30% auch bei einer Dauermedikation ohne Anfälle zur Anwendung kommt, sowie Ausmass, Häufigkeit, Intensität und Folgen der vom Kläger zu erleidenden heftigsten Kopfschmerzen so ist die Ausmessung des Integritätsschadens für diese mit 40% (insgesamt sohin 60% unter Berücksichtigung der Integritätseinschätzung von 20% im Bescheid der Beklagten vom 30.11.2001) zutreffend.
9.
Der Revision war daher ein Erfolg zu versagen.
10.
Die Kostenentscheidung ist in §§ 50, 40, 41 ZPO begründet. Der Kläger hat die Kosten für seine Revisionsbeantwortung richtig verzeichnet.
Vaduz, am 07. Februar 2020
Fürstlicher Oberster Gerichtshof, 1. Senat